Tokyo Game Show Drachen, Panzer, Comic-Girls

Es ist ein großes Spektakel: Vier Tage lang zeigt die Spielebranche in Japan, was die Trends der kommenden Monate sein werden. Bunt wird die Messe vor allem durch die Besucher - allen voran die Manga- und Spielefans mit ihren aufwendigen Kostümen.

SPIEGEL ONLINE

Aus Tokio berichtet


Die Bahnfahrt von der Messe zurück nach Tokio dauert eine gute halbe Stunde. Die Wagen sind am Samstagabend dicht gepackt, etwa jeder zweite Passagier spielt auf seinem Handy. Puzzle, Rätsel, Rollenspiele. Auf der Tokyo Game Show, die noch bis Sonntag läuft, sind solche Spiele-Apps an praktisch jedem Stand zu finden.

Hier lässt sich beobachten, wohin die Branche steuert. Im vergangenen Jahr zählten die Veranstalter mehr als 223.000 Besucher. Zum Vergleich: Die Kölner Gamescom, Europas größte Videospielmesse, besuchten im August 2013 340.000 Menschen.

Auch dieses Mal dürfte in Tokio alles auf einen neuen Rekord zulaufen: Die Zahl der Aussteller ist mit 352 jedenfalls so hoch wie nie zuvor, für Independent-Titel und Kinderspiele wurde eine eigene Halle eröffnet, der Platz der Cosplayer, die ihre Kostüme vorführen, verdoppelt.

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Spielemesse: Trends von der Tokyo Game Show
Der Star der Veranstaltung in Tokio ist zwar Sonys Playstation 4 - die Besucher stehen stundenlang an für ein paar Minuten mit der neuen Konsole. Doch Sony wird die Playstation 4 in Japan erst im kommenden Jahr verkaufen. Genauso startet Microsoft die Xbox One zunächst in Europa und Nordamerika. Entsprechend rar sind spektakuläre Neuigkeiten: Neben längst vorgestellten Spielen gab es nur hier und da eine Fortsetzung oder einen neuen Titel für eine der Konsolen zu sehen. Für die Konsolenhersteller ist Japan nicht mehr oberste Priorität. Das große Wachstum findet woanders statt.

Zum Beispiel bei den Handy-Spielen. Neben Sony und Microsoft machen zwei App-Hersteller mit großen Ständen auf sich aufmerksam: Gree und GungHo Online Entertainment. Letztere sollen mit dem "Puzzle & Dragons" jeden Tag mehr als eine Millionen Dollar umsetzen, auf der Tokyo Game Show zeigen junge Frauen in bauchfreier Kleidung den Besuchern neue Apps. Das wirkt ein bisschen billig, aber das passt zu den Spielen, die in einer Basisversion meist kostenlos sind.

Neben den Handyspielen gibt es einen zweiten Trend: Eine ganze Reihe kleiner Entwicklerteams, die sogenannten Independents, stellen ihre Download-Spiele vor. Andrew House, der Chef von Sony Computer Entertainment, hatte es bei seiner Eröffnungsrede schon gesagt: Die Spielebranche gleiche sich Hollywood an. Einerseits gibt es große Blockbuster, andererseits kleine Arthouse-Produktionen.

Auf der Tokyo Game Show sehen diese Blockbuster ziemlich alt aus: Immer noch eine Fortsetzung eines bekannten Titels mit noch besserer Grafik - dafür geben allenfalls die Hardcore-Fans noch mehrere Hundert Dollar, Euro oder mehrere Zehntausend Yen aus. Das weiß auch Sony und probiert mit der günstigeren Mini-Konsole Playstation Vita TV App-Feeling auf den Fernseher im Wohnzimmer zu bringen. Das wirkt fast ein bisschen verzweifelt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, die Tokyo Game Show besuchen 2,2 Millionen Menschen. Dies ist falsch. Es sind 223.000 Besucher. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
dertordesmonats 21.09.2013
1.
Ich wollte nur beide MGS: Ground Zeroes Demos sehen und bin auf The Evil Within aufmerksam geworden, nachdem Resident Evil kein Survival-Horror mehr ist.
Blutiger9er 21.09.2013
2.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEs ist ein Spektakel mit mehr als zwei Millionen Besuchern: Vier Tage lang zeigt die Spielebranche in Japan, was die Trends der kommenden Monate sein werden. Bunt wird die Messe vor allem durch die Besucher - allen voran die Manga- und Spielefans mit ihren aufwendigen Kostümen. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/messerundgang-tokyo-game-show-mit-otakus-und-cosplay-a-923666.html
Knallhart analysiert. Und in der Zwischenzeit scheffelt GTA5 Milliarden, Blizzard badet nicht erst seit Diablo 3 in Geld, Activision hat mit der CoD-Reihe seine eigene Gelddruckmaschine, EA freut sich auf erwartbar starke Umsätze von Battlefield 4 und FIFA 14 und Nintendo & SEGA halten sich ohnehin dank besagter Fortsetzungen von Blockbustern über Wasser. Die Lobeshymnen auf Indy Entwickler sind schön und gut, haben mit der Realität aber wenig zu tun. Wie im Kino zählt auch in der Spielebranche: Mit Blockbustern erreicht man den Mainstream. Mit Indy Spielen scheffelt man genauso wenig Geld wie mit "Arthouse-Produktionen".
Kaygeebee 21.09.2013
3. optional
Was soll denn bitte der Bemerk zum Thema Frauenfeindlichkeit bei Bild 6/20? Die meisten Spieler sind männlich, besonders wenn es um Spiele abseits von Farmville oder Die Sims geht. Findet mir bitte eine Frau welche CoD, Halo, GTA, Crysis, Borderlands, The Witcher, Total War, DmC oder TES spielt. Klar, es gibt sie, aber es sind verschwindende Minderheiten. Männer sind die größte Zielgruppe und die Branche orientiert sich daher auch an ihr. Das hat nichts mit Frauenfeindlichkeit zu tun sondern mit Marktwirtschaft. Gucken sie sich zum Vergleich eine beliebige Frauenzeitschrift an: Komplett auf Frauen ausgerichtet. Männer kommen dort kaum vor und wenn doch, dann immer nur oben-ohne mit perfekten Körper, umgarnt von einer noch besser aussehenden Frau. Da spricht aber keiner von Männerfeindlichkeit.
ferrumeisenbart 21.09.2013
4.
Interessant die Tokyo game show hatte also letztes Jahr 2,2 mio. besucher ? Ich glaube Sie sollten ihre Informationen nochmal lesen es waren nur 223.753 Besucher womit wir beim Thema währen die Gamescom ist die derzeit Größte Videogame Messe der Welt !
barit 21.09.2013
5. Schade SPON
Dieser eine letzte Satz zu VitaTV spricht leider mal wieder Bände. SPON versteht das Ecosystem von Sony scheinbar nicht. VitaTV ist kein Verzweiflungsakt sondern eine sehr clevere Methode eine Konsole für unter 100€/100$ auf den Markt zu bringen, die vorerst zwar nur Vita Spiele wiedergeben kann aber dank Gaikai 2014 zu einer vollwertigen Streamkonsole mutiert. Dann hat man für einen super Preis eine vollwertige Konsole, die auf das gesamte Repertoire der letzten 20 Jahre (jedenfalls das was Sony anfangs anbietet) von Playstation Spiele zugreifen kann. Schade, hätte man sich mehr mit der Materie auseinander gesetzt wäre SPON vielleicht das ein oder andere geniale Konzept nicht entgangen.
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