Computerspiele aus Iran: Feuer frei auf den Westen

Von Vandad Sohrabi

Tel Aviv angreifen, Atomwissenschaftler befreien: In Computerspielen aus Iran wird der Konflikt mit dem Westen auf dem Rechner ausgetragen. Das Land reagiert damit auf ähnliche Formate aus dem Westen. Hinter einigen Titeln stecken Militär und Regierung.

Das iranische Militär im Kampf gegen Piraten: Iran befeuert virtuelle Schlacht Fotos

Berlin - Die Lage ist heikel: Die jüngsten Atom-Gespräche in Moskau sind gescheitert, ab dem 1. Juli sollen mit einem Öl-Embargo die Sanktionen gegen Iran weiter verschärft werden. Der Konflikt zwischen Teheran und dem Westen spitzt sich zu.

In der Realität versuchen Diplomaten, die Lage zu entschärfen. In der virtuellen Welt der Computerspiele ist es dafür bereits zu spät. Dort wird längst scharf geschossen, ziehen Truppen und Panzer in die Schlacht. Im Westen füllen Shooter, die politische Feindbilder propagieren, die Kassen der Game-Hersteller. So beschwört etwa der Blockbuster-Titel "Battlefield 3" einen Krieg der USA gegen Iran in der nahen Zukunft.

In dem iranischen Spiel "Special Operation 85: Hostage Rescue" wiederum befreit man als Agent ein iranisches Atomwissenschaftler-Ehepaar aus israelischer Gefangenschaft. So bedienen beide Seiten die Feindbilder. Und Iran legt jetzt nach. Mit der geplanten Veröffentlichung von "Attack on Tel Aviv" erreicht der Propagandakrieg auf dem Spielemarkt einen neuen Höhepunkt.

Denn der iranische Titel ist politisch genau geplant: Der offizielle Verkaufsstart fällt auf den Beginn des Öl-Embargos. Auf Anfrage bestätigte das Büro der iranischen nationalen Stiftung für Computerspiele (IRCG), dass sie das Spiel entwickelt. Die Stiftung bezeichnet sich selbst als gemeinnützige Organisation frei von staatlichem Einfluss. Ihr Ziel ist es nach eigenen Angaben, zum Dachverband der iranischen Spieleindustrie zu werden.

Zum konkreten Inhalt will man vor dem offiziellen Spielstart nichts sagen. So viel ist immerhin klar: "Das Spiel stellt die iranische Reaktion auf amerikanische Soldaten im Kampf auf Teherans Straßen in 'Battlefield 3' dar", sagte Behruz Minaei, Geschäftsführer der nationalen Stiftung für Computerspiele gegenüber der Nachrichtenagentur Fars.

Kampf um die Jugend

"Attack on Tel Aviv" ist offenbar Teil einer staatlich geförderten Spielekampagne. Der Auftrag dazu soll von höchster Stelle kommen, vom religiösen Führer Ali Chamenei persönlich. So berichtet es die Agentur Fars. Das Thema Computerspiele sei auf Anweisung des Revolutionsführers auf die Agenda gesetzt worden, erklärte der Oberste Rat der Kulturrevolution (SCRC).

In Teheran läuft in diesen Tagen die zweite Auflage einer internationalen Spielemesse. Dort sorgt eine andere Spielankündigung für Aufsehen: Die Fatwa gegen den britisch-indischen Schriftsteller Salman Rushdie ist zu einem Videospiel verarbeitet worden: "The Stressful Life of Salman Rushdie and Implementation of his Verdict" lautet der Titel. Die Islamische Studentenvereinigung, eine von der Regierung unterstützte Organisation, hat das Spiel entwickelt und nach eigenen Angaben gerade fertiggestellt. Genaue Angaben zum Inhalt des Spiels sind bislang nicht bekannt.

Auch das iranische Militär ist dabei. In dem ersten selbstproduzierten Ego-Shooter namens "Battle in Gulf of Aden" nimmt der Spieler die Rolle einer iranischen Kampfeinheit ein, die gegen Piraten am Horn von Afrika kämpft. Die iranischen Einsatzkräfte werden als Garanten für globale Sicherheit präsentiert - eine Botschaft, die der iranischen Führung gefallen dürfte.

Die Entwicklung neuer Computerspiele soll auch dabei helfen, die islamische Republik für eine junge Zielgruppe attraktiver zu machen. "Iran ist ein Zentrum für die Entwicklung von Computerspielen in den islamischen Ländern", sagte der Minister für Kultur, Mohammed Hosseini, der Agentur Fars: "Wir wollen zu den Top-Entwicklungsländern für Spiele aufschließen."

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insgesamt 57 Beiträge
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1. ....
Jacques Mesrine 29.06.2012
propaganda-killerspiel? das beherrscht der westen doch seit 20 jahren in perfektion. stets gehts gegen den roten feind und neuerdings gegen "terroristen" und nun ist man plötzlich auffällig dünnhäutig....ungewohnt dünnhäutig. lustig ist es allemal atomwissenschaftler zu "befreien"
2. Endlich
felisconcolor 29.06.2012
Zitat von sysopTel Aviv angreifen, Atomwissenschaftler befreien: In Computerspielen aus Iran wird der Konflikt mit dem Westen auf dem Rechner ausgetragen. Das Land reagiert damit auf ähnliche Formate aus dem Westen. Hinter einigen Titeln stecken Militär und Regierung. Iran stellt Ego-Shooter "Attack on Tel Aviv" vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,841320,00.html)
bewegt sich mal wieder was in der Spieleszene. Hoffentlich ist die Übersetzung für den nordeuropäischen Markt besser als manch andere Machwerke aus westlicher Produktion. Und vor allen Dingen nicht wieder kaputt zensiert. Denn ich schätze mal hierzulande wird das Spiel wohl auf dem Index landen
3. - Games -
marifu 29.06.2012
Zitat von sysop. So viel ist immerhin klar: "Das Spiel stellt die iranische Reaktion auf amerikanische Soldaten im Kampf auf Teherans Straßen in 'Battlefield 3' dar", ..........
Wohin die amerikanischen (geschmacklosen) Spiele welche unter das amerikanische Volk gestreut wurden abzielten war von Anfang an klar. Ist nur logisch, dass der Iran in gleicher Weise antwortet. Siegen heisst vom Feind zu lernen und das erste Gebot heisst, seine Sprache zu verstehen. Soll der Bessere gewinnen, nicht ?
4. Putzig
Stelzi 29.06.2012
Sogar herzig!
5. Gleiches Recht
Hoffentlich_ausgeglichen 29.06.2012
Das halte ich nur für logisch; warum sollte der Iran nicht von den USA lernen? Wenn man einige Namen austauschen würde, dann stünde hier ein Artikel, den kein Mensch interessiert, weil die USA das schon längst machen. ;-)
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Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei, und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad.
Leute
Corbis
Iran hat rund 72 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 84 (Deutschland ist auf Platz 22). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 79 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).

Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.


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