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23. September 2017, 21:28 Uhr

Tricks der Spielehersteller

Zocker einfach mal abzocken

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Viele Hersteller wollen über den Spieleverkauf hinaus Geld verdienen. Ihre Taktiken sind kreativ, aber wenig kundenfreundlich. Bei zwei aktuellen Titeln sorgen die Finanzierungsmodelle für Fan-Wut.

Viele Spieleserien haben einen starken zweiten Teil: Das Konzept des Spiels ist noch frisch und die Entwickler haben dank des Erstlings ein Gespür dafür, was bei den Fans ankommt. Prinzipiell gilt das auch für zwei aktuelle Blockbuster, den kürzlich erschienen Online-Shooter "Destiny 2" und das "Herr der Ringe"-Actionspiel "Mittelerde: Schatten des Krieges", das am 10. Oktober auf den Markt kommt.

Doch beide Spiele werden derzeit heftig kritisiert: wegen der Ideen der Spielefirmen, wie sich mit dem zweiten Teil mehr verdienen lässt. "Mikrotransaktionen sind das Krebsgeschwür der Spielebranche", schreibt ein YouTube-Nutzer unter ein "Destiny 2"-Video. Zu "Schatten des Krieges" kommentiert jemand: "Dieses Zeug bringt mich dazu, mir das Spiel illegal zu besorgen."

Woher kommt dieser Frust? Und wo verläuft die Grenze zwischen Zusatzangeboten, die Gamer akzeptieren, und Angeboten, die sie verdammen?

Ständig lockt der Zusatzkauf

Die Geschäftsmodelle von Spielen variieren heute stark, oft schon je nach Plattform oder Genre. Zahlte man früher noch einmalig im Laden, gibt es heute einige Titel, bei denen man auch im Spiel selbst immer wieder mit Zusatzangeboten konfrontiert wird, aktuell etwa in der Basketball-Simulation "NBA 2K18".

Eine schlaglichtartige Übersicht an Geschäftsmodellen, vom Sammelkarten-System aus "Fifa" bis hin zu Nintendos Amiibo-Plastikfiguren, liefert unsere Fotostrecke:

Trend zu Bezahlmodellen in Vollpreisspielen

Von der Verbraucherzentrale NRW heißt es in einer Einschätzung zu Games-Geschäftsmodellen, dass sich auf dem Markt der Vollpreisvideospiele derzeit "ein gewisser Paradigmenwechsel" zeige, in Form einer "konsequenten Einführung von Mikrotransaktionen und Bezahlmodellen über eine Einmalzahlung des Spiels hinaus". Diese Entwicklung sei kritisch zu begleiten.

Wie sehr sich Spieler über den Trend in Richtung der Zusatzangebote ärgern, variiert. Ein Teil der Gamer hat eine recht grundsätzliche Abneigung gegen kostenpflichtige Extras: "Am schlimmsten sind DLCs, bei denen die Inhalte so wirken, als hätten sie eigentlich noch zum Hauptspiel dazugehört", klagte etwa schon 2015 ein junger Mann auf der Messe Gamescom, als wir Besucher fragten, was sie an der Branche hassen.

Viele andere Spieler sagen, sie fänden Mikrotransaktionen, also beispielsweise optional käufliche virtuelle Gegenstände, eher in Ordnung, wenn sie keinen Einfluss auf den Spielerfolg haben. Dinge wie Kostüme sind nach dieser Denke als Zusatzangebot hinnehmbar, ein durch Geld erworbenes Item, das dafür sorgt, dass der Spieler leichter vorankommt als andere, geht dagegen gar nicht. Wer solche Gedanken kennt, versteht die Aufregung um "Destiny 2" und "Schatten des Krieges" besser.

Streitpunkt Lootboxen

Im Zentrum des Zorns stehen in beiden Spielen sogenannte Lootboxen, wie sie auch in andere Titel immer häufiger eingebaut werden. Lootboxen kann man sich als virtuelle Schatzkisten vorstellen, aus denen Spieler je nach Spiel zum Beispiel neue Kostüme oder neue Waffen bekommen. Den Zugang zu den Boxen kann man sich wahlweise gegen echtes Geld erkaufen oder - was ein Zeitinvestment erfordert - freispielen.

