Klassischer Ego-Shooter: "Quake" fliegt vom Index

Nach "Doom" gilt "Quake" als der zweite große Ego-Shooter-Klassiker. Doch in Deutschland war das Spiel seit 1996 kaum mehr zu bekommen: Es stand auf dem Index. Nun hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Bann aufgehoben. "Quake" ist wieder ganz offiziell verkäuflich.

"Quake": Cthulu und Reznor Fotos

Hamburg - Nach einem Zeitraum von zehn Jahren kann prinzipiell der Antrag gestellt werden, ein einst als jugendgefährdend eingestuftes Schriftstück, einen Film oder ein Spiel noch einmal zu prüfen. Nun entschied ein Gremium der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), dass dem klassischen Horror-Shooter heute "nicht länger eine verrohende Wirkung innewohnt".

Eine Indizierung bedeutet kein Verbot im eigentlichen Sinne - ein indiziertes Produkt darf aber weder beworben noch öffentlich zum Verkauf angeboten werden. "Quake" gab es also nur für Erwachsene und nur unter dem Ladentisch oder im Hinterzimmer.

Die Geschichte von "Quake" ist ziemlich wirr, es geht um einen einsamen, namenlosen Kämpfer, der in diverse Paralleldimensionen entsandt wird, um es dort mit fremdartigen Monstern aufzunehmen. Irgendwie ist eine Dimensionstor-Technologie außer Kontrolle geraten, und das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel. Der Plot aber ist auch völlig irrelevant - in "Quake" geht es um Atmosphäre. Die Spielfigur schleicht -oder eilt - durch dunkle Gänge und Höhlen, durch teils fremdartige, teils ziemlich mittelalterliche Gebäude.

Unterwegs begegnet er diversen Arten von Monstern, die es mit einem ständig wachsenden Waffenarsenal zu atomisieren gilt. Eine wichtige Rolle für die "Quake"-Atmosphäre spielte der Soundtrack, geschrieben und produziert von Nine-Inch-Nails-Frontmann Trent Reznor: eine düstere, hallend-dröhnende Klangkulisse, unterbrochen von harten Industrial-Sounds. Am Spiel selbst arbeiteten diverse Branchenlegenden: John Romero, John Carmack und American McGee. Das Spiel brachte eine Fülle von Erweiterungen und Nachfolgetiteln hervor, wurde von Fans modifiziert und als elektronische Sportarena benutzt.

"Trotz der inhärenten Tötungsbejahung"

Die Gewaltszenen in "Quake" seien "nach heutigen Maßstäben weder als detailliert noch als realistisch/realitätsnah einzustufen", urteilt die BPjM nun. Zwar sei das Spiel "nach wie vor unzweifelhaft von den zahllosen Kämpfen mit diversen Gegnern und damit von Gewalt geprägt", doch deren Darstellung sei "nach heutigen Maßstäben nicht mehr als realistisch und nicht mehr als detailliert anzusehen". Daher sei "eine verrohende Wirkung nicht länger gegeben".

"Aufgrund der technisch veralteten Darstellungsweise" habe "Quake" nur noch eine "historisch-dokumentarische Bedeutung". Weil das Spielgeschehen an sich "realitätsfern, futuristisch" sei, erreiche es "trotz der nach wie vor inhärenten Tötungsbejahung nicht länger den Grad einer Jugendgefährdung".

Für Kinder ist "Quake" trotz alledem auch heute ungeeignet. Das Spiel wird wohl im Zweifel eine Einstufung "Ab 18" bekommen, aber das hat nicht die BPjM zu entscheiden, sondern die USK.

Interessant ist, dass die BPjM-Prüfer mit ihrer Entscheidung erneut einen rasanten Wandel in der Beeindruckbarkeit von Jugendlichen implizieren, denn gruselig ist "Quake" auch heute noch. Die Gutachter aber urteilten, gefährliche Auswirkungen für die Gewaltbereitschaft Jugendlicher werde das kaum haben: "Das spielerische Erleben hinsichtlich der empathischen Beeinflussung der Rezipierenden ist demnach heute anders zu bewerten als noch vor 15 Jahren."

Erst vor kurzem waren mit einer ähnlichen Begründung die ebenfalls von Id Software hergestellten Spiele "Doom" und "Doom: Hell on Earth" vom Index gestrichen worden. Sogar Spiele für den Commodore 64 werden noch bis heute gelegentlich de-indiziert.

cis

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