"Lucky's Tale" für die Oculus Rift Super Mario im Fuchskostüm

Wer eine Oculus Rift kauft, bekommt "Lucky's Tale" dazu - das Hüpfspiel dürfte zwangsläufig zu den meistgespielten Virtual-Reality-Titeln zählen. Was taugt der Klon von "Super Mario"?

Oculus-Rift-Spiel "Lucky's Tale"
Playful

Oculus-Rift-Spiel "Lucky's Tale"

Von


Eine Rettungsmission als Story, Dreh- und Stampfattacken, 100 Münzen für ein Extraleben. Röhren, die in die Unterwelt führen, und der obligatorische Unterwasserlevel. Die Entwickler von "Lucky's Tale" haben sich so offensichtlich bei den "Super Mario"-Spielen bedient, dass es fast verwirrt, dass die Hauptfigur ein Fuchs und kein Klempner ist.

"Lucky's Tale" ist eine der Spiele-Apps, die Käufer der Datenbrille Oculus Rift kostenlos bekommen. Eine "Besser als nichts"-Dreingabe für Early Adopter, die 700 Euro für das VR-Gadget aus dem Hause Facebook bezahlen.

Interessanterweise ist "Lucky's Tale" ein klassisches 3D-Hüpfspiel, man blickt der Hauptfigur von hinten über die Schulter. Eines der ältesten Spielgenres wird hier mit der aktuellsten Display-Technik kombiniert. Gesteuert wird der Fuchs mit einem herkömmlichen Spielcontroller. Per Kopfbewegung lässt sich die automatisch mitfahrende Kamera beeinflussen, so kann man zum Beispiel in manche Abgründe blicken. Ebenso kann man an Lucky heranzoomen, denn die Oculus-Kamera erkennt, ob man sich zum Computer hinlehnt. Der Fuchs reagiert dann mit einem Gruß oder einem Winken.

Unterwasserlevel in "Lucky's Tale"

Unterwasserlevel in "Lucky's Tale"

Die Welt ist voller Leben

Es sind Momente wie dieser, in denen man "Lucky's Tale" ins Herz schließt: Die Spielwelt sieht mit ihrem 3D-Effekt toll aus, die Räumlichkeit der Levels und vor allem Höhenunterschiede kommen gut zur Geltung. Steht man zum ersten Mal am Fuß einer riesigen Windmühle, gerät man ins Staunen.

Welt von Lucky's Tale
Playful

Welt von Lucky's Tale

Schön ist auch, wie belebt die Comic-Level sind: Insekten schwirren durch die Luft, Raupen krabbeln übers Grün. Auf eigene Art eindrücklich sind die Abschnitte des Spiels, die unter der Erde spielen: Sie erinnern mit ihrer Seitansicht an ältere 3D-Spiele wie "Wiggles".

Das Spielgefühl erinnert an "Super Mario 64" und "Super Mario Galaxy". Laufend und springend sammelt man Münzen und erledigt Raupen, Schildkröten und angriffslustige Pflanzen per Dreh- oder Stampfattacke. Am Ende des Levels springt man auf eine Fahnenstange. Dass man einmal per Kopfbewegung einen Lampenstahl kontrolliert, zählt schon zu den aufregendsten Ideen der Entwickler.

Kleines Spielfenster: Das ist während des "Lucky's Tale"-Spielen auf dem Windows-Computer zu sehen

Kleines Spielfenster: Das ist während des "Lucky's Tale"-Spielen auf dem Windows-Computer zu sehen

Die Gamepad-Steuerung geht flüssig von der Hand, der Schwierigkeitsgrad bietet auch Genre-Einsteigern Erfolgserlebnisse. Es gibt nur wenige Stellen, an denen man mehrfach hintereinander scheitern kann, etwa, weil man nicht auf den ersten Blick erkannt hat, dass eine bestimmte Wandpflanze eine Gefahr für Lucky ist.

Bitte nicht noch mal

Knifflig ist mancher Sprung auf Plattformen, die im Raum schweben. Hier hilft es mitunter, per Kopfbewegung die Perspektive zu anzupassen - ab und zu landet die Kamera dabei aber in einer Wand, was sich in der VR-Brille noch seltsamer anfühlt als in einem herkömmlichen Spiel. Wegen der Kameraführung ist manchmal auch das Zurücklaufen unnötig schwierig.

