Phänomen "League of Legends" Dieses Onlinespiel füllt ein WM-Stadion

Kein Onlinespiel erregt so viel Aufsehen wie "League of Legends". Sonntag wird das WM-Finale im südkoreanischen Seoul ausgetragen, in einem Fußballstadion. Mittlerweile bietet sogar eine US-Uni Stipendien für besonders talentierte Spieler.

Cosplayer als "League of Legends"-Charaktere: 27 Millionen Spieler pro Tag
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Cosplayer als "League of Legends"-Charaktere: 27 Millionen Spieler pro Tag

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40.000 Zuschauer werden am Wochenende zum WM-Endspiel ins Stadion nach Seoul fahren. Allerdings gibt es dort diesmal kein Fußballspiel zu sehen, sondern zehn Menschen am Computer.

Es wird das Endspiel des World Championships 2014 im Spiel "League of Legends" (LoL). "LoL", ein Team-Rollenspiel, gilt als derzeit beliebtestes Onlinespiel. Angeblich spielen es weltweit 27 Millionen Menschen - pro Tag. Das WM-Finale findet nun in jener Arena statt, in der die deutsche Nationalelf 2002 im Halbfinale mit 1:0 gegen Südkorea gewann.

Die Spieler, die sich Sonntag per Maus und Tastatur messen, sind Profis. Sie spielen nicht nur in ihrer Freizeit, sondern verbringen bis zu 14 Stunden täglich mit dem Team-Rollenspiel. "LoL" ist ihr Beruf. Zumindest so lange, wie sie und das Spiel noch erfolgreich genug sind.

Zehn schnelle Fakten zu "League of Legends"

Das Spiel ist von einer Modifikation für Blizzards Echtzeit-Strategiespiel "Warcraft III" inspiriert. Sie heißt "Defense of the Ancients", kurz "Dota" und diente auch dem Valve-Spiel "Dota 2" als Vorbild.

Das Computerspielgenre, dem "League of Legends" und "Dota 2" zugeordnet werden, heißt MOBA. Die Abkürzung steht für "Multiplayer Online Battle Arena".

"League of Legends" ist seit fünf Jahren auf dem Markt, doch bis heute gibt es das Spiel nur für Windows und Mac OS X. Es ist kostenlos spielbar und finanziert sich durch freiwillige Käufe der Spieler innerhalb des Spiels.

Das Spiel wird wie "Dota 2" meistens in Fünferteams gespielt, jeder Spieler übernimmt auf dem Feld eine bestimmte Rolle. Es gibt jedoch auch einen Spielmodus für Dreierteams.

Als "League of Legends" 2009 auf den Markt kam, gab es gerade mal 40 Helden. Heute haben Spieler die Wahl zwischen über hundert Charakteren, den sogenannten "Champions".

Jeder Champion hat eine eigene Hintergrundgeschichte. Die des Schwertkämpfers Master Yi etwa beginnt so: "Mit Hilfe der uralten Kampfkunst des Wuju hat Master Yi seinen Körper gestählt und seinen Verstand geschärft, bis Gedanke und Bewegung eins wurden."

Wer sich beim Spielen dauerhaft unfreundlich verhält, kann vor einem Online-Tribunal landen, bei dem andere Spieler über sein Benehmen urteilen. Sie können dem Angeklagten vergeben oder ihm eine Strafe auferlegen.

Jeden Tag wird "League of Legends" von 27 Millionen Spielern gespielt, 67 Millionen sind zumindest einmal im Monat aktiv. Zu manchen Zeiten spielen 7,5 Millionen Spieler gleichzeitig.

Es gibt auch viele Menschen, die das Spiel passiv konsumieren - etwa als Livestream. Auf der Spielestreaming-Plattform Twitch ist "League of Legends" derzeit der angesagteste Titel.

Laut "New York Times" arbeiten mittlerweile 1500 Menschen bei Riot Games. Dies ist insofern bemerkenswert, da die Firma mit "League of Legends" bislang nur ein einziges Spiel veröffentlicht hat.

