Let's-Play-Stars Gronkh und Sarazar: Deutschlands berühmteste Vorspieler

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Erik Range und Valentin Rahmel leben vom Zocken: Als Gronkh und Sarazar spielen sie Computerspiele und stellen Videos davon ins Netz. Sie gelten als Stars der Let's-Play-Szene, haben mittlerweile Hunderttausende Fans. Ein Besuch im Hauptquartier der Vorspieler.

Let's-Play-Videos: Gronkh und Sarazar sind die Stars der deutschen Szene Fotos
Marie Schmidt

Der Briefkasten ist wieder randvoll. Auf dem Weg in ihr Büro sehen Gronkh und Sarazar im Hausflur noch schnell nach der Post - und das lohnt sich: Briefe und kleine Päckchen fischen sie aus dem Metallkasten, adressiert an ihre Künstlernamen. Das Internet hat sie berühmt gemacht, und ausgerechnet ihrem Briefkasten sieht man das jetzt an.

Gronkh heißt eigentlich Erik Range, Sarazar in Wirklichkeit Valentin Rahmel. Beide leben vom Zocken: Sie spielen Computerspiele und kommentieren dabei selbst; das Ganze zeichnen sie auf und stellen es als sogenannte Let's-Play-Videos ins Netz. Sie gelten als Stars der Szene und sind zur Marke geworden, mittlerweile sehen sich Hunderttausende ihre YouTube-Filme an.

Längst können Range, 35, und Rahmel, 28, davon leben. Sie haben zusammen eine Firma und betreiben die Webseite Gronkh.de, benannt nach Range, weil er der berühmtere von beiden ist und bleiben soll. Die Werbeeinnahmen bescheren dem Duo ein "normales Gehalt", sagt Gronkh, das zum Leben reicht. Sie arbeiten jetzt hauptberuflich als Vorspieler.

"Nach der Schule bin ich gleich ins Internet gegangen"

Ihr Büro liegt in einem gepflegten Altbau im Belgischen Viertel, einem Kölner Szene-Stadtteil. Die beiden sitzen in Chefsesseln am Schreibtisch, Sarazar in einem weißen, Gronkh in einem schwarzen, und öffnen die Post. Gronkh hat auf seinem Schoß ein Paket, vollgepackt mit Schweizer Schokolade. Ein Fan hat es geschickt. Auf dem Boden neben ihm steht eine Kiste mit Briefen: Mit Füller und in Schönschrift schreiben Mädchen, wie sehr sie die Videos mögen, manche bitten um ein Autogramm. Eine 18-Jährige schreibt, sie schaue jeden Abend die Videos von Gronkh, zum Einschlafen. "Ich mag es besonders, wenn Du lachst oder Deine Stimme verstellst", steht in einem Brief, und zwei Freundinnen beenden ihren Schrieb mit "Fühlt Euch von uns geknuddelt und geküsst."

Die beiden Männer sind selbst ganz verblüfft von ihrem Erfolg. Und mancher, der sich so ein Viertelstunden-Video ansieht, dürfte es ebenfalls sein: Die beiden plappern einfach vor sich hin. Zwar sagen sie, was sie im Spiel gerade machen, sie sagen aber auch "Dumdidum" oder "krasse Scheiße", "Schwubbeldi" oder "Alter, was zur Hölle". Es gibt kein Skript, am Rechner sitzen Laien, die drauflos spielen. Dass es dafür mal Fanpost mit Schokolade gibt, hätten selbst sie nicht gedacht.

Tatsächlich lief die Sache anfangs eher schleppend. Gronkh ist Fachinformatiker, Sarazar sagt, er habe "gar nicht groß eine Ausbildung gemacht, nach der Schule bin ich gleich ins Internet gegangen". Über ein Computerspiel haben sich die beiden kennengelernt und später gemeinsam Spiele rezensiert - in Artikeln auf ihrer Seite. "Aber die Leute werden immer lesefauler, die wollen keine langen Texte mehr lesen", sagt Gronkh heute. Deshalb suchten sie nach einer anderen Möglichkeit und stießen auf Let's-Play-Videos aus den USA.

