Künstliche Intelligenz Forscher machen Super Mario zum Selbstgänger

Forscher der Uni Tübingen haben der Spielfigur Super Mario eine künstliche Intelligenz, ein Gefühlsleben und eine Stimme verpasst. Statt den berühmten Klempner zu steuern, genügt es nun, ihm Tipps zuzurufen.

Super Mario: Der eifrige Klempner trifft nun seine eigenen Entscheidungen
Uni Tübingen

Super Mario: Der eifrige Klempner trifft nun seine eigenen Entscheidungen


Videospielfiguren gehören zum dümmsten, was der Bereich Künstliche Intelligenz zu bieten hat. Sie gehorchen dem Menschen, der mit ihnen spielt, aufs Wort. Wenn der es will, stürzen sie sich in Abgründe und rennen gegen Wände, so lange es nur Punkte bringt. Und wenn sie den menschlichen Spielern langweilig werden, landen sie im Daten-Orkus.

Aber muss da so sein? Neun Informatikstudenten der Uni Tübingen haben der Videospielfigur Super Mario für ein Forschungsprojekt eine künstliche Intelligenz, ein Gefühlsleben und sogar eine eigene Stimme verpasst. So ausgerüstet, kann der Abenteuerklempner die Spielwelten, in denen er bisher ferngesteuert agierte, selbst erforschen. Er kann autark Punkte sammeln und Gegner erledigen. Und als wäre das nicht schon genug, versteht der verbesserte Super Mario auch noch gesprochene Befehle, Fragen und Hinweise, die man ihm per Mikrofon zuruft.

Statt es dem neuen Mario zu überlassen, selbst herauszufinden, wie man mit den komischen Gegnerfiguren umgeht, kann man ihm deshalb auch einfach Tipps zurufen: "Wenn Du auf die Goombas springst, sterben sie." Super Mario fügt dieses Wissen dann seiner (derzeit sehr begrenzten) Datenbank mit Weltwissen hinzu: einer Sammlung von beobachteten Gegenständen und Gegnern - und was man mit ihnen tun kann.

Die MarioAI genannte Software war ein Projekt des Fachbereichs Informatik am Lehrstuhl für "Kognitive Modellierung" an der Universität Tübingen. Im Rahmen des Projekts sollten Studenten lernen, wie man Software-Wesen mit Weltwissen, Gefühlen und Zielen ausrüstet. Wie sich also ein Programm selbst Ziele setzen und Strategien entwickeln kann.

Das YouTube-Video dazu, das die Forscher am Wochenende ins Netz gestellt haben, ist von einem feinen, bösen Humor durchzogen. "Mario, wie geht es Dir", fragt eine Forscherstimme. "Gut", antwortet Mario über die Sprachausgabe und eine Sprechblase im Spiel. "Mario, fühl Dich weniger gut", lautet plötzlich ein Befehl. Und Mario antwortet pflichtschuldig: "Irgendwie fühle ich mich nicht mehr so gut :("

Doch hinter diesem absurden Dialog steht ein wichtiger Mechanismus: Dass die Spielfigur eben auch ein Gefühlsleben hat und nicht nur robotische Reaktionen, macht sie so interessant. Dieser Mario hat Bedürfnisse und richtet sein Verhalten danach aus. Erst wenn der Hunger nach Münzen gestillt ist, geht er seiner Neugier nach und erkundet die Welt. Auf diese Weise kann er Hierarchien von Verhaltensweisen erstellen und sein Verhalten optimieren.

Jenseits von Computerspielen gibt es viele Einsatzmöglichkeiten für diese Technik. Vom selbstfahrenden Auto bis zur sich selbst optimierenden Fertigungsstraße können kognitive, also vom menschlichen Wahrnehmung- und Erkenntnisapparat abgeschaute, Modelle angewendet werden.

kno



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
AundZwanzig 19.01.2015
1. Mir ist der Nachrichtenwert dieses Beitrages nicht ganz klar
Was will dieser Beitrag aussagen? Soll es eine Beschreibung neuer Vorgehensweisen an Deutschen Hochschulen sein ? - Wenn das hier beschriebene Vorgehen an Deutschen Hochschulen neu ist, dann gute Nacht. Das würde nämlich bedeuten, dass eine der Zukunftstechnologien überhaupt ausbildungstechnisch bisher verschlafen wurde. Das kann ich mir allerdings nicht vorstellen.
Wolffpack 19.01.2015
2.
Sieht aus wie ne Bachelor-/Masterarbeit. Darf ich meine auch vorstellen? ...
torsten.hueber 19.01.2015
3. Forschung?
Was das mit Forschung zu tun hat kann ich auch nicht erkennen. Das Projekt ist an der Uni Tuebingen ein Programmierprojekt fuer Informatikstudenten im vierten Semester das genauso bereits seit Jahren angeboten wird. Daran ist gar nichts neu und fertige Programme bzw. Hilfestellungen gibts auch mehr als genug. In diesem Zusammenhang von "Forschern" zu reden ist eindeutig daneben!
AundZwanzig 20.01.2015
4. Zufällig stiess ih eben bei Heise...
Zitat von torsten.hueberWas das mit Forschung zu tun hat kann ich auch nicht erkennen. Das Projekt ist an der Uni Tuebingen ein Programmierprojekt fuer Informatikstudenten im vierten Semester das genauso bereits seit Jahren angeboten wird. Daran ist gar nichts neu und fertige Programme bzw. Hilfestellungen gibts auch mehr als genug. In diesem Zusammenhang von "Forschern" zu reden ist eindeutig daneben!
...auf einen Artikel (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Forschungsprojekt-Videospielheld-Super-Mario-handelt-eigenstaendig-und-hat-Gefuehle-2520641.html), der einen Link auf die entsprechende Uni-Seite beinhaltete (http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/mathematisch-naturwissenschaftliche-fakultaet/fachbereiche/informatik/lehrstuehle/cognitive-modeling/home/home/home.html). Hinter der ganzen Geschichte scheinen jedenfalls Forschungsgelder zu stecken. Trotzdem ist das alles irgendwie seltsam...
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