Einige Hundert Spieler weltweit bekommen vom "LoL"-Hersteller Riot Games ein regelmäßiges Gehalt, damit sie ihr Training finanzieren können. Hinzu kommt die Aussicht auf hohe Preisgelder. Eine Million Dollar winkt allein dem Fünferteam, das das WM-Finale gewinnt. Selbst die Dritt- und viertplatzierten Mannschaften nehmen noch jeweils 150.000 Dollar mit nach Hause.

Nicht nur Spielehersteller wie Riot Games inszenieren ihre Spiele im Stil großer Sportarten. Auch manche Medien analysieren "LoL"-Spiele wie Sportpartien: Die "New York Times" veröffentlichte kürzlich ein Video, mit dem sich die Bewegungen von 100.000 Spielern in 10.000 Partien nachvollziehen ließen, innerhalb von 30 Sekunden.

"League of Legends" studieren und zum Beruf machen

Selbst im Bereich College-Sport hat "LoL", das 2009 als Free-to-play-Spiel veröffentlicht wurde, seinen Platz gefunden. Die Robert Morris University in Chicago vergibt seit diesem Sommer Stipendien an talentierte Spieler, im Wert von fast 19.000 Dollar pro Jahr. Einer von 35 dafür Ausgewählten ist Chung, ein 20-Jähriger aus San Francisco. Mit seinen Teamkameraden trainiert er regelmäßig in einem 100.000 Dollar teuren Klassenraum samt riesigem Video-Screen.

Einige Jahre zuvor hatte das Spielen Chung noch Probleme gebracht: Er verbrachte zehn Stunden pro Tag am Computer, die Schulnoten wurden schlechter, die Eltern wütend. "Ich hätte niemals im Leben gedacht, dass ich durch das Spielen eines Spiels mal ein Stipendium bekomme", sagt Chung heute.

Profis brauchen bestimmte Fähigkeiten

Spiele wie "LoL" und "Dota 2" haben heute kaum noch etwas mit Klassikern wie "Pac-Man" und "Donkey Kong" gemeinsam, die sich binnen Minuten lernen ließen. Wer bei "LoL" Erfolg haben will, braucht schnelle Reaktionen, muss aber auch kommunikationsfähig sein, da es sich um ein Teamspiel handelt. Gemeinsam gilt es, Strategien zu entwickeln und die nächsten Schritte des gegnerischen Teams vorauszuahnen. Dabei hilft es, möglichst viel über die Fähigkeiten der über hundert wählbaren Spielfiguren zu wissen.

"Zwischen den Standardspielern und den weltbesten Spielern gibt es einen riesigen Unterschied", sagt Whalen Rozelle, der E-Sport-Chef bei Riot Games, in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Jeder Spieler - unabhängig davon, wie gut er selbst ist - weiß zu würdigen, wie gut die Top-Spieler sind. Das merkt man an den technischen Fähigkeiten, aber zum Beispiel auch, wenn es um die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen geht."

90 Prozent der Spieler sind 15- bis 25-Jährige

Von seinem Stipendium abgesehen, ist Chung ist ein typischer "LoL"-Spieler. Riot Games zufolge zieht das Spiel vor allem Männer zwischen 15 und 25 an, sie stellen 90 Prozent der Spielerschaft. "Derzeit gibt es kein Top-Team, bei dem eine Frau in der Startaufstellung steht", sagt Whalen Rozelle. Die meisten Profispieler seien zwischen 17 und 24.

