"Mother Simulator" im Test In fünf Minuten bis zum Wahnsinn

Das Trash-Spiel "Mother Simulator" will mit einem Roboter-Baby die Emotionen werdender Eltern fühlbar machen. Der Frustfaktor ist zumindest gewaltig.

Steppe Hare Studio

Von


Ich muss einfach mal die Pause-Taste drücken. Ich brauche Ruhe. Für einen Moment dringt kein grässliches Geschrei mehr aus den Lautsprechern, vergessen ist das Milchpulver auf dem Teppichboden, verdrängt die nach dem Windelfehlwurf kotbeschmierten Tapeten. Wenn ein Baby wirklich so anstrengend wäre, dann würde die Geburtenrate hierzulande sicher zurückgehen.

Aber der "Mother Simulator" ist glücklicherweise nur ein Spiel. Es geht darum, sich an einem Roboter-Baby als Mutter zu beweisen oder auch als Vater. Windeln wechseln, Schnuller suchen, Fläschchen geben: Bei diesen Aufgaben ist das Spiel ziemlich nah dran an der Realität. Mit einem Baby gibt es ja wirklich immer was zu tun.

Wie im wahren Leben geht es beim "Mother Simulator" darum, ein schreiendes Baby möglichst schnell zu beruhigen. Ein Countdown am Bildschirmrand zeigt an, wie viel Zeit man dafür noch hat. Wenn man das Fläschchen nicht schnell genug mit Milch gefüllt oder dem Baby einen dreckigen Schnuller in den Mund gesteckt hat, dann ist die Mission rasch gescheitert. Viel Frust ist garantiert.

Fotostrecke

9  Bilder
Das sind die Herausforderungen beim "Mother Simulator"

Das Elterndasein fühlt sich im "Mother Simulator" an wie in einem furchtbaren Fiebertraum. Die Steuerung ist grauenhaft, der monotone Soundtrack nervt zusätzlich zum Babygeschrei und dem grölenden Publikum im Hintergrund, das offenbar den Eindruck verstärken soll, man befinde sich in einer Game-Show oder eine Sitcom.

Das alles wird auch im weiteren Spielverlauf nicht besser, wenn die Entwickler den Zeitdruck erhöhen, weil man nun auch selbst essen und aufgrund einer Lebensmittelvergiftung ständig aufs Klo rennen muss.

Besorgt, verwirrt, ahnungslos und hilflos

Irgendwann muss man zahlreiche Countdowns im Blick behalten und die Windel durch den Flur in den Mülleimer werfen, weil zu wenig Zeit bleibt, die Wohnung zu durchqueren. Der Stress ist eine ganz gute Vorbereitung für werdende Eltern. Aber von einem echten Kind wird man zumindest irgendwann belohnt mit einem Lächeln. Beim "Mother Simulator" gibt es nur aufmunternde Sprüche und das verzerrte Gesicht eines gruseligen Robo-Babys als Dank.

Die russischen Entwickler des Steppe Hare Studios wollten mit dem Spiel nach eigenen Angaben ein "witziges Projekt über die schwierigen Wochentage von jungen Eltern" basteln. Das Spiel solle dafür sorgen, dass man sich besorgt, verwirrt, ahnungslos und hilflos fühle. Das ist ihnen gelungen.

"Mother Simulator" reiht sich ein in die Tradition der Trash-Games und spielt in einer ähnlichen Liga wie "Catlateral Damage" und "Goat Simulator". Auch wenn beim Windel-Weitwurf im Hinterhof und beim Wickeln in der zwischenzeitlich völlig grund- und sinnlos vereisten Wohnung immer mal wieder ein bisschen Spielspaß aufblitzt: Unterm Strich treiben einen Stress, Steuerung und Sound schon nach wenigen Minuten in den Wahnsinn.

Mit netten Ideen halten die Entwickler die Spieler allerdings bei Laune und lassen sie dann doch mehr Frust ertragen als zunächst gedacht.

"Mother Simulator" von Steppe Hare Studio, für Windows-PC, ca. 2 Euro

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
heinrichhaine 05.04.2018
1. zu spät
Kommt für mich zu spät, ich hätte schon einen Ehe-Simulator gebraucht
james_tiberius_kirk 06.04.2018
2. Trash-Game
"Wie im wahren Leben geht es beim "Mother Simulator" darum, ein schreiendes Baby möglichst schnell zu beruhigen. " ... dem ist eben nicht so. greetings
lupo62 07.04.2018
3. Die Realität ist schlimmer
Unsere Tochter bekam, kaum aus der Entbindungsstation entlassen, Keuchhusten. Das bedeutet: 24 Stunden Anwesenheit, und wenn das Kind anfängt zu keuchen, (ca. im Stundentakt) sofortige Präsenz und Überwachung. Meine Frau und ich haben das ganz selbstverständlich geleistet - zwei Wochen lang, 24 Stunden lang. Das Kind hat überlebt. Nach solchen höchst realen Erlebnssen kann man über einen solchen Simulator nur noch schmunzeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.