"Breath of the Wild" So anders ist das neue "Zelda"

Ein Link in die Wildnis: Im lang erwarteten neuen "Legend of Zelda" ist die weitläufige Spielwelt der Star - und Nintendo traut sich, seine Kultreihe zu modernisieren. Wir konnten schon probespielen.

Szene aus "Breath of the Wild"
Nintendo

Szene aus "Breath of the Wild"

Aus Los Angeles berichtet


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Sein Abenteuer beginnt Link in Unterhose, im "Schrein der Auferstehung". "Mach die Augen auf", fordert eine Frauenstimme, hundert Jahre soll er geschlafen haben. Aus Truhen schnappt sich Link Klamotten, er bekommt ein mysteriöses Tablet und läuft eine Treppe hoch, hellem Licht entgegen.

"Link, du bist das Licht, unser Licht", hat ihm die Stimme mit auf den Weg gegeben. "Es muss noch einmal über Hyrule scheinen." Nach kaum fünf Minuten tritt die Hauptfigur des neuen "Legend of Zelda: Breath of the Wild" dann nach draußen - und blickt gemeinsam mit dem Spieler auf eine weitläufige Welt, wie es sie in der Reihe so noch nicht gegeben hat.

"Viele sagen, du kriegst in einem 3D-'Zelda' das Gefühl, das du hattest, als du das erste 'Zelda' fürs NES gespielt hast", sagt Bill Trinen, Senior Product Marketing Manager bei Nintendo. "Ich kann in alle Richtungen laufen und machen, was ich will. Ich kann mich an Orten wiederfinden, an denen ich nicht sein sollte und werde dort fertiggemacht."

Das Spiel kommt für Wii U und NX

Natürlich hat Nintendo großes Interesse daran, das neue "Zelda" als Meilenstein zu inszenieren, als Revolution - und sei es nur, um das lange Warten auf das Spiel zu rechtfertigen. 2014 wurde es auf der Spielemesse E3 angekündigt, für die Wii U.

Mittlerweile soll "Zelda" zur oder im Umfeld der Markteinführung der Nachfolgekonsole NX erscheinen, über die man praktisch nichts weiß, außer, dass sie im März 2017 im Laden stehen soll. Auf beiden Plattformen werde "Breath of the Wild" das gleiche Erlebnis bieten, heißt es knapp und alles- und nichtssagend zugleich, wenn man auf einem Presseevent kurz vor der E3 nach möglichen Versionsunterschieden fragt.

Sicher ist dagegen, dass das neue "Zelda" ein etwas anderes Erlebnis ist als seine Vorgänger. Die Entwickler betonen mehrfach, dass diesmal eigentlich die Welt die Hauptfigur sei, die Seele des Spiels. Deshalb habe man sich für den Untertitel "Breath of the Wild" entschieden und nicht wie üblich auf eine Anspielung auf eine Figur oder einen wichtigen Gegenstand.

Gegner im Spiel: Nachts schlafen sie mitunter
Nintendo

Gegner im Spiel: Nachts schlafen sie mitunter

Halbe Stunde Probespielen unter Aufsicht

Etwas mehr als eine halbe Stunde lang durfte ich den neuesten Teil auf der Wii U ausprobieren, unter fachmännischer Aufsicht eines Herrn im Nintendo-Shirt. Er ist beauftragt, mir Anregungen zu geben, was ich in der Spielwelt alles tun kann, aber eigentlich interessieren mich seine Hinweise nicht. Nach einem ersten Werbevideo gibt es genug Dinge, die ich gern ausprobieren würde, Link hat nämlich viele neue oder wenigstens angepasste Fähigkeiten.

Eingeschränkt von einer Ausdaueranzeige kann ich sprinten und klettern, zudem kann ich jederzeit und wo ich will per Tastendruck springen. Ich kann Steaks grillen oder gefundene Zutaten am Feuertopf wild kombinieren. Ich sehe eine Art Thermometer, das wohl im Zweifelsfall zu wärmerer Kleidung rät, und ich erkenne dank einer Anzeige, wie viel Lärm ich mache.

Ich kann Bäume fällen und Felsbrocken von Plateaus aus auf Gegner zurollen lassen. Und ich kann zu Fuß oder per Gleitschirm angeblich jeden noch so fernen Ort erreichen, den ich am Horizont erkenne. Auf einer virtuellen Karte markiere ich ein weit entferntes Ziel, wie in "Grand Theft Auto 5".

