"Just Cause 4" im Test Die Lizenz zum Sprengen

Einfach mal alles in die Luft jagen: "Just Cause 4" ist ein Spielplatz, auf dem eigentlich dauernd etwas explodiert. Hier erfahren Sie, ob sich ein virtueller Ausflug dorthin lohnt.


Bumm!

Wollte man die "Just Cause"-Reihe mit einem Begriff zusammenfassen, so wäre das der richtige Ausdruck. Schließlich geht es darin um Explosionen - um große, um kleine und auch um mittlere. Es geht darum, Dinge in die Luft zu jagen und sich mit einer Art Hyper-Physik zu beschäftigen. Nebenbei ist es aber auch wichtig, ein südamerikanisches Land von einem Diktator zu befreien.

"Just Cause 4" wurde wie seine Vorgänger von den Avalanche Studios entwickelt. Wie seine Vorgänger erlaubt es seinem Protagonisten Rico Rodriguez, weite Teile der Infrastruktur eines fiktiven Landes in die Luft zu jagen. Und dazwischen gilt es, auf Gegner zu schießen und das Land zu bereisen, indem man entweder mit Wingsuit und Fallschirm reist, man Flugzeuge oder Helikopter kapert, Boote übernimmt oder ganz schnöde mit dem Auto fährt.

Am wenigsten geht es bei "Just Cause 4" um die Geschichte. Die ist schnell zusammengefasst: Rico Rodriguez - der früher für die geheimnisvolle Agency arbeitete, eine Art CIA ohne diesen Namen - ist Geheimagent, der dazu ausgebildet wurde, Länder zu destabilisieren. Das macht er auch noch, nachdem er nicht mehr für die Agency arbeitet.

Eine ziemlich dünne Geschichte

In Solis - so heißt der Schauplatz diesmal - ist er aus persönlichen Gründen: Rodriguez' Vater arbeitete vor seinem Tod an einem Wetterbeeinflussungssystem für den Diktator von Solis. Der soll jetzt abgesetzt werden, auch weil er mit der schwarzen Hand zusammenarbeitet, einer Söldnertruppe, die von Solis aus andere Länder terrorisiert.

Das ist natürlich eine ziemlich dünne Geschichte, sie schafft es aber zumindest, einen Gegner einzuführen und zudem ein neues Spielzeug auf die Landkarte zu setzen: schlechtes Wetter. Oder vielmehr: Gewitterstürme voller Blitze, Tornados, die selbst Busse in die Luft schleudern, Sandstürme und auch einen Blizzard, der die Hauptforschungsstation uneinnehmbar macht. Erstmal natürlich. Das soll sich ändern.

Fotostrecke

8  Bilder
Actionspiel: Das ist "Just Cause 4"

Die zweite wichtige Neuerung ist die Konzentration auf den Enterhaken, den Rodriguez am Handgelenk trägt. Er scheint - ganz deutlich wird das nicht - aus einem sehr dünnen und sehr reißfesten Draht zu bestehen, an dem ein Haken angebracht ist. Diesen Haken schießt man raus und verbindet ihn mit Zugmotoren, einem Minidüsenantrieb oder Luftballons. Oder auch mit allen drei Dingen gleichzeitig. So kann man den Haken auf gegnerische Fahrzeuge schießen, sie in den Himmel fliegen lassen und sie per Düsenschub außerhalb der Schussweite bugsieren.

Oder man verbindet zwei riesige Öltanks miteinander und lässt sie vom Motor zusammenziehen. Die Explosion wird großartig werden. Noch besser, wenn sich ein Öltank dabei wie eine riesige Zigarre in den Himmel erhebt und dann ein Feuerwerk herunterregnen lässt.

Es geht ums Chaos

Weil man all diese Funktionen immer wieder braucht - oder zumindest nutzen will, weil sie Spaß machen - kann man sich seine Lieblingskonfigurationen vorbereiten und immer wieder abrufen. So kann man Feinde in die Luft schicken, Hubschrauber mit Vollgas rückwärts an einen Berg fahren, sich einen Düsenantrieb für Autos bauen oder auch einen Panzer in ein Luftschiff umbauen. Und vor allem: Viel Chaos anrichten. Das ist wichtig für den Fortgang der Geschichte.