Anders als bei vielen klassischen In-App-Käufen auf dem Handy, wo man Konkretes zu einem konkreten Preis bekommt, erwirbt man bei Lootboxen nur eine gewisse Chance, seinen Wunschgegenstand zu erwischen, ihr Inhalt ist mehr oder wenig Zufall. So kann das Gewünschte zwar in jeder nächsten Box sein, aber eben auch nicht.

Wie genau die Chancen stehen, etwas Bestimmtes zu erwischen, wird von den Herstellern selten freiwillig offengelegt - in China hat beim Online-Multiplayer-Shooter "Overwatch" immerhin gesetzlicher Druck geholfen.

Darum sind die Fans so sauer

Bei "Schatten des Krieges" entzündet sich die Kritik an der Geschäftstüchtigkeit des Herstellers vor allem daran, dass der Titel eigentlich ein Einzelspielerspiel ist und trotzdem eine Lootbox-Kaufoption bietet. Von Boxen mit neuen Waffen oder Ork-Gefolgsleuten abgesehen, soll es in dem Spiel zudem möglich sein, mithilfe von echtem Geld Erfahrungspunkte-Booster zu kaufen, mit denen der eigene Charakter schneller stärker wird. Wer also im 60-Euro-Spiel zusätzliches Geld ausgibt, kann es im Zweifel schneller durchspielen.

"Mittelerde"-Fans haben vor diesem Hintergrund die Sorge, dass der Spielablauf künstlich erschwert oder in die Länge gezogen sein könnte, damit die Käufe überhaupt interessant werden. Die Entwickler wiederum betonen, dass alle Zusatzkäufe optional seien, man könne auch ohne Ausgaben an das "komplette Spielerlebnis" kommen.

Bei "Destiny 2" ärgert es viele Fans, dass in den Lootboxen aus einem spielinternen Echtgeld-Shop namens Eververse auch Modifikationen stecken können: Ausrüstungs-Updates, mit deren Hilfe man zum Beispiel mehr Schaden einstecken kann. Die Modifikationen lassen sich zwar alternativ erspielen, durch die Kaufoption fällt aber auch hier, in einem Multiplayer-Shooter, zahlenden Spielern der Fortschritt tendenziell leichter.

Befeuert wird die Wut dadurch, dass in "Destiny 2" sogenannte Shader - Möglichkeiten, die eigene Rüstung einzufärben - im Unterschied zu Teil eins Verbrauchsgegenstände geworden sind. Wer öfter mal den Look seiner Figur ändern will, muss die Shader daher immer wieder finden - oder mit Lootbox-Käufen nachhelfen. Eine Veränderung, von der nur der Hersteller profitiert.

Die Verbraucherzentrale NRW wünscht sich von Spielefirmen grundsätzlich mehr Transparenz bei Zusatzangeboten. Ihrem Wunsch nach sollten Spieler schon vor dem Kauf erfahren, "welchen konkreten Spielinhalt sie für die Mikrotransaktion erhalten, was dieser konkret in Euro kostet und welchen konkreten Nutzen der jeweilige Inhalt hat", heißt es in ihrer Stellungnahme.

Potenziell "besonders problematisch"

Geschäftsmodelle, "bei denen Spielinhalte nur im Zusammenhang unbekannter Zufallsfaktoren erhalten werden können", also Lootbox-Systeme, schätzen die Düsseldorfer Verbraucherschützer als potenziell "besonders problematisch" für Gamer ein.

Inwiefern die Aufregung um die Bezahlangebote die Verkäufe eines Spiels wie "Mittelerde: Schatten des Krieges" beeinflusst, ist bislang schwer abzuschätzen: "Destiny 2" jedenfalls ist trotz aller Kritik recht erfolgreich gestartet. So mancher verärgerte Spieler dürfte es zähneknirschend doch gekauft haben.

Darauf haben natürlich auch die Hersteller gehofft: Mangels besonderer Regulierung etwa in Sachen Lootboxen sind es derzeit schließlich nur die Spieler selbst, die ihnen und ihren Geschäftsmodellen einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

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