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Classic Mini SNES im Test

Nintendos neues Miniatur-Wunderland

Sie wollen ein Stück Gaming-Geschichte nachholen? Oder Erinnerungen auffrischen? Nintendos Mini-SNES bringt die Pixelwelten der Neunzigerjahre zurück. Doch ohne Vorbestellung könnte die Nostalgie teuer werden.

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Mittwoch, 27.09.2017   16:01 Uhr

Vor gut einem Jahr gelang Nintendo ein Überraschungserfolg: Eine miniaturisierte Version des NES - der in den Achtzigerjahren marktbeherrschenden Nintendo-Konsole - kam so gut an, dass sich viele Gamer bis heute ärgern, keins der neuen Geräte voller alter Spiele im Regal stehen zu haben. Diesen Freitag nun geht Nintendos Nostalgie-Trip in die zweite Runde: mit einer Neuauflage des NES-Nachfolgers, des Super Nintendo (SNES).

Auch das zweite Gerät der sogenannten Nintendo-Classic-Mini-Reihe ist handtellergroß und nicht fähig, die Module von früher zu verwerten. Dafür stecken bereits ab Werk 21 vollwertige Spiele in dem grauen Kästchen. Viele davon sind echte Klassiker, einige waren europäischen Spielern in den Neunzigerjahren vorenthalten worden. Und ein Spiel wird gar zum ersten Mal veröffentlicht.

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Mini-SNES, das wir schon seit einiger Zeit ausprobieren durften.

Woher bekommt man die Mini-Konsole?

Wie bereits beim Mini-NES dürfte es schwer werden, das neue SNES im Handel zu entdecken. Die nachgefragten Stückzahlen übersteigen die ausgelieferten erheblich. Wer nicht vorbestellt hat, geht daher mit hoher Wahrscheinlichkeit leer aus - wenigstens zum normalen Preis von rund hundert Euro. Auf den Internetmarktplätzen werden sich derweil vermutlich jede Menge neue, jedoch deutlich überteuerte Geräte finden lassen.

Wer warten kann, sollte diese Angebote von Wiederverkäufern ignorieren: Nintendo hat Mitte September bekannt gegeben, dass man 2018 weitere Mini-SNES nach Europa liefern werde und für den Sommer auch Mini-NES-Nachschub plant. Zudem will das Unternehmen, das von der Popularität der ersten Retro-Konsole noch überrascht wurde, diesmal von vornherein mehr Einheiten produzieren. Eine Nachlieferung vor Weihnachten liegt also im Bereich des Möglichen.

Wie unterscheiden sich Mini-SNES und Mini-NES?

Mini-SNES und Mini-NES emulieren die Hardware der alten Konsolen und verwenden den Programmcode der Originalspiele, der im internen Flash-Speicher des Geräts abgelegt ist. Mit 30 solcher Spiele-ROMs wurde das kleine NES geliefert, im Mini-SNES sind es neun weniger.

Dafür wird das neue Gerät statt mit nur einem von vornherein mit zwei Controllern ausgeliefert. Diese gleichen den SNES-Originalen bis auf die Anschlüsse (die denen der Wii-Fernbedienung entsprechen) und die Länge der Kabel. Statt 2,30 Meter sind die Kabel zwar nur 1,30 Meter lang, damit übertreffen sie aber die absurd kurzen Mini-NES-Strippen um rund 55 cm.

Wie beim Vorgänger kommt das knackscharfe Bild des Mini-SNES via HDMI auf moderne Displays. Mit Strom wird es über USB-Kabel (Typ A auf Micro-B) versorgt, wobei ein entsprechendes USB-Netzteil wie schon beim Mini-NES nicht beiliegt.

Welche Spiele befinden sich auf dem Gerät?

Als SNES-Mutterfirma steuert Nintendo selbst am meisten Highlights bei, von der makellosen Hüpferei "Super Mario World" über die legendäre Alien-Exkursion "Super Metroid" bis zum wegweisenden Zelda-Abenteuer "A Link to the Past". Die japanischen Videospielveteranen von Capcom, Square und Konami liefern sieben weitere Klassiker.

Ehemalige Besitzer des PAL-SNES freuen sich über zwei Besonderheiten: Zum einen sind drei Spiele enthalten, die damals nicht nach Europa kamen (mehr zu den einzelnen Titeln in der Bildergalerie). Zum anderen ist mit "Starfox 2" ein Spiel im Angebot, das Mitte der Neunzigerjahre zwar entwickelt, aber wegen der 3D-kompetenteren Konkurrenten von Sony und Sega nicht mehr veröffentlicht wurde. Achtung: Alle Spiele liegen nur in ihrer englischen Sprachversion vor.

Welche zusätzlichen Funktionen bietet die Hardware?

Die Menüs und Funktionen des SNES Classic Mini zeichnen sich durch Übersichtlichkeit aus, die einzig relevante Einstellung betrifft die Grafikdarstellung. Drei Bildmodi stehen zur Wahl: das Originalformat (256x224 Pixel), eine leicht gestreckte 4:3-Darstellung sowie der CRT-Modus, in dem die Rasterlinien alter Röhrenbildschirme simuliert werden.

Die Spiele lassen sich nach einigen Attributen wie Erscheinungsjahr oder Nutzungshäufigkeit sortieren, und je Titel gibt es vier Speicherstellen, die mit einem Spielstand belegt werden können. Hilfreich: Eine Rückspulfunktion erlaubt das Überwinden kniffliger Stellen. Zurück ins Menü gelangt man durchs Drücken des Reset-Knopfs der Konsole.

Für wen lohnt sich die Anschaffung?

Während etliche der kruden 8-Bit-Spiele des kleinen NES der nostalgischen Verbrämung bedürfen, bietet das Mini-SNES auch Spielern ohne Retro-Faible viele Stunden Spaß. Auf ihre Kosten kommen vornehmlich Geschicklichkeitsspiel- und Rollenspielfans, aber auch für gesellige Zocker lohnt sich die SNES-Miniatur - allein wegen "Super Mario Kart" und "Street Fighter II".

Und zweifellos ist das neue Nintendo-Gerät eine unschlagbar bequeme Methode, auf einen Streich gleich ein ganzes Dutzend Meilensteine der Videospielgeschichte kennen- und vielleicht lieben zu lernen.

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