Je mehr Chaos es gibt, desto größere Teile von Solis können befreit werden und desto mehr Missionen können gemacht werden. Zwischendurch arbeitet man als Archäologe oder Stuntman und schaltet damit weitere Modifikationen für den Enterhaken frei - mit denen man wiederum noch ausgefeilteres Chaos verursachen kann. Oder sich durch Solis bewegen.

Das ist nämlich - neben den Explosionen - mit das Schnönste an "Just Cause 4": sich an einem Baum festhaken, sich hochschleudern lassen und den Fallschirm ziehen und weiter in die Höhe steigen. Sich mit erneuten Zügen nach vorne schwingen, irgendwann den Fallschirm gegen einen Wingsuit eintauschen und durch Schluchten fliegen, zum Fallschirm zurückzuwechseln und sich von einem Auto ziehen lassen, um sich irgendwann so hoch zu schwingen, dass man ein Flugzeug oder Luftschiff kapern kann. Um dann zur Abwechslung mal wieder was in die Luft zu jagen.

Nervig und wunderbar

"Just Cause 4" ist ein wunderbarer Spielplatz, auf dem man sehr viel Unfug anstellen kann. Gleichzeitig aber ist es ein Spiel, das immer wieder nerven kann. Weil die Grundidee auf dem Anrichten von Chaos basiert, dieses Chaos aber immer wieder von Fehlern unterbrochen wird. Figuren bleiben hängen, Autos verhalten sich nicht immer wie geplant und immer wieder verirrt sich die Kamera in Feuergefechten.

Und doch macht "Just Cause 4" viel Spaß. Mehr als so mancher hoch gelobter Titel der letzten Monate. Auch weil es vielleicht nicht viel mehr sein möchte als ein Spielplatz, auf dem man sehr viel Unfug machen kann. Tiefgang kann man dann woanders suchen.


"Just Cause 4" von Square Enix, für PC, Playstation 4 und Xbox One, ca. 60 Euro; USK: Ab 18 Jahren



