Neue Spielkonsole: Sonys Facestation

Aus New York berichtet

Sony hat seine neue Playstation vorgestellt - und dabei auf bekannte Ideen gesetzt. Anleihen bei Facebook, Xbox Live und anderswo sollen die PS4 zu einer sozial vernetzten Spielmaschine machen. Doch im Konsolenkrieg mit Microsoft dürfte das allein nicht reichen.

Am Ende hat dann doch einiges gefehlt. Sony hatte die Weltpresse nach New York geladen und in einer zweistündigen Bühnenshow das Produkt präsentiert, das den Konzern aus dem Sumpf ziehen soll: die Playstation 4, eine neue Spielkonsole, Nachfolgerin der mittlerweile fast 80 Millionen Mal verkauften PS3. Für den Konzern ist es überlebenswichtig, dass die neue Konsole ein Erfolg wird.

Die erste Enttäuschung betraf den Präsentator: Zwar war mit dem Chef der Konsolensparte, Andrew House, durchaus der richtige Mann auf der Bühne. Doch hatte man im Vorfeld damit gerechnet, dass Sony-Chef Kazuo Hirai, früher selbst Konsolenchef, sich persönlich die Ehre geben würde.

Die zweite Enttäuschung betraf das Produkt selbst: Die eigentliche Konsole bekamen die Journalisten nicht zu sehen. Einzig der neue Controller wurde gezeigt. Der sieht so aus, wie es im Vorfeld bereits durchgesickert war: Mit einem Touchpad auf der Oberseite zwischen den Analogsticks und einem beleuchteten Feld auf der Rückseite, das "den Spieler identifizierbar machen" soll. Vermutlich für die neue Stereokamera, Sonys Antwort auf Microsofts Kinect.

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Neue Spielkonsole: Die große PS4-Show
"Social" heißt: Die Nutzer werden zu Vermarktungshelfern

Neu ist am PS4-Controller außerdem ein "Share"-Button. Mit ihm sollen Spieler beispielsweise eben aufgezeichnete Spielvideos anderen zugänglich machen, in einer Art Konsolen-Social-Network, das auch von Smartphones, Tablets oder der Mobilkonsole Playstation Vita aus zugänglich sein soll. Mit "echten Namen und Fotos aus Ihrem realen sozialen Umfeld", wie der Chefarchitekt der neuen Konsole Mark Cerny erklärte. Ganz neu sind auch diese Ideen nicht: Microsofts Xbox-Live-Netzwerk lässt sich ebenfalls mit Windows-Handys oder -Tablets besuchen. Andrew House pries die Playstation 4 dennoch als revolutionär, erklärte, dass das System "einfachen Zugang unabhängig vom Ort oder dem genutzten Gerät" bieten werde.

Allerdings: Wenn Sony-Manager "social" sagen, meinen sie in etwa das gleiche wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Die eigenen Nutzer sollen zu möglichst effizienten Markenbotschaftern im eigenen Freundeskreis werden. Der "Share"-Button ist ein gutes Beispiel für diese Denkweise: Einen schöneren viralen Werbeeffekt als Millionen Spieler, die einander ständig mit Clips auf die von ihnen gerade gespielten Titel hinweisen, können sich Vermarkter kaum erträumen. Noch Facebook-hafter mutet eine weitere neue Funktion an: Spieler können ihren Freunden nicht nur über das Netzwerk beim Spielen zusehen, sondern ihnen auch helfen - mit guten Ratschlägen oder kleinen Spiel-Geschenken, vielleicht Munition oder einem nützlichen Zauberspruch. Diesen Mechanismus haben Social-Gaming-Anbieter wie Zynga erfunden.

Live-Stream vom eigenen Spielerfolg

Über eine Partnerschaft mit dem Streaming-Dienst UStream soll man seine PS4-Spielerfolge sogar live mit einem beliebig großen Publikum teilen können - angesichts des enormen Erfolgs von "Let's Play"-Videos, in denen Spieler nichts anderes tun, als kommentierend vorzuspielen, erscheint dieser Gedanke nicht allzu abwegig.

Die Schwelle zum Selbstkaufen soll dann noch weiter gesenkt werden, dank der Technologie der erst 2012 aufgekauften Spiele-Streaming-Firma Gaikai: Deren Gründer Dave Perry erklärte, man werde künftig die Gelegenheit bekommen, beliebige Spiele im Playstation Network erst einmal kostenlos anzuspielen: "Kaufen Sie nur, was Ihnen gefällt!"

Kaufen können wird man natürlich auch die neue Konsole, und zwar "zum Weihnachtsgeschäft". Hier aber kommt die dritte große Entäuschung: Der Preis der Playstation 4 wurde nicht verraten. Vielleicht will Sony abwarten, was der Rivale Microsoft vorlegt, dessen Konsolenpräsentation für die kommenden Monate erwartet wird. Konsolenhardware wird zumindest zu Beginn eines Produktzyklus in der Regel unter Wert verkauft, also mit Verlust. Die Hersteller führen ihren Konsolenkrieg nicht zuletzt über den Preis.