Link kann künftig an Bäumen und Felsen relativ frei klettern
Nintendo

Link kann künftig an Bäumen und Felsen relativ frei klettern

Während ich durch die sattgrüne Spielwelt streife, sammele ich Pilze und pflücke Äpfel. Ich beschleunige Zeit, indem ich mich an ein Lagerfeuer setze, schleiche mich dann nachts an schlafende Gegner ran, verkloppe sie und klaue ihre Waffen.

Wie in "Minecraft" verändert sich mit Einbruch der Dunkelheit nicht nur meine Spielwelt, auch meine Waffen nutzen sich irgendwann ab. Ausschalten kann ich Gegner diesmal offenbar auf vielen Wegen, was mich an "Metal Gear Solid 5" denken lässt. Auch die Rätsel sollen verschiedene Lösungsansätze bieten.

Sprache? Ja, aber bisher nur ein wenig

Dass das neue "Zelda" Erinnerungen an andere Open-World-Spiele weckt, halte ich für ein gutes Zeichen - obwohl Nintendo etwas krampfhaft versucht, für sein Spiel das Stichwort "Open Air" zu etablieren. Die Traditionsreihe wird offenbar modern, ohne jedoch zu einem Klon anderer Spiele zu mutieren. So wird zwar die Frauenstimme tatsächlich gesprochen, aber bereits die erste Figur, die ich treffe, ein alter Mann, kommuniziert wieder serientypisch per Textkästchen.

Grafisch ist "Zelda" modernen Rollenspielen wie "The Witcher 3" unterlegen, schon wegen der Wii-U-Hardware. Doch die Spielwelt wirkt liebevoll modelliert, Blätter fliegen umher, Vögel zwitschern, dazu spielt Pianomusik, die sich angeblich ans Spielgeschehen anpasst. Bill Trinen sagt, Nintendo habe sich von japanischen Animationsfilmen inspirieren lassen.

Im gezeigten Werbevideo sind neben grünen Wiesen Schnee- und Wüstenabschnitte zu sehen, zwölf Mal so groß wie beim Vorgänger "Skyward Sword" soll die Welt nun sein. Sie ist Gefahr und gigantischer Spielplatz zugleich, eine Stunde im Spiel entspricht dabei einer Minute Realzeit.

Man wolle dem Spieler in "Breath of the Wild" keinen klaren Pfad mehr vorgeben, sagt Eiji Aonuma, der die Reihe bei Nintendo betreut. Die über Hundert Schreine der Spielwelt könne man betreten und auch wieder verlassen, wann man will.

Einen Wolf hat man nur mit Wolf-Link

Beim Grafikstil hat sich Nintendo an japanischen Animationsfilmen orientiert
Nintendo

Beim Grafikstil hat sich Nintendo an japanischen Animationsfilmen orientiert

Bemerkenswert sind im Anschluss ans Probespielen noch zwei Aussagen Aonumas: So soll man erstens "Breath of the Wild" auch mit dem Pro Controller der Wii U spielen können - was erahnen lässt, dass der Zusatzbildschirm des Standard-Gamepads im Spiel wohl keine große Rolle einnimmt.

Und zweitens soll "Breath of the Wild" neben völlig neuen Amiibo-Figuren auch den bereits erhältlichen Wolf-Link unterstützen. Wer diesen besitzt und aktiviert, kann im neuen Spiel demnach einen Wolf freischalten, der Link durch die Wildnis begleitet. Ein bemerkenswertes Gameplay-Element gibt es offenbar also nur in Verbindung mit einem Zusatzkauf.

Und nicht nur das: Damit der Wolf mehr als nur drei Lebenspunkte hat, muss man die Amiibo-Figur bereits im Wii-U-Spiel "Twilight Princess HD" eingesetzt haben und den entsprechenden Speicherstand übertragen. Vielleicht will Nintendo seine Fans also doch noch einmal dazu bringen, ein älteres "Zelda" zu spielen - damit sie auch wirklich merken, was diesmal alles anders ist.


