"Metal Gear Survive" im Test Zombies?! Ich kämpfe mit dem Menü!

Die Reihe "Metal Gear" machte Hideo Kojima zur Entwickler-Legende. Nun erscheint mit "Survive" ein Spiel ohne die schlauen Ideen des Serien-Schöpfers. Kann das gut gehen?

Konami

Die Geschichte von "Metal Gear Survive" ist schnell zusammengefasst: Ein Wurmloch öffnet sich über einer Militärbasis und saugt alles darunter Befindliche auf. Ein Soldat oder eine Soldatin - je nachdem, was der Spieler bevorzugt - wird in die hinter dem Wurmloch gelegene und von Zombies bevölkerte Einöde geschickt, um einen verschollenen Rettungstrupp zu suchen. Und dann wird das Spiel etwas öde.

Die "Metal Gear"-Serie gibt es bereits seit 1987 und spätestens mit dem 1998 erschienenen "Metal Gear Solid" ist sie eine der wichtigsten Spielereihen überhaupt geworden: Ihr Schöpfer Hideo Kojima gilt als Star unter den Spieleentwicklern. Der Japaner schuf Kriegsspiele, die irgendwo zwischen Genialität, Größenwahn und Wirrheit schwanken und aus vollem Herzen gegen den Krieg sind.

Es sind Werke, die Massenvernichtungswaffen anprangern, gleichzeitig aber nicht davor zurückschrecken, diese eben auch faszinierend zu finden und die Ambivalenz zu zeigen, mit der Menschen sich gegenüber Krieg und Waffen verhalten. Die Spiele machen deutlich, wie Menschen Werkzeuge bewundern, die sie töten können. Kojima nutzte dafür eine schwer zu fassende Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit, spielerisch und doch entschlossen, versponnen auf den Punkt. Er schuf Schleichspiele voller schlauer Gedanken und erinnerungswürdiger Gegner.

"Metal Gear" ohne den Star

Kojimas letztes "Metal Gear" war "Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain", bei dessen Produktion er sich mit dem Hersteller der Spiele, Konami, auseinanderlebte. Und das so endgültig, dass er die Firma verließ und sein Name zusätzlich von Spielecovern und Werbematerialien verschwand, sein Name geradezu ausradiert wurde.

Fotostrecke

10  Bilder
Gespielt: "Metal Gear Solid V - The Phantom Pain"

Kojima hat heute sein eigenes Produktionsstudio und arbeitet mithilfe von Sony an einem mysteriösen Projekt namens "Death Stranding", Konami macht ohne ihn bei "Metal Gear" weiter.

"Metal Gear Survive" ist das erste Spiel der Zeit nach Kojima, die kostbare Marke soll weiter genutzt werden. Die Technik und Grafik allerdings auch, weshalb "Metal Gear Survive" erst einmal so aussieht wie die Vorgänger, nur etwas trister. In einer öden Landschaft liegen die Überreste der Mother Base verstreut, jener künstlichen Insel, die der zentrale Ort von "The Phantom Pain" war. Jetzt sind es Trümmer, in denen man sich erst einmal zurechtfinden muss - und überleben. Das Spiel heißt schließlich nicht umsonst "Metal Gear Survive".

Tiere jagen, Wasser finden

Das Überleben ist nicht einfach. Mit den raren Ressourcen muss man vorsichtig umgehen. Man darf die Basis nie zu weit hinter sich lassen, muss immer wieder Tiere jagen, sauberes Wasser finden. Außerdem sucht man Datenfragmente aus Servern, die in der Landschaft verstreut sind und in deren Nähe sich zombieartige Wesen herumtreiben, die bekämpft oder umgangen werden müssen.

