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Microsofts Xbox One im Test: Schwarz, teuer, stark

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Microsoft

Mit der Xbox One tritt Microsoft zum ersten Mal gegen eine fast gleichzeitig gestartete Konsole des Konkurrenten Sony an. Die Xbox One kostet 100 Euro mehr als die Playstation 4 - ist sie das wert? Wir haben sie getestet.

Hamburg - Es gibt eine Anekdote aus der Videospielgeschichte, die ein Omen sein könnte für den Kampf der Konsolen von heute. Im Mai 1995, bei der ersten Electronic Entertainment Expo (E3), betrat der damalige Chef von Sony Computer Entertainment of America, Steve Race, die Bühne einer Pressekonferenz. Erwartet wurde, dass er die Vorzüge von Sonys brandneuer Playstation gegenüber Segas Saturn-Konsole anpreisen würde. Race aber legte den Stapel Papier, den er dabei hatte, aufs Rednerpult, beugte sich über das Mikrofon und sagte nur: "299 Dollar." Dann ging er wieder, begleitet von donnerndem Applaus. Sony hatte Segas Preis soeben um 100 Dollar unterboten. Der Rest ist Geschichte: Die Playstation verkaufte sich über 100 Millionen Mal und begründete einen Mythos, Sega dagegen zog sich kurz darauf aus dem Konsolengeschäft zurück.

Wenn in Europa in der kommenden Woche Sonys Playstation Nummer vier in die Läden kommt, wird sie 400 Euro und damit 100 Euro weniger kosten als Microsofts Xbox One, die es hier ab Freitag dieser Woche zu kaufen gibt. Beide sind hochgezüchtete Spielgeräte, beide haben Online- und Multimediafunktionen. Wird der Preis erneut entscheiden?

Wir haben eine Entwicklerversion der Xbox One gründlich getestet. Ein direkter Vergleich mit der Playstation 4 ist im Moment noch nicht möglich, Testgeräte gibt es erst in ein paar Tagen. Das vorsichtige vorläufige Fazit lautet dennoch: Microsoft wird es schwer haben, Käufer davon zu überzeugen, dass die Xbox One mit Kinect wirklich 100 Euro mehr wert ist als eine PS4 ohne Kamera für die Bewegungssteuerung.

Fotostrecke

17  Bilder
Spielkonsole: Das ist Microsofts Xbox One
In den USA hatte Microsoft die Xbox One anfangs vor allem als eine Art Universalfernbedienung für alle Multimediageräte angepriesen, die man in einem modernen Wohnzimmer findet. Die Xbox One soll den Sat- oder Kabelreceiver, den Verstärker und das TV-Gerät befehligen, über Spracheingabe oder Gestensteuerung. In Demonstrationsvideos wurde gezeigt, wie ein Nutzer mühelos zwischen Spiel, TV-Inhalt und Skype-Konversation mit einem Freund hin- und herspringt, alles auf Basis gesprochener Befehle. Bei der Kernzielgruppe kam das nicht gut an, sie wollte Spiele sehen, keine Wohnzimmerspielzeuge. Für europäische Kaufinteressenten dürfte schwerer wiegen: Viel davon funktioniert hierzulande derzeit nur sehr eingeschränkt, wenn überhaupt.

Nicht zu überhörendes Lüftergeräusch

Zwar lässt sich beispielsweise ein Sat-Receiver an die Xbox One anschließen und mit dem Sprachbefehl "Xbox - Fernsehen" auch ein TV-Bild auf den Bildschirm bringen. Schon beim Umschalten aber versagte die Konsole im Test. Der direkte Sprung zu einem konkreten Sender per Spracheingabe scheitert ebenso wie der eingebaute Programmführer daran, dass die Konsole das hiesige Satellitenprogramm nicht kennt. Dazu kommt, dass zumindest die getestete Entwicklerkonsole nach wie vor ein deutliches Lüftergeräusch produziert - und wer will beim Fernsehen einen zusätzlichen Stromverbraucher laufen lassen, der auch noch Lärm macht?