Mehr als 800 Folgen "Minecraft"

"Am Anfang dachte ich: Das will doch keiner sehen. Man will doch lieber selber spielen", sagt Rahmel, "und wir sind ja nicht mal waschechte Profis, sondern ganz normale Spieler." Allerdings macht genau das offenbar den Reiz aus: "Das ist ein bisschen wie früher mit dem großen Bruder", sagt Gronkh, "dem hat man ja auch beim Spielen zugeguckt und sich dabei unterhalten." Range hat tatächlich einen älteren Bruder - Rahmels Bruder schaut sogar gelegentlich noch zu beim Spielen.

Die ersten Videos waren holprig, die beiden wussten gar nicht, was sie sagen sollten - von der Finanzierung ganz zu schweigen. Aber sie bekamen Hilfe: "Meine Mutter hat uns das eigentlich alles erst ermöglicht", sagt Sarazar. Sie habe die Firma zu Beginn finanziell unterstützt, "sie hat uns auch in schlechten Zeiten geholfen, als wir so wenig Geld hatten, dass wir aus abgelaufene Konservendosen essen mussten", sagt er grinsend.

Der Durchbruch kam im Jahr 2010 mit dem Open-World-Spiel "Minecraft". Über die Klötzchenwelt erspielte sich Gronkh eine riesige Fangemeinde - mittlerweile spielt er das seit zwei Jahren, und Hunderttausende sehen zu. Er baut Häuser, gibt Tipps - und erzählt vor sich hin: vom rosafarbenen Überraschungs-Ei, von der Wichtigkeit einer Steuererklärung oder darüber, dass man seine Mitmenschen respektieren und gut behandeln sollte. Die kumpelhafte Art kommt an, es könnte wirklich ein großer Bruder sein, der da spricht.

Manche sehen sich seine Videos an, um ein Spiel kennen zu lernen, manche, um sich Tipps abzuholen. Aber mittlerweile sehen auch solche zu, die selbst gar nicht spielen - sondern nur gucken. Sie wollen Gronkh hören, Folge für Folge, mittlerweile gibt es allein von "Minecraft" mehr als 800 Stück.

"In den Urlaub fahren ist nicht drin"

Gronkh und Sarazar waren nicht die ersten in Deutschland, die Let's-Play-Videos machten, aber sie machten sie Szene hier bekannt und gaben ihr Gesichter - oder zumindest Avatare. Heute können die Besucher von Gronkh.de zwischen zwölf Sprechern wählen, die ihnen am Rechner etwas vormachen. Auch sie sind vielleicht schon auf den Weg zum Teenie-Star, wie die beiden Firmenchefs.

Doch hinter dem, was nach einem spaßigen Leben klingt, steckt eine Menge Arbeit und Disziplin: "Das Spielen selbst dauert gar nicht lange", sagt Sarazar, "ich spiele einmal pro Woche für drei Stunden und mache daraus die Videos." Trotzdem arbeiten beide mehr als acht Stunden am Tag: Immernoch schreiben sie ausführliche Artikel zu jedem Video, für diejenigen, die doch ganz gern lesen. Und sie müssen ihre Community pflegen, Kommentare moderieren und Trolle zähmen. "Einfach in den Urlaub fahren ist gar nicht drin", sagt Gronkh, "die Videos könnte man ja vorproduzieren, aber die Community kann man keinen Tag allein lassen, das wär dann wie Sodom und Gomorrha." Außerdem beantworten sie Tausende von Mails.

Auch die Post im Briefkasten will beantwortet werden. Die Männer verschicken Autogrammkarten und antworten ab und an auch ihren Fanmädchen. Schließlich leben sie in Wahrheit von ihren Klicks - und nicht vom Spiel. Gronkh weiß: "Bei allem Erfolg muss man bedenken: Das kann alles ganz schnell wieder vorbei sein."

