Videospiel "Just Cause 3" im Test Und ich hab Boom gemacht

Die vorgegebene Geschichte spielen oder testen, was man sonst so in die Luft jagen kann? "Just Cause 3" ist ideal fürs Ausprobieren: Das Spiel ist ein Chaosgenerator. Der Test.

Square Enix

Langsam zieht sich das Seil zusammen, das sich zwischen den beiden aufrecht stehenden Öltanks spannt. Diese knirschen bereits bedenklich, fangen an, sich zu verbiegen. Noch ein kleiner Ruck - jetzt fallen sie um, Flammen schießen heraus, sie explodieren. Endlich.

Seit der letzten Explosion sind immerhin zwei Minuten vergangen. Und Explosionen sind wichtig bei "Just Cause 3". Ebenso wichtig: Unter einem Helikopter zu hängen und dabei mit dem Raketenwerfer auf Gegner zu zielen oder sich am Fallschirm von einem Auto ziehen zu lassen.

"Just Cause 3" ist der neue Teil einer Actionserie, die von dem schwedischen Avalanche-Studio entwickelt und von Square Enix vertrieben wird. Seit dem ersten, 2006 erschienenen Teil hat sich am Inhalt der Spiele kaum etwas geändert: Der Geheimagent Rico Rodriguez wird in ein Land geschickt, um den jeweiligen Diktator zu entmachten.

Die Geschichte nimmt sich nicht einmal im Ansatz ernst

Diesmal ist es sein Heimatland Medici, ein fiktiver Inselstaat im Mittelmeer, inspiriert von Griechenland, Sizilien, Albanien und auch Ländern der nordafrikanischen Küste. Wunderschön sieht das aus, mit blauem Meer, kurvigen Küstenstraßen und hohen Bergen auf der Hauptinsel. Medici wird von dem - wie sollte es anders sein - äußerst bösartigen Diktator Di Ravello beherrscht. Den soll Rodriguez entmachten.

Der Weg dahin: viel Chaos stiften. Das wiederum funktioniert am besten, wenn Rodriguez möglichst viele Dinge explodieren lässt, dabei Städte befreit und Militärbasen einnimmt und den Rebellen übergibt. Die Geschichte nimmt sich dabei nicht einmal im Ansatz ernst und bewegt sich immer auf der Grenze zwischen beherrschbar und chaotisch. "Just Cause 3" fordert mehr noch als die Vorgänger dazu auf, seine Werkzeuge kreativ zu nutzen, der Schwierigkeitsgrad ist nicht mehr ganz so unvorhersehbar.

Experimentierfeld für Spielphysik

Natürlich: Man kann sich hauptsächlich schießend durchs Spiel bewegen, es gibt genug Waffen, mit denen man die immer stärker werdenden Gegner besiegen und alle rot angestrichenen Objekte in die Luft jagen kann. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten, man würde einigen Spaß verpassen.

Viel spannender ist es, den Extrem-Enterhaken zu benutzen, mit dem Rico Rodriguez ausgestattet ist. Rico kann sich selbst damit durch die Luft schleudern und entweder hoch gelegene Orte erreichen oder auf Autos, Schiffe und Flugzeuge springen. Er lässt sich aber auch als Verbindungsseil nutzen, das sich zwischen zwei Objekten spannen und dann straffen lässt, was entweder zum Reißen des Seils führt oder dazu, dass sich zwei Objekte aufeinander zu bewegen. Wie zum Beispiel ein feindlicher Hubschrauber und der Erdboden, was zum erwartbaren Ergebnis führt und viel Munition spart.

Wer mit dem Haken experimentiert, kommt auf immer neue Ideen. Natürlich könnte man einen Wasserturm mit einem Raketenwerfer in die Luft jagen. Aber wer sagt, dass man nicht den Wasserturm mit einem Lastwagen verbinden und letzteren hochziehen und somit als Abrissbirne einsetzen kann? Oder dass man ein Propagandaplakat nicht auch von einem zufällig vorbeifahrenden Bus umreißen lassen kann? Oder dass man den schwer bewaffneten Gegner nicht per Seil in den Himmel katapultieren kann? Oder...