Was die Xbox One maßgeblich von der Playstation 4 unterscheidet, ist die mitgelieferte, verbesserte Kinect-Kamera samt Mikrofonleiste. Das Gerät leistet Eindrucksvolles, beispielsweise unterscheidet es mühelos mehrere Personen vor der Kamera, selbst bei schwacher Beleuchtung. Die neue Kinect-Kamera verrechnet Rauminformation, HD- und Infrarotbild zu einer Simulation des Raumes und der Anwesenden. Sogar Gesichtsausdrücke soll sie erkennen können.

Für Fitness-, Tanz- oder Kampfspiele könnte diese Technik sich als nützlich erweisen, doch bislang fehlt schlicht die Software, um sie sinnvoll zu nutzen. Im Starttitel "Zoo Tycoon" etwa kann man mit Gesten Elefanten füttern oder Schimpansen zur Nachahmung animieren - das eigentliche Spielziel lässt sich dann aber doch nur mit einem Controller in der Hand erreichen. Das als Demo verfügbare Jetski-Rennen aus dem angekündigten Titel "Kinect Sports Rivals" macht Spaß (siehe Video), rechtfertigt aber kaum einen Konsolenkauf.

Tumbes Gemetzel und ein Autorennspiel

Der neue Xbox-One-Controller sieht dem der Xbox 360 ziemlich ähnlich, liegt aber besser in der Hand und verfügt über feiner abgestimmte Rumble-Funktionen, um Kollisionen mit der Leitplanke oder aber Schwerthiebe fühlbar zu machen. Die neu angeordneten Knöpfe in der Controller-Mitte sind besser zu erreichen, insgesamt fühlt sich das neue Eingabegerät - ohne den klobigen Akku auf der Unterseite, den man vom 360-Controller kennt - handlicher und ergonomischer an.

Die Spielebibliothek jedoch, die Microsoft zum Start aufbietet, kann kaum beeindrucken. Standardware etwa von Electronic Arts ("Need for Speed", "Fifa") oder Activision ("Call of Duty: Ghosts") wird auch für die Konkurrenzkonsole von Sony herauskommen. Und sie sieht auf der Playstation 4 etwas besser aus, glaubt man der US-Fachpresse. Die beiden wichtigsten Exklusivtitel für die Xbox One sind "Ryse: Son of Rome" von Crytek und "Forza Motorsport 5", gewissermaßen Microsofts Antwort auf Sonys "Gran Turismo"-Reihe.

Beide bieten spektakuläre Grafik. Doch "Ryse" ist ein reichlich repetitives Schwertkampfgemetzel und "Forza" eben ein Autorennspiel - wenn auch eines mit in bislang unbekanntem Detailreichtum nachgebauten Boliden, vom Audi A3 bis hin zum McLaren-Supersportwagen. Dass einer der beiden Titel Menschen jenseits der Hardcore-Fans zum Konsolenkauf animiert, erscheint zweifelhaft.

Fazit: Die Xbox One ist eine Spielkonsole mit beeindruckenden technischen Möglichkeiten, von denen die meisten bislang kaum genutzt werden. Die Multimediafunktionen der Konsole lassen sich besonders in Europa nur sehr eingeschränkt nutzen. Und ganz so flüsterleise wie versprochen ist zumindest die getestete Entwicklerversion der Konsole dann doch nicht.

Fans von Fitness- und Tanzspielen, denen der Preis nicht so wichtig ist, kann man die Konsole zweifellos empfehlen, denn die Kinect-Technik, die im besten Fall ohne jeden Controller in der Hand auskommt, ist besser geworden als bei der Xbox 360 und stellt weiterhin die Referenz in diesem Bereich dar. Doch gerade in Zeiten des NSA-Skandals dürfte eine Kamera, die ins eigene Wohnzimmer zeigt, nicht überall gut ankommen. Unentschlossene dürfte Microsoft letztlich nur schwerlich davon überzeugen können, dass die Xbox One wirklich 100 Euro mehr wert ist als eine Playstation 4. Kolportierten Vorbestellungszahlen zufolge liegt die PS4 dann auch vorn in der Gunst des Publikums. In den ersten 24 Stunden nach der Markteinführung in den USA verkaufte sich die Sony-Konsole eine Million Mal. An dieser Zahl muss sich Microsoft ab Freitag messen lassen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Xbox One in Kürze:

1. Werden alte und gebrauchte Spiele auf der neuen Konsole laufen?

Xbox-360-Spiele laufen auf der neuen Xbox One nicht, die Architektur ist zu unterschiedlich. Gebraucht gekaufte Spiele aber soll man auf der neuen Xbox spielen können, versprach Microsoft nach einigem Hin und Her.