Deshalb versuchen sie sich schon in anderen Formaten, machen kleine Sendungen, sind in Gesprächen mit dem Fernsehen. Sorgen machen sie sich nicht: Früher haben sie Texte gemacht, bis sie niemand mehr las. Jetzt machen sie eben Videos, bis sie keiner mehr guckt. Dann denken sie sich was Neues aus.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Wie schön...
marlene55m 22.10.2012
dass sich SPON jetzt auch noch um diese Mainstream-LP'er kümmert. Es ist wie weiland bei Boris Becker, der so oft in den Medien war, dass man - schrieb irgendwo ein genervter Leser irgendeines deutschen Blattes - schon Angst hatte, eine Dose zu öffnen, weil man befürchten musste, der BB spränge einem daraus entgegen. So ähnlich ist es mit diesen beiden. Vielen Dank für diesen überflüssigen Artikel.
2.
Nebuuuu 22.10.2012
Ich habe Gronkh seit kA 1-2 Jahren auf YouTube abonniert und schaue gelegentlich rein (bei interessanten Games). Schon erstaunlich wie schnell das Ganze vor allem dieses Jahr voran ging - freut mich für ihn. Mit Sarazar kann ich nicht soviel anfangen, er ist für mich schlichtweg langweilig und uninteressant. Aber insgesamt erfreut es mich, dass die Symbiose Internet und Computerspiele größeren Einfluss zu gewinnen scheint. Während in Asien (Südkorea z.B.) E-Sportswettkämpfe im normalen TV laufen und ein Millionenpublikum begeistern, hinkt Europa noch hinter USA & Co. hinterher. Aber ich bin mir, trotz der vermeintlich eher misstrauischen (älteren) Menschen hier, sicher das auch diese Entwicklung Einzug erhalten wird in Deutschland. Gronkh & Co. sind nur der Anfang. In 10-15 Jahren schreiben wir uns wieder.. ;-)
3. so macht mans richtig!
bauglir 22.10.2012
Vielen Dank für diesen Artikel! Die Süddeutsche könnte sich davon eine Scheibe abschneiden, die hat nämlich vor etwas mehr als einer Woche tausende junge Leser (mich inklusive) mit einem Artikel verschreckt, in dem Sarazar unsinnig zitiert wurde und als Anschauungsobjekt für angeblich aggressiv machende Ballerspiele herhalten musste.
4.
reyney 22.10.2012
Wie langweilig diese beiden sind im Vergleich zu ReviewGameX. http://www.youtube.com/user/ReviewGameX?feature=plcp Ein privater mit Herz und Leidenschaft, saftig viel Spass und einem Mass an Ironie sowie auch Toleranz.
5. Irrtum
kein_gut_mensch 22.10.2012
Zitat von NebuuuuIch habe Gronkh seit kA 1-2 Jahren auf YouTube abonniert und schaue gelegentlich rein (bei interessanten Games). Schon erstaunlich wie schnell das Ganze vor allem dieses Jahr voran ging - freut mich für ihn. Mit Sarazar kann ich nicht soviel anfangen, er ist für mich schlichtweg langweilig und uninteressant. Aber insgesamt erfreut es mich, dass die Symbiose Internet und Computerspiele größeren Einfluss zu gewinnen scheint. Während in Asien (Südkorea z.B.) E-Sportswettkämpfe im normalen TV laufen und ein Millionenpublikum begeistern, hinkt Europa noch hinter USA & Co. hinterher. Aber ich bin mir, trotz der vermeintlich eher misstrauischen (älteren) Menschen hier, sicher das auch diese Entwicklung Einzug erhalten wird in Deutschland. Gronkh & Co. sind nur der Anfang. In 10-15 Jahren schreiben wir uns wieder.. ;-)
Da machen sie sich mal nicht zuviele Hoffnungen. Solange auch unsere Politiker noch glauben das man in manchen Spielen Menschen erschießt wird sich in D nichts ändern.
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