Teenie-Game "Life is Strange: Before the Storm" Eine Nacht, ein Tag - und das Gefühlschaos ist perfekt

"Life is Strange" war eines der emotionalsten Spiele der letzten Jahre. Jetzt bekommt die interaktive Erzählung mit "Before the Storm" einen Ableger. Unser Autor hat die erste Episode gespielt - und ist erneut verzückt.

Square Enix

Spoilerwarnung:
Im Text werden Ereignisse erwähnt, die von manchen Spielern als Spoiler verstanden werden können.


Schule, Drogen, Musik: Das Leben der 16-jährigen Chloe Price pendelt in extremen Ausschlägen zwischen diesen drei Polen. Sie ist eine Teenagerin, aus der Bahn geworfen vom Tod ihres Vaters vor zwei Jahren und dem Wegzug ihrer engsten Freundin aus Kindestagen, Max Caulfield. In der ersten Episode des Spiels "Life is Strange: Before the Storm" hat sie eine Begegnung, die ihr Leben verändern wird.

"Life is Strange" war eines der schönsten Spiele der letzten Jahre, eine sanfte Erzählung über Freundschaft und Erwachsenwerden, über das Leben und die Art und Weise, wie auch kleine Entscheidungen große Folgen haben können. Entworfen wurde es von dem französischen Studio Dontnod, erschienen ist es in Episodenform.

Das Spiel, in dem man vor allem Entscheidungen trifft, wurde zu einem Überraschungserfolg, ein zweiter Teil ist bei Dontnod in Entwicklung. "Before the Storm" hingegen wurde in den USA entwickelt und erzählt in drei Episoden die Vorgeschichte des ersten Teils - also die Geschehnisse, die das Hauptspiel überschattet haben.

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"Life is Strange"-Ableger: Das ist "Before the Storm"

Ein grübelndes, wütendes junges Mädchen

Während dort die stille Max Caulfield die Hauptrolle spielt, ist es hier ihre frühere beste Freundin Chloe: Ein grübelndes, wütendes junges Mädchen, das einen Feldzug gegen Autoritäten und letztlich auch gegen sich selbst führt.

Die ersten fünf Minuten des Spiels braucht man, um sich an die neue Protagonistin zu gewöhnen. Wer noch die sanfte Max im Ohr hat, fragt sich anfangs, ob Chloe nicht überzeichnet ist, zu cool wirken soll. Und findet doch bald heraus, dass sie diesen Panzer angelegt hat, um sich vor den Angriffen der Außenwelt zu schützen. Sie wird dann schnell sehr schlüssig und verletzlich.

Die erste Episode des Spiels heißt "Awake" und umfasst eine Nacht und einen Tag, in dem sich das Leben von Chloe ein weiteres Mal auf den Kopf stellen wird. Bei einem Konzert in einem alten Sägewerk trifft sie Rachel, mit der sie nicht nur die halbe Nacht, sondern auch den folgenden Tag verbringt.

Und so sehr sich die beiden unterscheiden - Rachel ist eine der beliebtesten Schülerinnen, Chloe eine selbst ernannte Außenseiterin - so viele Gemeinsamkeiten finden sie schnell. Und beenden ihre gemeinsame Zeit am Ende von "Awake" in großer Gefühlsverwirrung.

Schluss mit Zeitmanipulation

Wer "Life is Strange" kennt, wird die Orte erkennen: Der etwas verschlafene Küstenort Arcadia Bay in Oregon im Nordwesten der USA, seine Schule, das Haus von Chloe und die Schule. Auch die grundlegende Spielmechanik ist nicht neu. Die Erkundung der Umgebung, die Unterhaltung mit anderen Menschen und das Treffen von Entscheidungen, die den weiteren Verlauf des Spiels beeinflussen werden.

Weggefallen ist - zumindest bis zum Ende der ersten Episode - die mystische Fähigkeit von Max Caulfield, die Zeit zurückzudrehen, Entscheidungen zu revidieren. Chloes Fähigkeit ist Schlagfertigkeit. Die ist bei ihr zu einer Art Waffe geworden, mit der sie sich in Konzerte boxt oder Bullies auf dem Schulhof besiegt.

"Awake" setzt genau das fort, was "Life is Strange" so wundervoll gemacht hat: Es fokussiert sich auf Zwischentöne, lässt Chloe ganz unerwartet bei einem Tabletop-Rollenspiel teilnehmen, zeichnet die Verkrampftheit im Umgang mit dem zukünftigen Stiefvater nach und schafft es, die verunsichernde Gefühlswelt von Teenagern so zu zeigen, dass man mit Chloe hofft und leidet.

Und immer wieder versinkt man ganz leise und verzückt in einem Musikstück, dem man einfach nur lauschen will. Weil man so einen ganz intimen Moment mit Chloe teilt - und hoffen kann, dass die nächste Episode bald erscheint, schließlich bahnt sich hier eine mehr als adäquate Fortsetzung eines großen Spieles an.


"Life is Strange: Before the Storm" von Square Enix, Download für PC, Playstation 4, Xbox One, 17,99 Euro; USK: Ab 12 Jahren



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hubwood 04.09.2017
1. Tatsächlich ähnlich gut wie Teil 1
Auch wenn die Zeitreisefähigkeit wegfällt, sind Charme, Charaktere, Atmosphäre und das Gesamtgefühl genauso gut wie beim Vorgänger. Wer Angst hatte, dieser Teil könne da nicht mit halten, darf sich gerne selbst eines besseren belehren!
jhea 04.09.2017
2. Life is strange ...
war tatsächlich eines der besten und nachdenklichst machenden Spiele der letzten Jahre :) Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
123lenny 07.09.2017
3. Nicht wirklich so erwartet
Ich spiele seit den Zeiten des Amiga 500 und habe wirklich unzählige Spiele von verschiedenen Genres gespielt. Zu LIS bin ich eher zufällig gekommen, habe es ohne irgendwelche Infos gekauft (völlig untypisch für mich) und dachte zu erst..wtf? Was soll der Mist denn? Dann steckte Max die Kopfhörer in die Ohren und ich war gefangen, wenn ich auch damals nicht wusste wie tief das gehen wird. Ich habe LIS in der zwischen Zeit 5 Mal durchgespielt, es dürfte also keinen wundern, wenn ich sage, dass es das beste Spiel ist, welches ich je gespielt habe. BTF habe ich selbstverständlich via preorder gekauft, auch wenn ich mir ganz und gar nicht sicher war, dass es jemals wieder ein Spiel schafft auch nur ansatzweise die Qualität von LIS zu erreichen, selbst der Nachfolger nicht. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich LIS wäre ein Zufallstreffer, etwas was man so gar nicht beabsichtigt hatte und Dontnod selber nicht genau weiß warum das Spiel funktioniert. Tja, selten war ich so froh mich geirrt zu haben, BTS ist zu mindestens verdammt knapp dran und ich freue mich schon auf die nächsten Episoden.
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