2. Wie sieht die Konsole aus?

Wie ein schwarzer Kasten, etwa so groß wie ein dicker, gut gefüllter Aktenordner - und damit größer als die derzeitig erhältliche Version der Xbox 360. Der Kinect-Sensor ist ähnlich schlicht gestaltet (siehe Fotostrecke). Schönheitspreise wird die neue Xbox kaum gewinnen. Sie ist vor allem: schlicht, funktional, reduziert, schwarz. Wesentlich leiser als die schwarze Slim-Version der Xbox 360 ist jedoch zumindest die getestete Entwicklerkonsole nicht.

3. Was kann die neue Kinect-Kamera?

Die neue Kamera arbeitet mit einer Technologie namens "aktives Infrarot". Sie sendet Laserstrahlen in den Raum und misst, wie lange es dauert, bis die reflektierten Photonen zum Sensor zurückkehren. Das hat den Vorteil, dass ein Teil des Inputs völlig von der Raumbeleuchtung unabhängig ist. Wo die alte Kinect-Kamera pixelige, unscharfe Bilder sieht, erkennt die neue ein klares Monochrom-Bild des Raums - auch, wenn das Licht aus ist. So funktioniert etwa Gesichtserkennung auch im Dunkeln. Zusätzlich verfügt das neue Kinect über eine hochauflösende Farbkamera und einen Satz Mikrofone, die nicht nur den Sprecher im Raum lokalisieren, sondern auch Umgebungsgeräusche herausfiltern können sollen. All diese Kanäle können ihre Informationen bündeln und verrechnen.

5. Wie steht es um die Vernetzungsmöglichkeiten?

Schon die Xbox 360 lässt sich über eine Smartphone- und Tablet-App namens Smartglass bedienen, wenn auch nur in eingeschränktem Ausmaß. Die neue Konsole soll solche Funktionen noch kräftig ausbauen - Nebenaufgaben fürs Konsolenspiel auf dem Handy, ständige Vernetzung mit den Spielpartnern, Konsolensteuerung per Handy oder Tablet, auch von mehreren Spielern gleichzeitig. Ein bisschen Wii U mit dem Handy gewissermaßen. Ähnliches wird auch die Playstation 4 bieten.

Spielsequenzen sollen ständig und automatisch mitgeschnitten werden, so dass man seine aktuellen Heldentaten unmittelbar publizieren kann, im Konsolennetz oder in sozialen Netzwerken wie Facebook. Im Test funktionierte das Aufzeichnen per Sprachbefehl sehr gut. Die Möglichkeit aber, das eigene Spiel live ins Netz zu streamen, hat Microsoft gerade verschoben - sie soll erst ab 2014 verfügbar sein.

Die neuen Konsolen im Überblick
Konsole Xbox One Wii U Playstation 4
Veröffentlichung Deutschland 22.11.2013 30.11.2012 29.11.2013
Startpreis (Euro) 499 209 399
Gebrauchtspiele laufen laufen laufen
Kompatibilität Xbox-360-Spiele laufen nicht Wii-Spiele und -Zubehör laufen einige Spiele für PS3/PS2/PS1 sollen über den Streaming-Dienst Gaikai verfügbar sein
Online-Funktionen Videomitschnitte und Screenshots lassen sich direkt in Netzwerken veröffentlichen, eigene Spielbibliothek auf anderen Konsolen per Cloud abrufbar Videochat mit Wii-U-Besitzern Spielevideos und Screenshots lassen sich direkt in soziale Netzwerke senden
Besonderheiten Kinect-Kamera ist integriert, Konsole erkennt auch in dunklen Räumen einzelne Personen und Gesichter Spiele laufen auf Gamepad ohne Fernsehschirm weiter Controller mit Touchpad, Spiele sollen auf der PS Vita fortgesetzt werden können
Steuerung Controller, Sprache, Bewegung, Gesten, Smartphone-App Touchscreen, Controller, Bewegung mit Wiimote Controller, Konsole erfasst per Controllers Position des Spielers im Raum
Verkaufszahlen Vorgänger weltweit 80 Mio.** 99 Mio. *** 80 Mio. ****
* Onlinepreis 4.9.2013 für 8-Gigabyte-Modell / ** Microsoft 5.2013 / *** Nintendo 30.3.2013 / **** Sony 11.2012