Dass ein Großteil der "LoL"-Profis Asiaten sind, erklärt Rozelle einerseits mit der Infrastruktur in Ländern wie Südkorea. Viele E-Sport-Teams würden dort von großen Konzern gesponsert, ihnen würden sogar Trainer zur Seite gestellt. Ein zweiter Punkt sei die besondere Hingabe der Spieler. "Koreanische Spieler werden mit dem Wunsch groß, E-Sport-Stars zu werden, Computerspieler sind ihre Idole", meint Rozelle. "In Europa wächst man auf und will Fußballstar werden. Erst später merkt man vielleicht beim 'LoL'-Spielen, dass dies ein Beruf sein könnte."

mit Material von AP



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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 16.10.2014
1. Stipendien...
....geil...das sagt etwas über die Voraussetzungen zum Studium in den USA aus. Grundsätzlich kann ja jeder machen was er will...und wer den ganzen Tag vor dem PC hockt und Fantasy-Spiele spielt...OK...der macht sonst auch keinen Blödsinn. Was das auf Dauer für die Gesellschaft bedeutet kann man aber schon in einigen Ländern der Welt sehen..in Japan beispielsweise wächst eine ganze Generation von lebensuntüchtigen Online Spielern heran...
RamBo-ZamBo 16.10.2014
2.
Der Hype! Ich bin mal gespannt wie das Finale läuft. Da treffen mit koreanischer taktischer Perfektion und chinesischer Hyperagressivität zwei komplett andere Spielstile aufeinander. Wobei ich erwarte das SH Royal Club von Samsung White gestompt wird. Hoffe nur es wird kein schnelles 3:0 wie letztes Jahr, das war schon argh enttäuschend. Ein Problem wird bestimmt die Kommunikation mit Insec, der als Koreaner im chinesischen Team spielt, das hat man schon in vorherigen Partien gesehen. Und gegen Samsung darf man sich keine Fehler erlauben. Aber vielleicht kann Uzi ja carrien!
konstantien 16.10.2014
3. endlich
mal En vernünftiger Bericht über LoL ich spiele es sehr fiel und das ist eine sehr gute Objektive Beschreibung nicht wo frontal 21. also besser kann es jemand der es nich lange spielt ni h machen
20InchMovement 16.10.2014
4. USA Studium
Zitat von fatherted98....geil...das sagt etwas über die Voraussetzungen zum Studium in den USA aus. Grundsätzlich kann ja jeder machen was er will...und wer den ganzen Tag vor dem PC hockt und Fantasy-Spiele spielt...OK...der macht sonst auch keinen Blödsinn. Was das auf Dauer für die Gesellschaft bedeutet kann man aber schon in einigen Ländern der Welt sehen..in Japan beispielsweise wächst eine ganze Generation von lebensuntüchtigen Online Spielern heran...
1. Die Uni Landschaft der USA ist mit der Deutschlands nicht zu vergleichen. Bei meinem Studium in den USA war ich eher beeindruckt, wie die Menschen dort erst "undecided" sind um sich dann zu entscheiden, was sie studieren wollen. Ich habe sehr viele tolle Menschen kennengelernt. Ich habe nie mit einem Studienabbrecher gesprochen. 2. Es soll Leute geben, die sich SKY abonnieren und sehr viel Fussball schauen. 3. Woher stammt diese Weisheit? Wenn ich in Japan bin, sehe ich das eigentlich nirgends...Aber vielleicht ist das Japan, dass sie kennen ein anderes?
Noctim 16.10.2014
5. Nerd-Sport
Ich komme aus der Generation World of Warcraft, welches 2014 sein 10. Jubiläum feiert. Auch hier brauchte man seinerzeit minutiöse Koordinationsfähigkeiten, sowohl motorisch wie sozial. Zu Spielen wie League of Legends konnte ich mich nie aufraffen. Zum einen ist speziell diese Gaming-Community extrem toxisch und je älter ich werde, desto mehr sehe ich die Nachteile von 14-Stunden-Zockertagen: Die Zielgruppe auf der Gamescom sprach auch äußerlich für sich. Ich verstehe den Hype nicht und bezeichne mich als Gamer der alten Schule. Je älter ich werde, desto weniger "ernst" kann ich die Nerds nehmen, die ihren Alltag auf das Spiel abstimmen.
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