Microsofts Xbox Kinect im Test Schwitzend an die Spitze

Spitzentechnik von Microsoft - geht das? In Sachen Spielkonsolen auf jeden Fall: Die Bewegungssteuerung Kinect für die Xbox 360 lässt Nintendos Wii alt und Sonys Move blass aussehen. Ein Test zeigt: Die Technik ist beeindruckend - und verlangt vom Spieler vollen Körpereinsatz ohne Controller.

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Schon wieder Muskelkater. Inzwischen hat man sich ja fast schon daran gewöhnt, dass das Testen und Besprechen von Videospielen körperliche Folgen haben kann - von Sehnenscheidenentzündungen abgesehen, die waren schon früher Berufsrisiko.

Die Muskelschmerzen haben Gamer von jeher vor allem Nintendos Spring-und-Schlag-Konsole Wii zu verdanken. Jetzt aber kommt auch noch Microsoft mit seiner Bewegungssteuerung Kinect für die Xbox 360 auf den Markt - und definiert damit das komplette Genre neu, was der Konkurrenz bald ziemliche Probleme bereiten könnte.

Wie so oft in der Firmenhistorie adaptiert Microsoft eine sehr gute Idee. So war das mit Windows (Vorbild: Apples Macintosh-Betriebssystem), so war es mit dem Internet Explorer (Vorbild: Netscape) und auch mit der Xbox (Vorbild: Playstation).

Bei Kinect aber gibt es einen wichtigen Unterschied: Microsoft hat fast alles besser gemacht als das Original.

Deshalb also: Muskelkater. Dabei ist Microsofts "Wii Sports"-Klon mit dem entwaffnend ehrlichen Namen "Kinect Sports" eigentlich keine Revolution: Sechs unterschiedliche Sportarten müssen mit Körpereinsatz simuliert werden. Das kennt man von der Wii seit vier Jahren.

Nun aber werden Tischtennis und Volleyball freihändig gespielt, Fußball tatsächlich mit den Füßen. Die Ganzkörpererfassung des Kinect-Sensors verändert so die Regeln, und zwar nicht nur die des Videospielens. Microsoft, man lese und staune, kann mit Kinect jetzt tatsächlich so etwas wie Technologieführerschaft für sich beanspruchen.

Nintendo hat den eigenen Wii-Werbespruch "expand the definition of gaming" eingelöst und verdiente damit Unmengen Geld. Der unschlagbare Vorzug von Kinect ist jetzt: Es schafft die Krücken, sprich Controller, ab. Plastik ade.

Nintendos zweiter neuer Konkurrent, Sonys Bewegungssteuerung Move für die Playstation, ist ein bisschen präziser und schneller. Mit den Controller-Knöpfchen lassen sich die Möglichkeiten der Bewegungsspiele noch erweitern. Irgendwann wird es sicher auch mehr als ein Move-Spiel geben, das wirklich Spaß macht.

Mittelfristig aber wird Move genauso wie Nintendos Wii als eine Übergangstechnologie betrachtet werden, ein belächeltes Relikt. Für den herkömmlichen Controller gilt das nicht: Der wird, in seiner über die Jahre optimierten Form für maximale Informationsübertragung mit zwei Händen als Fingersportgerät noch lange überleben. Für die anderen, neuen Spiele aber, fürs Hopsen und Wedeln, braucht man seit Kinect kein Gerät mehr in der Hand zu halten. Selbst wenn die mauszeigerpräzise Umsetzung von Bewegungen noch nicht hundertprozentig funktioniert.



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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
Emil Peisker 09.11.2010
1. den Beitrag "erarbeitet"?
Zitat von sysopSpitzentechnik von Microsoft - geht das? In Sachen Spielkonsolen auf jeden Fall: Die Bewegungssteuerung Kinect für die Xbox 360 lässt Nintendos Wii alt und Sonys Move blass aussehen. Ein Test zeigt: Die Technik ist*beeindruckend - und verlangt vom Spieler vollen Körpereinsatz ohne Controller. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,728079,00.html
Aber Herr Stöcker.... Das ist ja pure PR für Microsoft! Oder haben Sie selbst die 3 Systeme bespielt und so den Beitrag "erarbeitet"?
ChristianStöcker 09.11.2010
2. Getestet
Selbstverständlich habe ich die drei Systeme selbst ausprobiert. Andernfalls würde ich mir ein solches Urteil nicht erlauben. Mit PR hat das hier rein gar nichts zu tun. Sondern mit einer klaren Meinung.
euthyphron 09.11.2010
3. Lob für MS?
Zitat von Emil PeiskerAber Herr Stöcker.... Das ist ja pure PR für Microsoft! Oder haben Sie selbst die 3 Systeme bespielt und so den Beitrag "erarbeitet"?
Tja, wenn SPON nicht über Apple schreibt, kann das schnell zu Irritationen führen ...
MarcoR, 09.11.2010
4. Platzbedarf
Tolles System, nur leider ist Kinect für mein (eigentlich gar nicht so kleines) Wohnzimmer ungeeignet. Bei notwendigen 3 Metern möbelfreiem Abstand zum Fernseher (und das gleiche nochmal in der Breite, um mit 2 Personen gleichzeitig zu spielen) dürfte ich dieses Problem wohl auch nicht alleine haben. Da wird es wohl noch einige lange Gesichter geben, wenn Ottonormalfamilie beim Aufbauen des Systems merkt, dass die Platzverhältnisse daheim etwas von der Microsoftschen Werbefantasie abweichen... Bei mir jedenfalls bliebe nur komplettes Umstellen der Möblierung, was allerdings bei der Frau auf eingeschränkte Begeisterung stoßen dürfte. ;-) Also merke - bei der nächsten Wohnungs- bzw. Haussuche auf "Kinecttauglichkeit" des Wohnzimmers achten!
404NotFound 09.11.2010
5. Pr?
Naja, da hier ja meist, wie ich finde vollkommen zu unrecht, Apple in alle Höhen gepriesen wird, mag es manche Leute verwundern, dass Microsoft durchaus Dinge gut machen kann. Oder hat mal einer in nem Applethema von PR geredet...?
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