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insgesamt 75 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nicht für mich
iceman.s 20.11.2013
Habe vor kurzem meine Vorbestellung storniert. Hauptsächlich wegen Forza 5. Da MS in ihrer Weisheit entschieden hat, ihre alten 360 Lenkräder nicht mehr zu unterstützen und wohl auch unwillens ist die Hersteller bei einer Lösung für ihre Kunden zu unterstützen, kann ich mein Lenkrad nicht mehr nutzen. Dazu kommt noch, das um das Spiel rechtzeitig fertig zu haben, Turn 10 entschieden hat, es nur mit dem halben Inhalt zu veröffentlichen und auch unwillens ist, diesen kostenlos nachzureichen. Das meiste wird wohl überhaupt nicht kommen, einiges als zu bezahlendes DLC. So bleibt es bei der Vorbestellung der PS4. Hauptplattform ist und bleibt aber weiterhin mein PC. :-)
2. Werde nicht noch einmal den Fehler machen
inovatech 20.11.2013
und mir eine Konsole wegen Forza kaufen. Die Entwickler haben anscheinend nicht verstanden, dass "Hyper"-Grafik ein schlecht programmiertes Spiel nicht besser macht. Ich empfehle jedem Konsolen-Rennfahrer mal den Vergleich Forza 1 (XBOX) zu irgendeiner Forza-Version (XBOX 360). Man wird staunen wie genial der erste Teil auf einer Uralt-Konsole ist.
3. Die XBOX hat eine Kamera,
dani216 20.11.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEMit der Xbox One tritt Microsoft zum ersten Mal gegen eine fast gleichzeitig gestartete Konsole des Konkurrenten Sony an. Die Xbox One kostet 100 Euro mehr als die Playstation 4 - ist sie das wert? Wir haben sie getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/microsofts-xbox-one-im-test-a-934536.html
die die Anzahl der Personen im Raum erkennt, die sogar bei Dunkelheit funktioniert, die Software kann Gesichtserkennung, das Mikrofon kann alles mithören, was im Raum gesprochen wird, die XBOX muss eine Internetverbindung haben. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass Microsoft ein Strohmann der NSA ist, das ist einfach zu offensichtlich und die Möglichkeiten zum ausloten der Privatsphäre einfach zu paradiesisch, um darauf zu verzichten. Und das beste daran ist, das der blöde Hammel von Käufer sogar noch dafür bezahlt - einfach traumhaft. Meine Güte, die XBOX One ist ein absolutes NO GO.
4. In 2 Jahren nochmal schauen
yshitake 20.11.2013
Ich war bisher immer ein Early Adopter neuer Konsolen, aber für mich haben weder XBox-One noch PS-4 bisher einen klitzekleinen Grund geliefert, sie mir anzuschaffen. Ich sehe beide Hersteller gnadenlos baden gehen, wenn da nicht bald was wirklich umwerfendes kommt. Die X-Box One hat den Schwerpunkt völlig irrsinnig auf Kinect gelegt und bei Sony fehlt der Pioniergeist der die Vorgängerkonsolen noch gepusht hat, wie DVD bei der PS2 oder Blue-Ray bei der PS3. HD hat schon jeder und 4K braucht noch lange keiner. Das ist bis auf weiteres eine Sackgasse, in die sich die Hersteller selbst manövriert haben. Evtl. kann Nintendo dises Generation als lachender Dritter für sich entscheiden, weil dort das Casual-Gaming zu Hause ist, und man sich aus dem technischen Wettrüsten bereits vor Jahren verabschiedet hat
5.
ziploard 20.11.2013
Punkt 4 der Fragen und Antworten klingt interessant und dürfte viele Kunden zum Kauf bewegen...
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