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21. Januar 2014, 14:06 Uhr

Produktplatzierung

Microsoft soll Videomacher für Xbox-One-Erwähnungen bezahlt haben

Umstrittene Kooperation mit dem Netzwerk Machinima: Medienberichten zufolge hat Microsoft YouTube-Videomacher mit Zusatzeinnahmen motiviert, über die Xbox One zu berichten. Ihren Zuschauern gegenüber sollten die Profiteure das Sponsoring verheimlichen.

Während die Auflagen der großen Spielezeitschriften weiter sinken, informiert sich ein Großteil der Spielefans regelmäßig per YouTube über Neuerscheinungen. Besonders sogenannte "Let's Play"-Videos, bei denen man passiv verfolgt, wie jemand ein Spiel durchspielt, erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Doch wie unabhängig sind die Webvideo-Macher beim Rezensieren und der Auswahl der Spiele?

Diese Diskussion hat eine angebliche Microsoft-Marketingaktion ausgelöst, über die US-Medien berichten. Nach Recherchen von "Ars Technica" soll Microsoft mit dem beliebten Spielevideo-Netzwerk Machinima kooperiert haben, mit dem Ziel, dessen Videoautoren zu motivieren, in neuen Clips die Xbox One zu erwähnen. Videos mit dem Schlagwort "XB1M13" sollten sich kurzfristig besonders lohnen, denn pro 1000 Videoabrufe sollten ihre Produzenten drei Dollar extra bekommen.

Dieser Zusatzverdienst ist "Ars Technica" zufolge jedoch an Bedingungen geknüpft, die ein entsprechender Vertrag regelt. In einem online veröffentlichten Text, dessen Authentizität ungeklärt ist, heißt es etwa, dass die ersten beiden Minuten der Videos zur Aktion mindestens 30 Sekunden Videomaterial aus einem Xbox-One-Spiel enthalten müssten, auch der Konsolenname müsse fallen. Nicht erlaubt sei es dagegen, sich negativ über Machinima oder die Xbox One zu äußern. Wer den Vertrag unterzeichnet, stimmt außerdem zu, das Unterschriebene vertraulich zu behandeln.

Besonders die Verschwiegenheitsklausel sorgt jetzt in der Gaming-Szene für Aufregung. Dürfen Videomacher ihre finanziellen Vorteile vor dem Zuschauer verschweigen? Und lassen sich Vereinbarungen wie der genannte Vertrag mit den Werberichtlinien der US-Aufsichtsbehörde FTC vereinbaren?

Kampagne mit relativ geringem Budget

Interessant ist noch, dass die Werbekampagne zumindest laut Vertrag ein vergleichsweise kleines Budget hatte. Enden sollte sie nach 1,25 Millionen Abrufen, also nach der Ausschüttung von 3750 Dollar, verteilt auf alle Teilnehmer. Wenn es stimmt, dürfte das der Grund sein, weshalb die am 14. Januar gestartete Aktion bereits am 16. Januar beendet wurde.

Während sich Microsoft und Machinima noch nicht zu den Vorwürfen geäußert haben, scheint sich zumindest der Tech-Journalist Danny Sullivan über die Medienberichte zu amüsieren, in denen oft der Begriff "Stealth Marketing" fällt. Auf Twitter schrieb Sullivan: "Microsofts 'Stealth Marketing', um die Xbox One in YouTube-Videos zu bekommen, würde man beim Fernsehen einfach 'Product Placement' nennen."

mbö

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