Nintendo-Mastermind Miyamoto: "Wir denken über den Wii-Nachfolger nach"

Shigeru Miyamoto ist der Vater von Super Mario, Prinzessin Zelda, und dem Game-Gorilla Donkey Kong. Für Nintendo entwickelt er seit 30 Jahren Spiele. Mit SPIEGEL ONLINE sprach die Legende über einen Nachfolger für die Wii-Konsole, über 3-D-Spiele - und die Liebe zu seinen Geschöpfen.

Miyamoto-Schöpfung Mario: "Mancher vergleicht ihn mit Micky Maus, aber das passt nicht" Zur Großansicht
AP/ Nintendo

Miyamoto-Schöpfung Mario: "Mancher vergleicht ihn mit Micky Maus, aber das passt nicht"

SPIEGEL ONLINE: Nintendo hat die Branche mit der 3-D-Mobilkonsole 3DS überrascht. Aber sind 3-D-Spiele für unterwegs mehr als ein Gimmick?

Shigeru Miyamoto: Wir verfolgen die Entwicklung in Sachen 3D bei Nintendo schon seit über 20 Jahren. Jetzt können wir erstmals eine 3-D-Konsole herstellen, für die man keine Spezialbrille braucht. Wir haben lange darüber nachgedacht, wie man das in Spielen sinnvoll nutzen kann. Ein 3-D-Spiel wie "Super Mario 64" zum Beispiel: Wenn das auf einem normalen Bildschirm läuft, haben viele Spieler Schwierigkeiten, den richtigen Punkt zum Abspringen zu finden um auf den nächsten Klotz zu hüpfen. Mit einem 3-D-Bild, mit Tiefeneindruck, wird das viel einfacher.

SPIEGEL ONLINE: Analysten zufolge verkauft sich die Wii-Konsole nicht mehr ganz so gut, auch weil sie keine HD-Bilder produziert. Bislang war Bewegungssteuerung ihr Haupt-Unterscheidungsmerkmal gegenüber den grafikmächtigeren Konsolen von Sony und Microsoft, jetzt haben beide Konkurrenten auch Bewegungssteuerungs-Systeme im Programm. Wird es nicht Zeit, über einen Wii-Nachfolger nachzudenken?

Miyamoto: Viele Menschen haben immer noch viel Spaß mit der Wii, es kommen immer noch viele gute Spiele dafür heraus. Aber wir denken schon seit der Markteinführung der Konsole über einen Nachfolger nach. Wir beobachten den Markt sehr genau. Wenn die Zeit kommt, werden wir einen Nachfolger ankündigen. Aber das wird nicht sehr bald sein.

SPIEGEL ONLINE: Wird das dann eine 3-D-Wii?

Miyamoto: Ich glaube nicht, dass das unser nächster Schritt sein wird. Wii ist ja unter anderem deshalb so erfolgreich, weil viele Leute noch keine HDTV-Geräte haben und es zu schätzen wissen, was die Wii bietet. Der Nintendo 3DS ist möglich, weil er eine tragbare Konsole ist und 3D darauf ohne Brille funktioniert. Fürs Wohnzimmer bräuchte man einen 3-D-Fernseher und es wird noch dauern, bevor genügend Haushalte 3-D-TVs haben, dass das für das Thema Gaming ins Gewicht fällt.

SPIEGEL ONLINE: Befriedigt es sie, dass die Konkurrenz Ihnen nun in Sachen Bewegungssteuerung hinterherläuft?

Miyamoto: Von Befriedigung würde ich nicht reden. Ich denke eher: "Seht Ihr, ich wusste, das gefällt Euch." Ich bin immer gespannt, wie die Menschen auf Spiele reagieren werden. Deshalb freue ich mich darauf, sie das neue "Zelda" spielen zu sehen, weil wir die Steuerung stark überarbeitet haben.

SPIEGEL ONLINE: Mit diesem "Zelda"-Titel gehen Sie noch weiter in Richtung Bewegungssteuerung. Die meisten Aktionen werden nicht mehr durch Tastendrücke ausgelöst, sondern durch Gesten. Glauben Sie nicht, dass viele Spieler trotz allem lieber auf dem Sofa sitzen und nicht stehen wollen, besonders bei einem langen Spiel wie "Zelda"?

Miyamoto: Man kann "Zelda" auch im Sitzen spielen. Niemand wird gezwungen, zu stehen. Wenn ich bei der Arbeit spiele, dann in der Regel in meinem Bürostuhl. Aber wenn Sie aufstehen, werden Sie eine völlig andere Spielerfahrung erleben, stärker in die Spielwelt eintauchen. Sie werden sich fühlen, als ob sie wirklich einen Schild und ein Schwert in den Händen halten. Sein Schwert gen Himmel zu richten ist im Spiel eine sehr wichtige Aktion.

SPIEGEL ONLINE: Mario taucht jetzt seit 30 Jahren in Spielen auf, Link aus "Zelda" ist auch schon ganz schön alt und viele andere Spiele, die sie bei der E3 in Los Angeles präsentiert haben, basieren auch auf alten Spielfiguren. Ist es nicht Zeit für ein paar neue?

Miyamoto: Wir denken immer über neue Figuren nach und wir haben auch viele entwickelt. Pikmin zum Beispiel, oder die Miis auf der Wii. Das sind zwar von den Spielern gestaltete Avatare, aber sie sind deutlich als Nintendo-Charaktere zu erkennen und wir nutzen sie in Titeln wie "Wii Party". Was Mario angeht: Er ist deshalb toll, weil er wie eine leere Leinwand ist. Mancher vergleicht ihn mit Micky Maus, aber das passt nicht. Micky ist ein voll definierter Charakter, Mario nicht. Wir wissen nicht, was er gern isst, was seine Lieblingsfarbe ist. Für Spiele ist das toll, weil er einfach alles tun kann. Ohne Raumanzug durchs Weltall fliegen, jede beliebe Sportart ausüben. Behalten werden wir ihn auch, weil man sehr einfach neue Spiele mit ihm gestalten kann.

