Kölner Spielemesse Gamescom: Höhepunkte für Hardcore-Daddler

Von , Köln

Was bringen Microsoft, Nintendo und Co. demnächst auf die Konsole? Die Kölner Gamescom-Messe zeigt die Spieleneuheiten der Saison. Die Branchenschau verspricht mehr Aussteller und mehr Premieren - und liefert leider auch eine herbe Enttäuschung.

Gamescom: Mehr Aussteller, mehr Bewegung Fotos
DPA

An der Gamescom kommt keiner mehr vorbei - zumindest in Deutschland. Die Kölner Videospielmesse hat den Leipziger Rivalen Games Convention von der Landkarte gefegt und wächst weiter. 550 Aussteller sollen dieses Jahr vom 17. bis 21. August am Rhein vertreten sein, 2010 waren es fast 50 weniger. Sie stammen aus fast 40 Ländern, darunter in dieser Branche eher exotische Akteure aus Mexiko, Norwegen und Vietnam.

Insgesamt präsentieren sie zusammen etwa 300 Spiele. Wobei sich die Zahl der echten Weltpremieren in Grenzen hält. Die Branche stellt ihre Highlights inzwischen wieder lieber bei der E3 in Los Angeles vor. Die ab Donnerstag erwarteten 250.000 Gamescom-Besucher werden dennoch einiges zu sehen bekommen - auch wenn eine herbe Enttäuschung dabei ist. Das Wichtigste in Kürze:

Nintendo gibt deutschen Gamern einen Korb: Die im Juni in Los Angeles vorgestellte neue Konsole Wii U wird man in Köln nicht zu sehen bekommen - sehr enttäuschend. Nintendo will stattdessen mit einem langerwarteten neuen "Zelda"-Abenteuer namens "Skyward Sword" punkten - und weiter kräftig für die innovative, aber bislang nicht gerade sensationell erfolgreiche Mobilkonsole 3DS werben. Deren ohne Brille wahrnehmbarer 3-D-Effekt machte zwar bei ersten Präsentationen viel Eindruck - die Zielgruppe aber hält sich bislang zurück, selbst in Nintendos Mutterland Japan.

Microsoft zeigt neue Bewegungsspiele für seine Bewegungssteuerung Kinect für die Xbox 360, darunter ein weiterer Sporttitel und eine von den Fans sehnsüchtig erwartete "Star Wars"-Umsetzung. Für die Hardcore-Gamerschaft ist auch einiges dabei: Gezeigt werden etwa ein "Halo"-Titel und der dritte Teil des Alien-Shooters "Gears of War". Letzterer wird den Besuchern vorbehalten bleiben, die sich mit einem bunten Bändchen am Handgelenk als volljährig ausweisen können - die ersten beiden "Gears of War"-Spiele kamen in Deutschland gar nicht auf den Markt. Was auch damit zu tun hat, dass die Sturmgewehre der Spielkrieger mit einem Kettensägen-Bajonett ausgerüstet sind. Teil drei aber, versichert Microsoft, solle in Deutschland zumindest Erwachsenen zum Kauf angeboten werden.

Sony zeigt erstmals in Deutschland die Vita-Mobilkonsole, die sich vor allem durch ein neues Bedienkonzept auszeichnet: Sie hat eine berührungsempfindliche Rückseite, damit die Spieler bei der Touchscreen-Bedienung nicht immer an den eigenen Fingern vorbeispähen müssen. Ob das Gerät gegen die immer besseren Smartphones überhaupt noch eine Chance hat, bleibt abzuwarten. Sony zeigt zudem eine Reihe neuer Titel für die Playstation-Bewegungssteuerung Move, darunter das Tanzspiel "DanceStar Party" - hat aber auch Hardcore-Gamer-Futter im Gepäck: unter anderem einen dritten Teil des hochgelobten Action-Adventures "Uncharted" und eine Fortsetzung des Alien-Shooters "Resistance" für die neue Vita.

Branchenriese Electronic Arts (EA) will in diesem Jahr vor allem Aufmerksamkeit für einen potentiellen "World of Warcraft"-Konkurrenten erreichen: Das Online-Spiel "The Old Republic", entwickelt von den Rollenspiel-Spezialisten von Bioware, spielt im "Star Wars"-Universum, allerdings ein paar tausend Jahre vor Luke Skywalkers Geburt. Wie üblich hat EA darüber hinaus reichlich Fortsetzungen im Gepäck: unter anderem ein neues "Fifa"-Fußballspiel, "Mass Effect 3", einen neuen "Battlefield"-Kriegsshooter ("Die großartigste und authentischste Kriegserfahrung dieses Jahres"), ein neues "Need for Speed" (diesmal mit Rennen, die unter anderem während eines Lawinenabgangs im Gebirge stattfinden). Eine echte Neuankündigung gab es bei der EA-Pressekonferenz auch: Es wird, irgendwann demnächst, einen neuen Straßenfußballtitel namens "Fifa Street" geben.

Activision Blizzard hat in Köln neben der "WoW"-Erweiterung "Cataclysm" unter anderem ein neues "Call of Duty: Modern Warfare" dabei. Die Shooter-Serien der Branchenriesen gehören erfahrungsgemäß zu den Titeln, die am meisten Publikumsinteresse wecken - auch wenn sie oft wenig wirklich Neues bringen.

Der dritte große, unabhängige Publisher Ubisoft wird eine Fortsetzung der hochgelobten "Assassin's Creed"-Reihe ("Revelations") zeigen, außerdem das deutlich friedlichere und niedlichere "Rayman: Origins". Ubisoft hat auch die wohl kommerziell aussichtsreichsten deutschen Produktionen im Portfolio: "Anno 2070", eine Science-Fiction-Variante der Aufbaustrategie-Serie und "Die Siedler online", die Browserspiel-Variante des Brettspiel-Klassikers - die allerdings schon seit einiger Zeit online spielbar ist.