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rhywden 05.12.2018
1. Und die Bugs? Und die dämliche KI?
Unglücklicherweise geht der Author nicht auf die zahlreichen Probleme dieses Spiels ein. Da wäre einmal die haaresträubend schlechte Tastenbelegung und Steuerung, die "Tutorials", die einem erklären, wie man die Hupe(!) eines Helikopters betätigt aber nicht wie man mit dem abhebt, die Grafik, die teilweise von vorgestern ist (Wasser ist zum Beispiel einfach nur eine blaue Fläche - Wellen gibt es da nicht), eine haaresträubende Physik-Engine die einen Öltanker meilenweit inlands fliegen lässt und zum Schluss eine grottige KI, wo gegnerische Soldaten reihenweise von Brücken springen oder so lange gegen Wände fahren, bis das Auto explodiert. Von der dünnen Story ganz zu schweigen. Endresultat: Finger weg.
RenegadeOtis 05.12.2018
2.
Zitat von rhywdenUnglücklicherweise geht der Author nicht auf die zahlreichen Probleme dieses Spiels ein. Da wäre einmal die haaresträubend schlechte Tastenbelegung und Steuerung, die "Tutorials", die einem erklären, wie man die Hupe(!) eines Helikopters betätigt aber nicht wie man mit dem abhebt, die Grafik, die teilweise von vorgestern ist (Wasser ist zum Beispiel einfach nur eine blaue Fläche - Wellen gibt es da nicht), eine haaresträubende Physik-Engine die einen Öltanker meilenweit inlands fliegen lässt und zum Schluss eine grottige KI, wo gegnerische Soldaten reihenweise von Brücken springen oder so lange gegen Wände fahren, bis das Auto explodiert. Von der dünnen Story ganz zu schweigen. Endresultat: Finger weg.
Erstaunlich. Erwartet wirklich jemand Story und eine realistische KI von einer Spiel-Reihe wie Just Cause? Sie beklagen sich nicht über die Reißfestigkeit des Seiles, die Graphen bei weitem übersteigt, die spontanen Explosionen von Fahrzeugen (unrealistisch), das Flugverhalten von Rico (Wingsuit als Superheldenanzug?) oder etwa darüber, dass Batman wegen der ganzen Sprünge von Dächern schon längst nur noch Trümmerbrüche als Beine haben müsste. Oh, das Letzte gehört ja nicht hier her.
ronny_goa 05.12.2018
3. Flop des Jahres
Das spiel ist der größte Flop des Jahres.Die Grafik unter aller sau und nicht umsonst bei Steam negativ Bewertung.In dem spiel wurde soviel gespart und ich frage mich wie man so ein schlechtes Game freigeben kann!!!Seid Konsole gehts mit pc Games immer mehr bergab und wir Gamer haben so langsam die schnauze voll.Habe fertig
steinhai 05.12.2018
4. @ronny_goa
"Seid Konsole gehts mit pc Games immer mehr bergab und wir Gamer haben so langsam die schnauze voll." Da haben sie völlig Recht. Aber es ist auch nichts neues das die Wirtschaft immer wieder versucht mit einem Produkt, ein älteres Produkt abzuwerten, um das neue besser vermaqrkten zu können. Denken sie an die Videocassette, Laserdisc, DVD, Bluray, Bluray3D. Auch bei diesen Produkten gab man sich zu seiner Zeit, viel Mühe und man sah, was die Technik doch wirklich kann. Als Beispiel die DVD. Am Anfang gab es die Filme mit vielen Extras, Sprachen und manchmal mit 3D Brille, Rot/Blau. Dann kam die Bluray und auf ein Mal wurden die Filme ohne oder mit nur wenig Extras und schlechter Qualität verkauft. Das sollte den Kunden zum Kauf der Bluray verleiten die dann mit den Extras angeboten wurde. Seit der Bluray 3D, wurden die Extras von der normalen Bluray reduziert und sie auf die 3D Version gepackt. Heute geht das Spiel mit der Bluray 4K weiter und die Bluray 3D wurde fast vom Markt genommen um die 4K zu verkaufen. Die Fernseher genau so. Die heutigen Fernseher haben die 3D Technik quasi nicht mehr. Das geht ein paar Jahre und dann wird 3D wieder eingeführt als die neuste Technik. Das waren nur einige Beispiele wie mit uns gespielt wird. Bei Spielen ist es genau das selbe. Die PC Versionen werden kaum noch auf den Markt gebracht um die Playstation und co besser zu verkaufen. Daran verdienen sie einfach mehr an den Spielen die auch nicht mehr einfach gechrackt werden können. Das wiederum ist ein verlust für die Computer Branche, die kaum noch neue Grafikkarten an den Mann bringen können. Am Ende haben aber wir selbst alles in der Hand. Aber solange wir nicht alle begreifen worum es wirklich geht und nichts dagegen unternehmen, wird sich überhaupt nichts ändern, leider!
Alter Falter 06.12.2018
5. Schrott par Excellence
Als alter Fan der Reihe habe ich im September(!) die Gold-Version für 90 € vorbestellt und mich auf viele Stunden Spaß gefreut. der ist mir allerdings vergangen, als ich die vorgegebene und nicht veränderbare WASD Steuerung entdeckt habe. Eine bodenlose Frechheit bei einem sog. AAA-Game. Damit ist das Spiel für mich unspielbar. Leider habe ich es zu lange probiert und die 2-Stunden-Refund-Frist verpasst. Die miserable Grafik (Eisenbahnschienen in 2D!!!) passt zu einer völlig verkorksten Veröffentlichung. Eine Katastrophe und die Enttäuschung des Jahres.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.