So spaßig das erste Erkunden der Welten ist, so nervig wird es später: Nach circa einer halben Stunde Spielen zwingt "Lucky's Tale" den Spieler, zumindest einen Teil der bereits bekannten Level erneut anzugehen: Entweder durch schnelles Durchspielen oder durch das Sammeln von 25 Münzen pro Level muss man fürs Weiterkommen nötige Zusatzmedaillen sammeln. Dieser Ansatz ist nichts anderes als eine künstliche Streckung des vier bis fünf Stunden langen Spiels: So gut gestaltet, dass man gleich noch einmal durchhasten will, sind die Welten nicht.

Je weitläufiger ein Level ist, desto beeindruckender sieht er aus

Je weitläufiger ein Level ist, desto beeindruckender sieht er aus

Zudem sind die Sonderaufgaben vergleichsweise frustrierend: Beim Tempospiel darf man kein Mal sterben, beim Münzsammeln braucht man wirklich exakt alle 25 Münzen. Verliert man alle seine Leben oder - auch das ist im Test einmal passiert - bleibt man an einem Pilz hängen und muss den Level neu starten, fängt man wieder bei Null ein. Mit VR-Brille ist es übrigens gar nicht so leicht, wütend auf den Tisch zu hauen.

Fazit zu "Lucky's Tale"

Von den Zwangswiederholungen abgesehen, ist "Lucky's Tale" ein ordentliches Spiel, trotz des Mangels an eigenen Ideen. Wer lange kein 3D-"Super Mario" mehr gespielt hat, hat mit "Lucky's Tale" nette Stunden, das dürfte besonders für Kinder gelten. (Vorsicht aber: Oculus warnt davor, Kinder unter 13 Jahren die Rift nutzen zu lassen).

Ohne den Premieren-Bonus - "Lucky's Tale" wird für viele Spieler das erste längere VR-Erlebnis sein - wäre das Spiel aber vermutlich nur ein nettes Jump'n'Run, das man schnell wieder vergisst.

Immerhin beweist das Spiel, dass VR-Spiele nicht unbedingt eine Egoperspektive brauchen - nach dem Test jedenfalls kann man sich wunderbar ein VR-"World of Warcraft" vorstellen. Man fühlt sich in der Welt des Spiels zwar nicht vollkommen präsent, aber das Gefühl, dass auf dem eigenen Schreibtisch plötzlich Leben ist, fasziniert auch.

Nennenswerte Probleme wie Schwindelgefühle gab es beim Testen übrigens nicht - wenngleich nie länger als eine Stunde am Stück gespielt wurde. Auch eine Person, die zum ersten Mal mit einer VR-Brille spielte, kam mit "Lucky's Tale" gut zurecht.


Anmerkung: Da wir noch keine Endkundenversion der Oculus Rift besitzen, haben wir "Lucky's Tale" auf unserem DK2-Prototypen getestet, mit einem Xbox-360-Controller.

Fotostrecke

29  Bilder
Zukunftstechnik: Diese Virtual-Reality-Projekte gibt es
Lesetipp aus dem Archiv



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
biggoldensun 03.04.2016
1. Ich habe schon ein Rift
Seit Freitag bin ich fröhlich am riften. Das finale Rift ist echt klasse. Nur das Sichtfeld könnte größer sein...Wenn jemand von Spon es testen mag, email genügt...
cailier 03.04.2016
2. Sie glücklicher
Meine Preorder wurde wegen den Lieferproblemen noch nicht einmal bearbeitet, ich kanns kaum noch erwarten :)
betaknight 03.04.2016
3. Naja
Ich persönlich warte ich lieber noch auf meine bestellte Vive. Das System was Valve umgesetzt hat ist einfach ausgereifter und hat zudem die Datenkrake Facebook nicht mit eingebunden,welche wohl alles mögliche an Daten einsammelt.
crazy_swayze 04.04.2016
4.
Sieht aus wie Crash Bandicoot für die Playstation. Da wird es demnächst sicher einen Rechtsstreit mit Sony geben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.