Offenbar soll die PS4 auch mithelfen, die Mobilkonsole Playstation Vita zu verkaufen, die derzeit nur schleppend weggeht. Vita-Besitzer sollen beispielsweise die Möglichkeit bekommen, Spiele von der Wohnzimmerkonsole gewissermaßen auf das tragbare Gerät mitzunehmen, wiederum dank Gaikai-Technologie.

Grafisch spektakuläre Exklusivtitel

Dass die PS4 technisch einiges zu bieten haben wird, zeigen nicht nur die knappen Angaben zur entwicklerfreundlichen, PC-basierten Hardware. Vorgeführt wurden nicht nur Technik-Demos, sondern auch mehrere bereits in der Entwicklung befindliche Spiele, mit teils spektakulärer Grafik. Ein neuer "Killzone"-Titel ("Shadowfall") beeindruckte mit einer Actionsequenz, in der die Spielfigur an einem Tau hängend hinter einem Fluggerät hergeschleppt wird, kreuz und quer durch den chaotisch-überfüllten Luftraum über einer Science-Fiction-Hochhausstadt. Im Exklusivtitel "Driveclub" seien sogar die Fasern des Wildleders der Autositze eigens simuliert, schwärmte ein Entwickler. Das teambasierte Rennspiel wird Autofetischisten wie die Fans der "Gran Turismo"-Reihe zweifellos erfreuen. Der neue Teil der "Infamous"-Superheldenserie bestach in erster Linie durch abwechslungsreiche Explosionen.

All diese Demonstrationen aber zeigten letztlich auch: Allzu groß ist der Sprung von PS3 zu PS4 auf den ersten Blick nicht. Schon heute sehen aktuelle Spiele oft sehr gut aus, insbesondere, wenn keine Menschen im Bild sind. Einzig eine kleine Showeinlage von Quantic-Dream-Chef David Cage ("Heavy Rain") sorgte für echte Faszination. Dabei zeigte Cage nur das Gesicht eines alten Mannes, das sich auf natürliche Weise zu bewegen schien, mit etwas müden Augen und fein gezeichneten Hautfältchen. Die Simulation war von der Liveaufnahme eines echten Gesichtes kaum zu unterscheiden. Die neue Konsole lasse technische Beschränkungen verschwinden, sagte Cage.

Sony ließ Vertreter einer ganzen Reihe der ganz großen Namen der Branche aufmarschieren, um das eigene Produkt zu preisen - auffallend war einzig das Fehlen von Electronic Arts. Ein Blizzard-Manager erklärte, das PC-Spiel "Diablo III" werde man künftig auch auf PS3 und PS4 spielen können, Capcom präsentierte einen Ritter im Kampf mit einem Drachen (Arbeitstitel "Deep Down"), Square Enix zeigte Cutscenes aus einem neuen Titel und kündigte ein "Final Fantasy" für die PS4 an, Activisions-Publishing-Chef Eric Hirshberg kam kurz auf die Bühne, um einen Verteter des "Halo"-Machers Bungie anzukündigen, der seinerseits versprach, der eigene Multiplayer-Shooter "Destiny" werde auch auf der Playstation 4 laufen.

Den lautesten Applaus des Abends aber bekam ein Titel von Ubisoft. "Watch Dogs" handelt von einem mobilen Hacker, der in einer Stadt der nahen Zukunft nicht nur Informationen über jeden Menschen in seiner Umgebung extrahieren, sondern auch Überwachungskameras, Stromkästen oder ganze U-Bahnen in seine Gewalt bringen kann. Der Titel ist schon seit der E3-Messe 2012 bekannt, und doch bekam keine andere Präsentation der gut zweistündigen Veranstaltung so viel Beifall. Am Ende geht es eben doch darum, ob die Konsolen das Publikum mit innovativen Spielideen faszinieren. "Watch Dogs" aber wird zweifellos kein Exklusivtitel für die PS4 werden, sondern auch für die neue Xbox erscheinen.

Die nächste Runde im Konsolenkrieg hat noch nicht begonnen, aber schon jetzt kommt Schwung in die derzeit arg vorhersagbare Branche. Die E3 im Juni und die Kölner Gamescom im August werden dieses Jahr wirklich interessant werden.

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insgesamt 106 Beiträge
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1. ...
jigo 21.02.2013
"Sonys Antwort auf Microsofts Kinect." Antwort auf kinect ? sowas gabs schon auf ps2 und hieß dort eyetoy
2. Facestation
predator84 21.02.2013
Konsolenkrieg mit Microsoft... kommt lieber mal klar langsam und hört auf diese Exklusivsch***e nur für eine Konsole zu produzieren. Es reicht!
3. Tschüß, Sony!
Fiedibus 21.02.2013
...die Zeit mit Dir war schön!
4. Durchgelesen, schwacher Artikel!
apfeldroid 21.02.2013
Was ist mit Online-Zwang, welche Hardware? Keine neuen Erkenntnisse. Zu wenig!
5.
NeZ 21.02.2013
Ein Controller mit Touchpad. Wie originell. Mal wieder (siehe Rumblefunktion nachträglich im PS1 Controller, Playstation Move, etc.) hat Sony schamlos von Nintendo geklaut. Sony wird damit baden gehen, wenn sie sich so zwischen den Casual-Nintendo- und den Pro-Gamer-XBox-Stuhl setzen.
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