Zusammengefasst: Das neue "Zelda"-Spiel, das voraussichtlich nächstes Jahr für Wii U und NX erscheint, bricht mit einigen Konventionen der vorherigen Serienteile - und erinnert dabei auch an andere Open-World-Spiele, was kein schlechtes Zeichen ist. Nintendo sagt, diesmal sei die Spielwelt der eigentliche Star, deshalb trägt das Spiel den Untertitel "Breath of the Wild".




insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
erzengel1987 14.06.2016
1. Ah geht doch :-)
Endlich ein Beitrag zur neuen Nintendokonsole bzw. zum besten Rollenspiel Nintendos. Das hört sich auf jedenfall vielversprechend an. Abwarten Für mich persönlich wäre es schön die Schwierigkeit einzustellen. Eventuell Bosskämpfe zu wiederholen, ist in einer Zeldareihe umgesetzt. Aber das wichtigste wäre tatsächlich eine richtige Sprache anstelle der Textboxen. Das ist einfach nicht mehr Zeitgemäß^^ aber damit kann ich leben. Grafik ist in meinen Augen eine schöne Nebensache aber die Geschichte spielt immer die größte Rolle. Ein anderer Punkt wären richtige Beziehungen. Bisher waren die Interaktionen mit CPU Charakteren immer gleich. Sie sagten immer genauvorhersagbare Texte meist die gleichen. Eine Antwortauswahl beschränkte sich meist auf Ja Nein Vielleicht. Da könnte man sich jetzt auch mal an anderen Rollenspielen orientieren und mehr Entscheidungsgewalt übergeben. Die Möglichkeit Dorfbewohner anzugreifen und dafür bestraft zu werden. Bzw diese zu beklauen wäre ebenfalls ein nettes Gimmick. Oder eine Familie zu gründen mit einem Hausbau und Feldwirtschaft. Zelda bietet einfach soviele Möglichkeiten und ich bin gespannt was Nintendo in dieser Reihe umsetzt, die Grenzenlose Welt hört sich vielversprechend an. Und ja das erinnert wieder an Link to the Past aus der NES :-)
mr_von_der_muehle 14.06.2016
2. Macht es denn Spaß?
Eine Frage die ich mir immer noch Stelle. Erzengel, Zelda ist ein Action Adventure, leiht sich ein paar Rollenspielelemente. A link to the Past ist für das Super Nintendo erschienen. Schade das Nintendo die Fans erneut im Stich gelassen hat und ein für 2015 versprochenes Spiel nun doch noch als Push für die neue Konsole nutzt. (Das war bei Twilight Princess schon so) Die Demo als Trostpflaster für entäuschte Wii U Besitzer wäre eine nette Geste, aber man kündigt lieber Amibosupport an und verzichtet auf seine einst so groß angekündigten Innovationen mit dem Gamepad. Das eine offene Welt und Zelda sehr gut funktionieren, hat Link between Worlds schon gezeigt. Hoffen wir mal das Beste, immerhin hat Myamoto ja schon gedroht, dass der neue Teil sehr westlich werden soll. :P
akkulader 14.06.2016
3. Haben wir dasselbe Spiel gesehen?
Selbst in den 20min gameplay gab es absolut keinen Inhalt. Immer nur Grüppchen von Gegnern und Pilze sammeln. Nintendo ist tot.
Subco1979 15.06.2016
4.
Klingt alles schön. Dürfte auch Spass machen. Nur... "innovativ" würde ich all dies nicht bezeichnen. Habe gerade erst vorgestern der alten Zeiten halber das uralte, erste Oblivion gespielt. Und fast alle Neuerungen, die hier angesprochen werden, gab es damals schon. Für Zelda-Fans könnte es dennoch eine Bereicherung sein, diese Reihe mal mit solchen Möglichkeiten zu spielen. Ich persönlich habe und werde mir nie eine neue Konsole für ein einzelnes Spiel kaufen. Da muss Nintendo noch deutlich nachlegen. Zudem ist diese Firma schon einige Male nicht gerade Fan-Freundlich aufgetreten. (Z.B. Massiger Kopierschutz, Let's Play Verbote)
spon-facebook-10000015195 15.06.2016
5. Nintendo in der Krise...
Es ist verdammt ruhig geworden um Nintendo. Die Wii U dümpelt im Nischendasein dahin. Das einzige wirklich erfolgreiche Spiel ist die Zelda Reihe - aber wird das reichen, um mit Wii und kommenden Konsolen wieder auf dem Markt mitspielen zu können? Wohl kaum - für Nintendo als Konsolenhersteller ist der Zug abgefahren. Die haben sich zu lange auf dem Erfolg der ersten Wii ausgeruht.
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