"Lollipop Chainsaw": Tiefer Ausschnitt, sexistische Witze, viele Zombies
Kettensägen, Zombies und eine Heldin im Cheerleader-Outfit: Das neue Spiel des japanischen Entwicklers Suda 51 nervt mit pubertärem Humor und schwergängiger Mechanik. Drei Stunden mit "Lollipop Chainsaw" - mehr war nicht auszuhalten.
Ein Test: Titten, Pimmel, Arsch. Mussten Sie beim Lesen lachen? "Lollipop Chainsaw" geht davon aus, dass vulgäre Ausdrücke Spieler amüsieren. Der japanische Entwickler Goichi Suda, auch Suda 51 genannt, ist für dieses Spiel verantwortlich und lacht jetzt wahrscheinlich im Stillen. Und zwar nicht über Furzkissenwitze, sondern darüber, dass "Lollipop Chainsaw" tatsächlich erschienen ist. Denn das ist ein Witz, allerdings ein schlechter.
Suda 51 kann es besser. Mit "Killer 7" hat er ein spannendes Psychogramm eines Mörders geliefert, der sich in sieben Personen aufteilt, mit "No More Heroes" hat er Nerds und Geeks ein Denkmal gesetzt. "Shadows of the Damned" war zumindest noch einen überdimensionaler Machowitz, in dem ein Mann und sein die Gestalt zwischen Totenschädel und Gemächt wechselnder Begleiter Zwiesprache halten und die Level abwechslungsreich genug sind, um den Quatsch zu rechtfertigen.
In "Lollipop Chainsaw" lässt Suda 51 nun eine knapp bekleidete Cheerleaderin namens Juliet Starling auf Zombies los. Sie nimmt Lutscher, um Energie zu laden und benutzt eine Motorsäge, um die Zombies zu zerteilen. Der Kopf ihres Freundes hängt an ihrem Gürtel, damit er ihr immer wieder unter den Rock schauen kann. Eine Möglichkeit, die von ihm und der Kameraführung des Spiels eifrig genutzt wird, wenn nicht gerade der gewagte Ausschnitt im Mittelpunkt steht.
Der Humor ist schon nach einer Stunde schwer erträglich
Das könnte vielleicht sogar ironisch sein, wenn sich die Dialoge nicht auf dem Niveau von "Was zum Pimmel!" abspielen würden. Was subversiv sein könnte, ist zum platten Witz auf "Jackass"-Niveau geworden. Und das ist schon nach einer Stunde schwer erträglich, nach zwei Stunden nur noch nervtötend und spätestens nach der dritten zum Ausschalten langweilig.
Auch wenn sich Suda 51 auf Joss Whedons Vampirjägerin Buffy bezieht und George Romeros Zombies bemüht: Er schafft es nie, den Vorbildern, die mit Witz oder Eingeweiden Kritik an der Gesellschaft übten, nahezukommen. Er benimmt sich so wie Pubertierende, die Gedärme, tiefe Ausschnitte und sexistische Witze einfach cool finden, und ist ungefähr so sinnlos mutig, wie einen erigierten Penis auf die Schulbank zu zeichnen.
"Lollipop Chainsaw" hat darüber hinaus ein weiteres Problem: Die Spielmechanik ist nicht sonderlich gut. Juliet Starling springt hin und her, enthauptet Zombies mit Kettenangriffen, lässt sie in Regenbogen und Herzen platzen und verlangt von den Spielern das immer Gleiche: Möglichst viel auf die Knöpfe zu drücken, um immer bessere Kombinationen zu erreichen. Wo das oft zum Vergleich herangezogene "Bayonetta" elegant ist und Spieler immer tiefer in die Mechanik einsteigen lässt, bleibt "Lollipop Chainsaw" an der Oberfläche.
"Lollipop Chainsaw" ist stumpf und schwergängig. Wenn Suda 51 das gewollt hat, ist es ihm gelungen. Was er damit bezwecken wollte, wird zunächst einmal ein Geheimnis bleiben.
Das sagen die Anderen:
"Lollipop Chainsaw" teilt die Kritiker. Die einen loben den Humor, das Setting und den Abwechslungsreichtum des Spiels. Viele andere kritisieren das Spiel. Suda 51 hätte einfach zu viele Ideen in den Raum geworfen und gehofft, dass zumindest einige davon funktionieren. Der Humor sei pubertär und das Spielprinzip nicht ausgefeilt.
"Lollipop Chainsaw" von Warner Interactive; für Playstation 3 und Xbox 360; ca. 50 Euro; USK: Ab 16 Jahren.
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- Freitag, 22.06.2012 – 15:55 Uhr
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- Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.

- Angespielt: Shadows of the Damned (08.09.2011)
- Angespielt: Die wichtigsten Spiele im Juli (20.07.2005)
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