"Kingdom Battle" im Test Super Mario und die debilen Anarcho-Kaninchen

Selfies mit Boss-Gegnern und Schüsse mit dem Rohrkrepierer: Das neue Spiel "Mario + Rabbids: Kingdom Battle" für Nintendo Switch kommt urkomisch daher, ist im Kern aber erstaunlich anspruchsvoll.

Ubisoft

"Mario + Rabbids: Kingdom Battle" ist ein Spiel, das eigentlich nicht funktionieren dürfte. Denn alle beteiligten Figuren - ihres Zeichen Ikonen der Branche - verlassen darin ihren gewohnten Wirkungsbereich: Mario seine Hüpf- und Sportspiele, die Rabbids ihre wilden Klamaukspielchen. Zudem ist "Mario + Rabbids: Kingdom Battle" eins der wenigen Spiele mit Mario in der Hauptrolle, das nicht von Nintendo stammt, sondern aus den Studios des französischen Spieleherstellers Ubisoft.

Dessen Entwickler aber gehen mit dem Nintendo-Star gleichermaßen respektvoll wie respektlos um. Das Ergebnis ist immer wieder urkomisch, zudem bringt es genau jene Unbefangenheit, die das im Kern ernste Spiel braucht. Denn eigentlich ist "Kingdom Battle" ein anspruchsvolles und komplexes rundenbasiertes Strategiespiel.

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"Mario + Rabbids: Kingdom Battle": Rundenstrategie mit Klempner und Hasen

Die Hintergrundgeschichte des Spiels für Nintendos Hybrid-Konsole Switch ist kaum der Rede wert: Die Rabbids - leicht debile kaninchenähnliche Wesen mit Hang zum Anarchischen - werden per Zeitwaschmaschine in die Welt der Nintendo-Figuren geschleudert. Dort richtet eines von ihnen mit einer Datenbrille großen Schaden an.

Einige Rabbids werden zu Dekorationsstücken in der Landschaft, andere zu Gegnern und ein paar von ihnen landen in Nintendo-Verkleidung in einer Truppe, die unter Führung von Mario das Pilzkönigreich von der Rabbid-Invasion befreien muss.

Genug Zeit zum Überlegen

Ein typischer Spielzug, bei dem der Spieler jeweils nur das Konzipieren aktiv übernimmt, sieht ungefähr so aus: Mario nimmt Anlauf, nutzt den Bauch seines Gefährten - einem als Luigi verkleidetem Kaninchen - als Trampolin, katapultiert sich so auf den Kopf eines gegnerischen Riesenkaninchens, hüpft weiter und schießt es dann mit einem "Gelbes Uboot" genannten Gewehr um. Es wackelt kurz, um dann von einem Prinzessin-Kaninchen endgültig über den Haufen gerannt zu werden und sich in blaue Streifen aufzulösen.

Dann wartet der Boss-Gegner: Eine Fusion aus Donkey Kong und einem weißen Kaninchen. Da man seine Runde in Ruhe planen kann, lässt sich all das wunderbar variieren und testen, bevor man den Zug endgültig startet.

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Konsolen-Test: Die Switch im Detail

Anfangs wirkt das wie eine verniedlichte und sehr simplifizierte Version von Rundenstrategie, die man aus Spielen wie "XCOM" kennt. Schnell aber merkt man, dass die Entwickler von Ubisoft eine der wichtigsten Nintendo-Philosophien verstanden haben: Ein Spiel muss am Anfang so einfach sein, dass es fast jeder spielen kann - es muss aber gleichzeitig so viel Tiefe haben, dass es nicht so schnell langweilig wird.

Wohl auch deshalb wird man sanft an die Aufgaben herangeführt und merkt kaum, wie man immer tiefer in die Kämpfe eintaucht, man immer komplexere Kämpfe ausficht und diese auch noch gewinnen kann. Das ist gerade für Menschen wichtig, die sich von der Komplexität von Rundenstrategie bisher haben abschrecken lassen.

Neue Fähigkeiten für die Figuren

Nach und nach entdeckt man neue Fähigkeiten. So kann Mario bald Gegner umrempeln, springen und dem nächsten Gegner auf den Kopf springen, um danach noch zu schießen. Immer komplexer werden die Laufwege, wird die Taktik, mit der man verschiedene Feinde austrickst immer ausgefeilter.

Schön daran ist nicht nur, wie flüssig sich das alles auch bei komplexen Kämpfen anfühlt, sondern auch, dass man sich nur selten etwas hilflos fühlt. Selbst wenn ein Kampf verloren geht, merkt man schon beim Verlieren, was man beim nächsten Mal anders machen sollte. Und wenn es wirklich nicht weiter geht, kann man immer noch in einen einfachen Modus springen.

"Mario + Rabbids: Kingdom Battle" entschlackt die Komplexität von Spielen wie "XCOM", gibt weniger Optionen, seine Figuren anzupassen, verzichtet auf Dinge wie den permanenten Tod einer Spielfigur und sorgt so dafür, dass man nicht mehr in Ehrfurcht vor dem Genre erstarrt. Stattdessen kann man sich einfach langsam hineinarbeiten und dann merken, wie viel Spaß die Tüftelei machen kann.

Und so freut man sich nicht nur über das alberne Prinzessin-Rabbid, das Selfies vor dem besiegten Bossmonster aufnimmt, sondern auch darüber, dass ein Plan aufgeht, über den man lange nachgedacht hat.


"Mario + Rabbids: Kingdom Battle" von Ubisoft, für Nintendo Switch, ca. 50 Euro; USK: Ab 6 Jahren



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