Einige nicht ganz so geheime Geheimtipps der Messe: "Deus Ex: Human Revolution" von Square Enix und "Batman: Arkham City" von Warner Bros. Ersteres ist der dritte Teil einer von der Kritik gepriesenen Spieleserie des Branchengenies Warren Spector, ein düsteres Science-Fiction-Werk, in dem nicht nur geschossen werden muss, sondern auch moralische Entscheidungen zu treffen sind. "Arkham City" ist die Fortsetzung von "Batman: Arkham Asylum", das vergangenes Jahr viel Lob einheimste. Diesmal darf der dunkle Ritter nicht nur eine Nervenklinik erkunden, sondern ganz Gotham auf der Suche nach Bösewichten durchstreifen.

Für Aufmerksamkeit sorgen dürfte auch ein neuer "Silent Hill"-Titel aus dem Hause Konami ("Downpour"), die 3-D-Umsetzung von Hideo Kojimas Schleichspiel-Klassiker "Metal Gear Solid: Snake Eater", die Fortsetzung des finsteren "The Darkness" und "Bioshock: Infinite" von Take2 Interactive. Außerdem interessant: Der Endzeit-Shooter "Rage" und das epische Rollenspiel "Skyrim" (eine Fortsetzung von "Elder Scrolls") von Bethesda Softworks.

Jenseits der Produktreklame bietet die Messe ein paar Highlights für Hardware-Fetischisten: Wie jedes Jahr findet ein Casemod-Wettbewerb statt, in dessen Rahmen Schrauber und Schweißer ihre modifizierten PC-Gehäuse präsentieren, außerdem ist eine gewaltige Sammlung historischer Konsolen zu bewundern (Halle 8, Stand B 62), organisiert von dem besessenen Leipziger Sammler René Meyer. Die Schau reicht von der ersten kommerziell erhältlichen Spielkonsole Magnavox Odyssey von 1972 bis zum Arcade-Gehäuse fürs iPad, umfasst aber auch seltene und kuriose Exponate wie die einzige Spielkonsole aus DDR-Produktion mit dem poetischen Namen "Bildschirmspiel 01".

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insgesamt 45 Beiträge
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1. nebenbei...
Geisterkarle 17.08.2011
... wird auch um VERDAMMT viel Preisgeld in verschiedenen Turnieren gekämpft! Aber anscheinend nicht so wichtig so, zu zeigen, dass Computerspielen nicht nur ein stupides Hobby sein kann...
2. Hier könnte Ihr Titel stehen!
robur 17.08.2011
Zitat von sysopWas bringen Microsoft, Nintendo und Co. demnächst auf die Konsole? Die Kölner Gamescom-Messe zeigt die Spieleneuheiten der Saison. Die Branchenschau verspricht mehr Aussteller und mehr Premieren - und liefert*leider auch eine herbe Enttäuschung. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,780522,00.html
"Ersteres ist der dritte Teil einer von der Kritik gepriesenen Spieleserie des Branchengenies Phil Spector" Doppelt falsch. Der Schöpfer der ersten beiden Teile heißt Warren Spector, und der arbeitet am dritten Teil gar nicht mit, weil er längst bei Disney unter Vertrag ist. Recherche? I wo, sind ja nur Computerspiele.
3. Anmerkung
Tikal69 17.08.2011
Zitat von sysopWas bringen Microsoft, Nintendo und Co. demnächst auf die Konsole? Die Kölner Gamescom-Messe zeigt die Spieleneuheiten der Saison. Die Branchenschau verspricht mehr Aussteller und mehr Premieren - und liefert*leider auch eine herbe Enttäuschung. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,780522,00.html
Norwegen ist sicherlich kein Game-Entwicklungsland - FunCom mit Age of Conan lässt da schön grüßen.
4. -
franko_potente 17.08.2011
Zitat von sysopWas bringen Microsoft, Nintendo und Co. demnächst auf die Konsole? Die Kölner Gamescom-Messe zeigt die Spieleneuheiten der Saison. Die Branchenschau verspricht mehr Aussteller und mehr Premieren - und liefert*leider auch eine herbe Enttäuschung. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,780522,00.html
Niemand hat die GamesConvention von der Karte gefegt. Die großen Spielehersteller sitzen zum Teil in Köln und Leipzig platze aus allen nähten. Dies ist kein Verdienst der Kölnmesse, sondern schlicht einem Infrastrukturvorteil geschuldet. Die Kölner steheln doch schon seit langem die Messeideen in Leipzig. Man mag darüber denken wie man will. Ferner: Die Großen stellen lieber wieder auf der E3 aus. Tja, das wäre in Leipzig nicht passiert, war es doch eben die bessere Publikumsmesse und eben nicht einfach ein VielzulauteMusik Event neben vielen anderen Veranstaltungen. Aber so ist das eben, wenn man meint, eifach kopieren zu müssen. An der Loveparade hat mans gesehen. Es gab ein Origina,, welches in Berlin stattfand und dann versuchen Provinznester das gleiche zu erreichen. Ergebnis bekannt. Mich ärgerts einfach nur. Die Gamescom ist ein Daddelevent wie es hunderte gibt, die Ossis hingegen haben aus dem Nichts die europüäische Leitmesse auf Augenhöhe der E3 geschaffen. Schade.
5. herb
Subtuppel 17.08.2011
gleich zweimal wird ein "herbe Enttäuschung" erwähnt - nur um dann im gesamten Artikel nicht weiter vorzukommen. Was war's denn nun?
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