"Minecraft"-Projekt: Block für Block zur schöneren Stadt

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Im Computerspiel "Minecraft" kann jeder ganze Welten aus Pixel-Klötzchen errichten. Nun will der schwedische Entwickler Mojang das Programm für die Stadtplanung einsetzen. Junge Bewohner sollen am Rechner ihre Viertel neu planen. Ein erstes Projekt startet mit Uno-Unterstützung bald in Kenia.

Minecraft: Projekt ermöglicht Stadtplanung per Computerspiel Fotos

Hamburg - Wenn ein komplettes Stadtviertel neu gestaltet wird, stellt das die Verantwortlichen schon mal vor ein Dilemma. Die Pläne der Fachleute passen nicht zwingend zu den Ideen der Anwohner. Der Spielplatz ist viel näher am Weg als gedacht, die Häuserfarben zu grell oder die Bäume zu wuchtig. Doch wie bringt man beide Seiten möglichst elegant und ohne endlose Diskussionsrunden zusammen?

Die schwedische Firma Mojang möchte die Bewohner von Anfang an in die Planung ihrer Viertel einbeziehen - und zwar mit Hilfe ihres Computerspiels "Minecraft". Am Mittwoch kündigte Mojang ein neues Projekt an, das die Firma in Kooperation mit dem Uno-Siedlungsprogramm UN Habitat auf die Beine stellt. "Block by Block" soll vor allem junge Bewohner ermuntern, sich an der Planung ihrer Viertel zu beteiligen. Die Idee der Stadtgestaltung per Computerspiel mag nicht neu sein; allerdings gleicht die Simulation durch "Minecraft" eher einem digitalen Bauklötzchenspiel.

"Minecraft", das Spiel des schwedischen Programmierers Markus Persson, versetzt den Spieler in eine Welt aus Klötzen, die er erkunden, umbauen und gestalten kann. Nachts trifft er in der Würfellandschaft auf Monster, vor denen er sich verbarrikadieren muss - in einer sicheren Bleibe, die er sich selbst baut. Vor allem aber kann der "Minecraft"-Spieler kreativ sein und mit dem riesigen Baukasten spielen: Gebäude und Brücken errichten, mit Erz und Sand, kubischen Wiesen und eckigen Schafen herumexperimentieren.

Was für Mittelerde klappt, funktioniert auch nebenan

Das Spiel mit den digitalen Bauklötzchen hat längst eine breite Fangemeinde. Die Spieler erschaffen unermüdlich detailreiche Umgebungen oder bauen fiktive Welten nach, zum Beispiel das von "Herr der Ringe"-Autor J.R.R. Tolkien erdachte Mittelerde.

Was für Mittelerde klappt, klappt auch für den Spielplatz nebenan: Mit Städteplanung per "Minecraft" sollen auch Laien eine Möglichkeit bekommen, ihre Ideen sichtbar zu machen. Sie sollen den Planern zeigen, "wie sie ihre Städte gern in der Zukunft sähen", heißt es in der Ankündigung von Mojang, "Minecraft hat sich als perfektes Werkzeug erwiesen, diesen Prozess zu erleichtern".

Nach eigenen Angaben werden die schwedischen Spielemacher das Habitat-Programm der Uno drei Jahre lang unterstützen. Bis zum Jahr 2016 sollen 300 öffentliche Plätze aufgewertet werden. Mojang soll der Hauptsponsor des "Block by Block"-Projektes sein. Das erste Pilotprojekt in Nairobi befindet sich in der Planungsphase.

Ein vergleichbares Projekt läuft seit dem vergangenen Jahr bereits in Schweden: Dort hat sich die Spielefirma mit einer Wohnungsbaugesellschaft zu dem Projekt "Mina Kvarter" (Meine Viertel) zusammengetan. Dabei ging es zunächst darum, eine Siedlung aus schmucklosen Wohnblocks umzugestalten und junge Bürger per "Minecraft" einzubeziehen. Das lief offenbar so gut, dass jetzt auch weitere Viertel in Schweden auf dem Weg verschönert werden sollen. Bilder und Videos im Netz zeigen, wie so eine Klötzchenplanung und ihre Umsetzung aussehen. Das schwedische Projekt hat laut Mojang die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern des Uno-Programms Habitat erregt, so sei man ins Gespräch gekommen.

Für das neue Vorhaben "Block by Block" soll es auch bald eine Internetseite geben, auf der die Nachwuchsstädteplaner zeigen können, an was sie gerade arbeiten - und wie nah die Wirklichkeit den Plänen kommt. Enttäuschungen dürfte es auch hier geben, denn wie herkömmliche Pläne hat auch die Welt von "Minecraft" einen Nachteil: So eckig bekommt man die Landschaft am Ende wahrscheinlich doch nicht hin.

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