"Metro Exodus" Raus aus dem Tunnel

Der wilde Osten nach dem Atomkrieg: In "Metro Exodus" erkunden Gamer mit Dampflok und viel Blei ein zerstörtes Russland. Mit dem jetzigen Zustand unserer Welt hat das Spiel überraschend viel gemein.

4A Games

Spoiler-Hinweis: Dieser Text gibt Einblicke in die Geschichte von "Metro Exodus".


Unter den Schuhen knirscht der Kies, Schatten bewegen sich im flackernden Licht der Fackeln, in der Ferne ertönt ein Schrei, ein schweres Atmen ist zu hören: "Metro Exodus" ist immer dann am besten, wenn es eine dichte Atmosphäre erzeugen kann.

Wenn man nicht weitergehen mag, weil der Geigerzähler zu laut tickt, und man sich lieber zurückziehen würde in seinen Zug, um dort von den Ängsten und Hoffnungen der Begleiter zu hören. Doch natürlich muss man weiter - die Reise nach Osten ist lang und beschwerlich.

"Metro Exodus" ist der neueste Teil einer Shooter-Reihe, die auf den "Metro"-Romanen des russischen Autoren Dmitri Gluchowski basiert und von dem ursprünglich in Kiew angesiedelten Studio 4A Games entwickelt wird.

Das hat 2014 im Zuge der Annexion der Krim einen Teil der Produktion nach Malta verlegt, was der Unsicherheit in der Ukraine geschuldet war - und auch dem leichteren Zugang zum westeuropäischen Markt. Beibehalten hat das Studio seinen Stil: Auch "Metro Exodus" ist ein Shooter, der sehr viel störrischer und langsamer ist als die westliche Konkurrenz. Und genau das macht ihn trotz aller Macken so gut.

Ein zerstörtes Russland

Protagonist Artjom und seine Frau Anna müssen die Moskauer Metro verlassen und einen Ort im zerstörten Russland finden, an dem sie bleiben können. Das ist ein großer Bruch in der "Metro"-Serie, die bisher nur im Untergrund gespielt hat.

Die Überlebenden eines nuklearen Krieges haben sich in die Metro zurückgezogen und sich mühsam ein neues Leben aufgebaut. Die verschiedenen Stationen sind zu kleinen Staaten geworden, sie sind Spiegelbilder von Gesellschaftssystemen. Es gibt Faschisten, Kommunisten, Wirtschaftsgläubige: Die Menschen sind aus der Katastrophe nicht klug geworden und bekriegen sich auch in den Tunneln der Metro.

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"Metro Exodus": Endzeit in Moskau

Artjom will dabei eigentlich nicht mitmachen. Der junge Mann träumt davon, eines Tages wieder an die Oberfläche zu kommen, um dort leben zu können. Er ahnt, dass außerhalb Moskaus Leben existieren muss, auch wenn es keine Funkverbindung nach draußen, kein Lebenszeichen aus der Außenwelt gibt.

Das hat seine Gründe, wie Artjom und seine Frau Anna am Anfang von "Metro Exodus" feststellen, als sie eine Verschwörung aufdecken und fliehen müssen. Unterwegs sind sie mit einer Dampflok, die sie aus einem Depot stehlen und mit der sie das Hauptquartier der russischen Regierung, einen Bunker im Ural, erreichen wollen.

Der Plot ist schnell vergessen

Die Geschichte überdehnt hier immer wieder mal das Wohlwollen, das man ihr entgegenbringt. Was sich im Ural tatsächlich befindet, warum man dann weiterreist und nach einem Abstecher ans Kaspische Meer Kurs in Richtung Osten nimmt, ist bestenfalls fragwürdig, nur ganz selten wirklich überzeugend.

Doch darauf kommt es nicht an, der Plot ist schnell vergessen. "Metro Exodus" ist auf seine eigene, spröde Art an vielen Stellen hervorragend und bewegend. Schon die Zugfahrten, bei denen man den Unterhaltungen seiner Mitstreiter lauschen kann, sind anrührend. Hoffnungen, Ängste und Trauer mischen sich mit den kleinen Herausforderungen des Alltags.