Fotostrecke

6  Bilder
Neues Actionspiel: Das ist "Metal Gear Survive"

Das alles ist sehr, sehr mühsam. Klar, ein Survival-Spiel will nicht einfach sein, es will das Überleben schwierig machen, schließlich ist das der Reiz an der Sache. Hier aber kämpft man vor allem durch zig Menüs, sucht in Tabellen nach passenden Einträgen, muss wieder und wieder in der Hilfe nachschauen, weil eine weitere Funktion so wenig selbsterklärend ist, dass man sie unmöglich durchschauen kann.

Es gibt verschiedene Werkstätten, in denen man Waffen bauen kann, Zäune, Molotowcocktails - aber erst einmal keinen Kochtopf, in dem man einen nahrhaften Eintopf zubereiten oder Wasser abkochen kann. Jede dieser Werkbänke hat ein eigenes Menü, jedes davon wirkt anders, für simpelste Funktionen braucht man verschiedene, nicht immer nachvollziehbare Schritte. Und das alles muss man herausfinden, während im Hintergrund die Zeit tickt, die Spielfigur Hunger bekommt oder langsam dehydriert und wieder aus den knappen Vorräten hochgepäppelt werden muss.

Die Abwechslung fehlt

Es ist nicht nur der Kampf mit den Menüs, der bald sehr ermüdend wird: Auch die Landschaft nervt, genau wie die gleichförmigen Aufgaben. Dass man immer wieder in einen Nebel abtauchen muss, in dem man nichts sieht und in dem neben Wassermangel und Hunger auch noch die Luft zum Atmen knapp wird, macht das Spiel auch nicht abwechslungsreicher.

Fotostrecke

22  Bilder
Fotostrecke: Diese Spielestädte bleiben in Erinnerung

"Metal Gear Survive" kann sicher einigen Spielern Spaß machen, es ist ein halbwegs solides Spiel mit toller Grafik. Wer hier aber eine Fortsetzung oder eine sinnvolle Ergänzung der "Metal Gear"-Serie sucht, ist falsch. Der abstruse Humor von Kojima, seine immer wieder deutlichen Fragen an Krieg und Gewalt kommen hier nicht mehr vor. Die Filmsequenzen sind weniger dominant und vor allem deutlich weniger interessant.

"Metal Gear Survive" ist ein Spiel, das seine Berechtigung sucht, sie aber nicht findet. Es möchte von dem großen Namen der Reihe profitieren, ohne ihm gerecht zu werden. Dass man in einem Spiel mit einem sehr großen Singleplayer-Anteil immer online sein muss, dass man nebenbei für einen zusätzlichen Speicherplatz rund 10 Euro zahlen muss und auch ansonsten einige käufliche Hilfe zu bekommen ist, die man eigentlich im Spiel erwarten würde, sind da fast Nebensächlichkeiten. Weder Kojima noch "Metal Gear" haben dieses mittelmäßige Werk verdient.


"Metal Gear Survive" von Konami, für Playstation 4, Xbox One und PC (Download), ca. 40 Euro; USK: Ab 16 Jahren

insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Onkel Drops 02.03.2018
1. speicherslot 10? sagt doch alles...
als Fan des ersten Metal Gear Solids - ein Spionage Toptitel mit manchem schrägen Lösungsansatz ( PsychoMantis besiegen geht nur im falschen gamepadport ,weil er dann nicht vorraussieht was ich drücke - schlicht genial) und die stimmungsvollen cut scenes von Meister Kojima runden das ganze perfekt ab. adios Metal Gear Reihe es war schön und jetzt mit Zombies ( keine Ideen mehr? der Ansatz ist total vergeigt!!!). früher bekam man für das erfolgreiche abschließen immerhin Extras - Bandana oder auch der Bondstyle Smoking. heute gibts nen neuen Speicherplatz gegen reales Geld! kaputt geändert trifft es am besten , Herrn Kojima dagegen wünsche ich weiterhin viel Erfolg (trotz 3d schwachem Magen hat er sich reingekniet und das ist der Dank Konami?). aber das kennt man auch bei Ubisoft,Square und EA , die Gier nach mehr Geld statt Fans ... OK Square hat gemerkt wie mächtig Final Fantasy nach Teil 7 entglitten ist( seid NES Zeiten ein Kultobjekt! )! die haben aber stets weiteres auf Basis des Teil 7 nachgereicht (Filme wie Games , Advent Children war der erste wirkliche final fantasy Film!!!). nun geht Metal Gear baden und morgen kommen Mario und Luigi die Börsenmakler als Game...
Ignorant00 02.03.2018
2. Nebensächlichkeit?
"Dass man in einem Spiel mit einem sehr großen Singleplayer-Anteil immer online sein muss, dass man nebenbei für einen zusätzlichen Speicherplatz rund 10 Euro zahlen muss und auch ansonsten einige käufliche Hilfe zu bekommen ist, die man eigentlich im Spiel erwarten würde, sind da fast Nebensächlichkeiten. " Also ein Speicherslot für 10 €uro ist keine Nebensächlichkeit, sondern eine solche Unverfrorenheit, das man den Titel auch nicht kaufen sollte, wenn es ein tolles Spiel wäre, wie es Metal Gear Solid ist! Wenn wir die Raffzähne in den Spielkonzernen nicht jetzt stoppen, ist so ein Trend leider unumkehrbar. Ich spiele inzwischen lieber gute Indie Spiele. Da bekommt man ganz oft einen fairen Preis für ein gutes Spielerlebnis. Gestern oder Vorgestern zum Beispiel "Into the Breach" geholt: schönes Spiel von den FTL Machern. Darkest Dungeon, Sunless Sea, Banner Saga etc. pp gibt tolle Titel abseits des Mainstreams (gerade im von mir geliebten Strategie Genre), da muss man nicht Konami für Murks Geld hinterherwerfen, nur weil ein einstmals großer Name im Raum steht.
Pickle_Rick 02.03.2018
3.
"Die Reihe "Metal Gear" machte Hideo Kojima zur Entwickler-Legende. Nun erscheint mit "Survive" ein Spiel ohne die schlauen Ideen des Serien-Schöpfers. Kann das gut gehen?" Ganz einfache Antwort: Nein Der Charme von Metal Gear kam durch Kojimas Ideen und die fehlen jetzt. Das kann man bestenfalls halbgar kopieren. Nö danke null Interesse. Vor allem nicht in Verbindung mit DLC-Abzocke. Das ist was für Console Peasants die auf Papas Geldbeutel zurückgreifen.
cosmose 02.03.2018
4.
Als großer Fan der MGS-Serie war ich schon von Phantom Pain nur mäßig begeistert. Zum Glück gab es das vor ein paar Monaten als Goodie im Playstation Plus Abo, so dass ich hierfür nichts bezahlt habe. Bisher sinds auch nur 10h Spielzeit, während ich für die anderen Teile stellenweise sogar extra Urlaub genommen habe. Metal Gear Survive kommt mir schon alleine wegen der 10 Euro für den Speicherslot nicht ins Haus (oder in die Konsole). Diese Gier darf keinesfalls mit Umsatz belohnt werden.
jupiter_jones 02.03.2018
5. Hoher imageverlust der marke Konami
Ich frage mich warum konami wirklich so weit gegangen ist und das spiel veroeffentlicht hat? Als ich den ersten trailer von msg survive und die reaktionen dazu gesehen habe, dachte ich: ne, das werden nie wirklich bringen! Und jetzt haben sie es wirklich gebracht und es scheitert sowohl bei den kritikern als auch an der kasse (selbst in japan). Jetzt frag ich mich echt, warum konami das projekt nicht auf eis gelegt hatte, denn es war doch von vornherein ein flop mit ansage gewesen! Dahinter koennen nur persoenliche rivalitaeten zwischen kojima und anderen hohen tieren von konami stecken! Eine andere erklaerung kann ich mir nicht vorstellen. Wie dem auch sei, der imageverlust der marke konami wird irreparabel sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.