Irgendwann stellt man fest, dass man schon diverse Stunden gespielt hat, mit der Geschichte selbst aber kaum vorangekommen ist. Ein gutes Zeichen, heißt das doch, dass das Spielprinzip funktioniert und tatsächlich spannender als die Geschichte ist. Hier funktioniert das Sandkastenprinzip, das viele Open-World-Spiele auszeichnet.

Zudem denkt "Just Cause 3" gar nicht daran, Spieler auf einen bestimmten Weg zu zwingen, sondern gibt ihnen wirklich die Freiheit, einfach das Land zu erkunden, irgendwas passiert schließlich immer. Was man feststellt, wenn man wirklich die Missionen beginnt, die die Geschichte weiterbringen: Zwar sind die Filmsequenzen, die in die Aufgaben einführen, amüsant bis herrlich absurd, die eigentlichen Missionen aber oft schwächer und langweiliger als das, was im planlosen Spielen geschieht.

Eskortieren von Freunden oder Gefangenen, oder Fahrzeuge sicher an ein Ziel bringen: Es scheint, als ob die Kreativität hier am Ende war. Was aber wenig ausmacht, schließlich vergisst man zwischen zwei Missionen immer wieder, dass man eigentlich einen Diktator stürzen soll, und befreit mal eben zwei Städte und drei Militärbasen, macht ein Autorennen, fliegt mit einem Hubschrauber einen Parcours ab oder spielt einfach mit dem Enterhaken.

"Just Cause 3" ist ein explosiver Sandkasten, ein Experimentierfeld für Spielphysik, ein Katalysator für absurde Ideen und ein Chaosgenerator. Ein Spiel, in dem das Spielen über die Geschichte gewinnt und in dem man immer wieder ungeduldig wird, wenn man länger als zwei Minuten keine Explosion zu sehen bekommt.


"Just Cause 3" von Square Enix, für Playstation 4, Xbox One, PC, ab 50 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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vandenplas 03.12.2015
1. Gleitschirm und Wingsuit
Die Fortbewegungsart via Enterhaken, Gleitschirm und Wingsuit ist eine echte kleine Innovation und sorgt in Kombination mit der oppulenten Grafik schon für viel Spielspass.
hasipapa 03.12.2015
2. Freude für den Ballermann
Ich habe das das Spiel erst 10 Stunden gespiel. Ein bischen FarCry an jeder Ecke und einfache Zwischenaufgaben. Aber Hubschrauber mit einem Panzer abknallen, Schiffe mit einem Maschinengewehr versenken, oder Städte einnehmen ist in einer wunderschönen Welt einfach spaßvoll. Und wenn man mit dem Haken drei Benzintanks umreißt und diese dann einen einen sechs meter Benzintank wegschupsen und dieser einen Hang runterkullert um in einer klasse Explosion sich zerlegt, dann komm Freude auf. Schußphysikalisch genial, Geschichte banal. Aber wer will immer eine Aufgabe, wenn Spaß an der Freude haben kann. Also rann Ballermann.
Holbirn 03.12.2015
3. Klasse Bericht
Das Spiel mag ja vielleicht schlecht sein, aber der Bericht ist erstklassig :-)
kein_gut_mensch 03.12.2015
4. Auf keinen Fall
Zitat von HolbirnDas Spiel mag ja vielleicht schlecht sein, aber der Bericht ist erstklassig :-)
Das ist eines der Spiele bei denen man nicht nachdenken sollte. ;-) Story schlecht, Charakterzeichnung schlecht, Missionen schlecht, ... egal ... das ist Just Cause da macht man sich über solche Nebensächlichkeiten keine Gedanken. Konsole an, Kopf aus und los gehts. Das ist die Stärke von Just Cause.
schicktsdich? 04.12.2015
5. Wieso
so negative Kommentare hier? Wer Just Cause kennt und gespielt hat weiß, dass man das Spiel kaum mit anderen vergleichen kann (außer vlt mit GTA). Story ist Nebensache und eigentlich nur dazu da um mit der Steuerung vertraut zu werden und herauszufinden was alles möglich ist. Und möglich ist eigentlich alles was man sich vorstellen kann. Die Idee mit dem Enterhaken und dem Fallschirm gibt einem das Gefühl in einem GTA gelandet zu sein bei dem permanent Cheats aktiviert sind. Hammer!
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