Jemand spielt ein Lied auf der Gitarre, andere feiern ein kleines Fest. Und in Momenten der Stille stellt sich Artjom vorn auf die Lok und raucht eine Zigarette im Fahrtwind, während die desolate Landschaft vorbeizieht. Diese erzählt mehr, als jede Geschichte es tun kann. Es geht um Verwüstung, um Krieg und darum, dass die Welt sich weiterdreht - mit anderen Wesen, feindlich den Menschen gegenüber, und mit einer Umwelt, aus der sich der Mensch verabschiedet hat.

Eine Reise durch verschiedene Gesellschaftssysteme

Muss der Zug halten, trifft Artjom nicht nur auf die mutierten Wesen, die das Land bevölkern, sondern immer wieder auch auf versprengte Gruppen von Menschen, die sich ein kleines Leben aufgebaut haben und es gegen Außenseiter verteidigen. Banditen sind es, Gottesfürchtige oder Überlebende eines Internates, die sich in zwei rivalisierende Gruppen aufgespalten haben. "Metro Exodus" setzt die Reise Gluchowskis durch verschiedene Gesellschaftssysteme fort, zeigt aber kaum eins, in dem Menschen in Frieden leben.

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Deep Silver:
Metro Exodus

PC, PlayStation 4, Xbox One; 59,99 Euro.

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Und so zeichnet das Spiel nicht nur ein sehr pessimistisches Bild einer zukünftigen Welt, sondern liefert auch Vorwände für Kämpfe. Die können sehr dynamisch sein und verlangen vom Spieler einiges an Planung.

Wer seine Gewehre nicht pflegt, schießt schlechter. Wer nicht rechtzeitig für neue Munition sorgt, hat bald keine mehr. Und wer sich einfach ins Gefecht stürzt, hat schlechtere Karten als jemand, der versucht, im Verborgenen vorzugehen - auch weil Letzteres Wohlwollen der Gegner erzeugen kann und man so leichter zum Ziel kommt.

Insgesamt ist "Metro Exodus" ein überzeugender neuer Teil der Reihe. Er erkundet mutig neue Welten, belohnt interessanterweise friedliches Vorgehen und lässt Spieler leicht Parallelen zum heutigen Zustand der Welt ziehen.

"Metro Exodus" ist deshalb so eindringlich, weil es gar nicht so weit weg scheint vom jetzigen Zustand der Welt. Es stellt Fragen an das Mit- und Gegeneinander der Menschheit, das auf Kosten des ganzen Planeten ausgetragen wird. Den Menschen stellt das Spiel dabei kein gutes Zeugnis aus.


"Metro Exodus" von Deep Silver, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 60 Euro; USK: Ab 18 Jahre



insgesamt 2 Beiträge
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derhahn 16.02.2019
1. Was soll das hier sein?
Ist das jetzt ein Review? Eine Mitteilung der Marketingabteilung? In diesem Text fehlt wirklich alles was ihm Informationsgehalt geben würde. Kein Wort zum Gunplay, einem Stealthsystem, der Steuerung, der Performance, den Optionen und Einstellungsmöglichkeiten (21:9?), nicht einmal der wichtige Hinweis auf den Epic Game Store. Die Entwickler haben sich ja kurz vorher gegen Steam entschieden. Also bitte die Hälfte des Gelaber über die Atmosphäre rausnehmen, auch wenn die nicht unwichtig ist und lieber mal ein paar Dinge, die mich als Gamer auch sehr interessieren. Setzen, 6.
DON666 27.02.2019
2. @derhahn
Nichts nervt mehr, als dieses ständige Rumgehacke auf dem (PC-) Vertriebsweg dieses Spiels. Ich habe noch nirgends eine Forendiskussion erlebt, in der es auch nur ansatzweise um das Spiel an sich ging. Welchen Wert es haben soll, dieses Gespräch auch noch auf dieser Plattform hier zu führen, weißt wohl nur du. Wer sich über den Epic Store aufregen will, findet jedenfalls bereits mehr als genügend Gelegenheiten dazu im Netz.
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