Wutvideo von YouTube-Star "Ich lasse mich nicht wie einen Scheißhaufen behandeln"

Die Firma Mediakraft vermarktet erfolgreich Tausende YouTube-Kanäle. Doch jetzt verabschiedet sich ein weiterer Web-Star vom Unternehmen. In einem deftigen Abschiedsvideo erhebt der 24-Jährige Simon Unge schwere Vorwürfe.


Berlin - Das zwölfminütige Video kommt harmlos daher. Ein junger Mann mit Kapuzenpullover und Mütze sitzt in einem abgedunkelten Zimmer, im Hintergrund klimpert Keyboardmusik. Doch was er zu sagen hat, hat es in sich. "Ich bin am Zittern, meine Hände sind so zittrig", sagt der Hoodie-Junge, "mit diesem Video treffe ich eine folgenschwere Entscheidung."

Zu sehen ist der 24-jährige Simon Unge, einer der erfolgreichsten deutschen Webvideo-Blogger. In seinen beiden YouTube-Kanälen "Ungespielt" und "Ungefilmt" testet er Videospiele und erzählt über seinen Alltag. Damit erreicht er ein großes, vor allem junges Publikum. Nach eigenen Angaben werden seine Clips durchschnittlich 30 Millionen Mal pro Monat abgerufen.

Unge war bislang einer der Stars der Videoplattform, die der Werbevermarkter Mediakraft unter Vertrag hatte. Doch die Kooperation, die für beide Seiten anscheinend lukrativ war (Unge: "Ich verdiene nicht wenig Geld mit YouTube"), ist Geschichte. In seinem Abschiedsvideo kritisiert Unge die mangelnde Unterstützung der Firma. "Ernst genommen fühle ich mich schon lange nicht mehr von Mediakraft", sagt er.

Die Vertragsbedingungen seien undurchsichtig und unfair, Mediakraft habe ihn "in die Privatinsolvenz treiben" wollen, wettert Unge in dem Video. Seit Monaten liege er mit Mediakraft im Rechtsstreit. Kreativer Input sei unerwünscht, Unge wirft dem Unternehmen zudem Zahlungsausstände und gelöschte Videos vor. "Ich habe noch nie finanzielle Unterstützung für kreative Ideen bekommen".

Als er etwa um Hilfe bei der Sponsorensuche für ein größeres Projekt gebeten habe, sei er ignoriert worden. "Die haben sich null für uns interessiert". Unges Kernvorwurf: Mediakraft schmücke sich gern mit populären YouTube-Stars und mache damit ein gutes Geschäft - im Gegenzug bekomme man dafür aber so gut wie nichts zurück.

Firma weist Vorwürfe zurück

Mediakraft ist Betreiber eines YouTube-Partnernetzwerks, zu dem unter anderem Y-Titty und Daaruum gehören. Insgesamt hat die Firma nach eigenen Angaben rund 2500 Kanäle unter ihrem Dach versammelt und erreicht rund 16 Millionen Nutzer. Das Geschäftsprinzip ist vergleichbar mit dem einer Plattenfirma: Mediakraft kümmert sich um die Vermarktung und hilft bei der Produktion und der Verbreitung von Videos.

Doch in der Realität sah das - glaubt man der Darstellung Unges - anders aus. "Das war so ein Scheißhaufen", platzt es aus ihm heraus, oder an anderer Stelle: "Ich lasse mich nicht wie einen Scheißhaufen behandeln". Immer wenn er ein persönliches Gespräch gesucht habe, sei er abgeblockt worden. Ein Mitarbeiter habe sogar gedroht, "mein Leben zu zerstören", wenn Unge vor Gericht ziehen wolle. "Ich lasse mich aber nicht ausnutzen", sagt der 24-Jährige trotzig.

Am Sonntag nahm das Unternehmen zu den Vorwürfen Stellung - und wies diese scharf zurück. Man habe sich gegenseitig auf eine "Zusammenarbeit geeinigt, mit klaren Vertragsregeln, die keine Fragen offen lassen", hieß es in einem Statement, das Mediakraft auf Facebook veröffentlichte. Finanzielle Leistungen, die man Unge angeboten habe, habe dieser ausgeschlagen. Die Firma warf Unge eine Schädigung "des gesamten Netzwerks mit allen Mitarbeitern und Partnern" vor und betonte, man habe dennoch Interesse an einer gütlichen Einigung.

Im Netz schlägt dem Webvideo-Blogger derweil eine Welle der Unterstützung entgegen. Unter dem Hashtag #freiheit trendet das Thema seit Stunden auf dem Spitzenplatz bei Twitter. Mehr als 300.000 Leute haben bereits einen neuen Kanal abonniert, den Unge auf eigene Faust eröffnet hat. Obwohl dort bislang noch kein einziges Video zu sehen ist.

Vor ein paar Monaten hatte bereits der erfolgreiche YouTuber Florian Mundt, besser bekannt als LeFloid, seine Trennung von Mediakraft angekündigt. Mit rund zwei Millionen Abonnenten zählt LeFloids YouTube-Channel zu den größten in Deutschland. Auch LeFloid hatte sich über ein Zerwürfnis mit seinem Vermarkter beschwert, der Netzwerk-Gedanke bei Mediakraft sei verloren gegangen, sagte er.

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amz



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Seite 1
jujo 21.12.2014
1. ...
Wann wird endlich begriffen, das die Netzwerke und deren Betreiber alles andere als sozial sind. Wer mit dem Teufel am Tisch sitzt wird von ihm gefressen, Der Futternachschub nimmt kein Ende. Das ist das Geschäftsmodell.
Shelly 21.12.2014
2. Oh - ein junger Mann
desen "Beruf" anwscheinend darin besteht, vor der Videokamera zu quasseln, fühlt sich von seinem "Arbeitgeber" ungerecht behandelt? Wie wärs, wenn er mal mit Menschen reden würde, die im "real life" einen harten Beruf haben?
besim 21.12.2014
3. Sack Reis
Erstaunlich, wie man 12 Minuten Video machen kann, darin Worte für mindestens 24 Minuten hineinpackt und eigentlich nichts sinnvolles dabei herauskommt. Das erklärt eigentlich recht schön die Nachhaltigkeit dieser Branche.
hallo_welt 21.12.2014
4. Blödes Argument, Neid?
Zitat von Shellydesen "Beruf" anwscheinend darin besteht, vor der Videokamera zu quasseln, fühlt sich von seinem "Arbeitgeber" ungerecht behandelt? Wie wärs, wenn er mal mit Menschen reden würde, die im "real life" einen harten Beruf haben?
Was ist den ihr "harter" Beruf in real Life?? Schaffen Sie doch mal ein Video was viele Menschen interessiert und Geld ein bring. Zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die was "eigenes" tun. In einer Fabrik am Fließband kann man immer noch arbeiten.
VacekKacek 21.12.2014
5. Die
Dummheit grassiert offensichtlich in den Netzwerken und scheint sich durch likes auch noch zu verbreiten. Wozu braucht jemand bei Youtube einen Partner? Nur damit der ihm die Hosen runter lässt. Wenn das die Blogger nicht begreifen, ist es nur armselig. Ratschläge dafür habe ich leider keine, denn Dummheit kann man nicht heilen.
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