SPIEGEL ONLINE: Viele der alten Nintendo-Figuren haben Sie persönlich erfunden, heute tauchen sie in Spielen auf, die in Studios in aller Welt entstehen. Wie fühlen Sie sich, wenn ihre Schöpfungen von anderen übernommen werden?

Miyamoto: Ein bisschen, als ob die eigenen Kinder das Haus verlasen. Aber ich weiß ja, bei wem sie einziehen und glauben Sie mir: Ich sehe mir sehr genau an, was sie machen. Sie wissen, dass ich immer für sie da bin.

SPIEGEL ONLINE: Bei der E3 2009 haben sie einen "Vitality Sensor" präsentiert, der die Pulsfrequenz und anderes messen sollte. Seitdem hat man nichts mehr davon gehört …

Miyamoto: Der Vitality Sensor ist noch in der Entwicklung. Die E3 ist nicht der richtige Ort dafür, er braucht Ruhe und Frieden, damit man versteht, worum es dabei geht. Aber wir werden mehr von dem Sensor zeigen, wenn es soweit ist.

Das Interview führte Carsten Görig

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1. ...
kästchen 14.07.2010
Dank Nintendo und insbesondere Miyamoto wurde die Videospielindustrie damals wiederbelebt und die 3 "Grossen" waren und sind immer noch für viele "treue" Begleiter in der Kindheit. Nintendospiele hatten schon immer eine eigene Qualität und sind vom Inhalt, der Darbietung und auch der Innovation her anderen Spiele - und Konsolenherstellern überlegen. Und ich hatte alle Konsolen der ersten 3D Generation (N64, Playstation 1), der 2 (Gamecube, Xbox, Playstation 2) und natürlich auch einen PC und was insbesondere in der letzten Zeit beim PC an verbuggten Spielen von sehr grossen Studios rauskommt ist eine Frechheit, da wird eindeutig am QA gespart, auf eine schnelle Veröffentlichung gedrückt weil "Patchen geht ja immer"... :-(
2. Nintendo
sk0pe 14.07.2010
Zitat von kästchen[...]Und ich hatte alle Konsolen der ersten 3D Generation (N64, Playstation 1), der 2 (Gamecube, Xbox, Playstation 2) und natürlich auch einen PC [...]
Du hattest also _alle_ ersten 3D-Konsolen, nur lese ich nix vom Sega Saturn oder dem Dreamcast. Sega und Nintendo waren es nämlich, die aus dem Videospielgeschäft das gemacht haben was es heute ist. Besonders in der "16-Bit" Zeit haben sich beide mit Innovationen übertroffen und immer bessere Spiele produziert. Nintendo macht das heute noch und geht seinen eigenen Weg. Ich mag Nintendo sehr, aus nostalgischen aber auch technischen Gründen. Dort wird sich Zeit genommen und die Spiele genauso wie die Konsolen sind immer grundsolide und nicht ganz so mainstreamig wie die sich selbst eingekauften Hersteller Sony oder Microsoft. Ich hoffe Nintendo wird uns auch in Zukunft mit extravaganten Ideen immerwieder überraschen.
3. Nicht zu lange denken!
AlbertWesker 14.07.2010
Ich hätte aber schon mal gerne eine neue Konsole von Nintendo zu Weihnachten 2011/12:-) Am besten mit den MediaCenter Eigenschaften der PS3.
4. ...
kästchen 14.07.2010
Zitat von sk0peDu hattest also _alle_ ersten 3D-Konsolen, nur lese ich nix vom Sega Saturn oder dem Dreamcast. Sega und Nintendo waren es nämlich, die aus dem Videospielgeschäft das gemacht haben was es heute ist. Besonders in der "16-Bit" Zeit haben sich beide mit Innovationen übertroffen und immer .....
Okok, fast alle:-) Dafür einen Super Nintendo ;-) Die Dreamcast wurde ja nie so richtig ausgereizt, das beste Spiel dafür war damals noch Shenmue und Sega gab dann bald das Geschäft mit den Konsolen auf. Aber auch mit der technischen Quali hast du Recht. Von Ausfällen die die ganze Palette betreffen habe ich bei der Wii nichts gehört anders als bei der Xbox mit dem Ring of Death oder auch bei der Playstation 3, aber das muss nichts heissen, da ich nur noch eine Wii habe und leider nicht mehr soviel spielen kann wie ich gerne würde:-)
5. Mediacenter nützt Nintendo nix
karaokefreak01 14.07.2010
Zitat von AlbertWeskerIch hätte aber schon mal gerne eine neue Konsole von Nintendo zu Weihnachten 2011/12:-) Am besten mit den MediaCenter Eigenschaften der PS3.
naja, ich glaube nicht, dass das irgendwas bringt. Ps3 und Xbox 360 können beide alle möglichen Vide- und Audio-Formate abspielen, aber die wenigsten nutzen es, und noch weniger sehen das als Kaufgrund. Bei der PS3 ist es ja auch weniger das Mediacenter als das Blu Ray Laufwerk, das den Ausschlag gibt, schlie0lich schenken sich X360 und PS3 bei musik- und Filmmedien sonst nix. Genauergesagt ist die Xbox 360 sogar kompatibler wenn es um Divx Filme oder einfach nur um Foto-Kameras geht (die PS3 verweigert das Auslesen einiger Kameras, die X360 nimmt anstandslos alles, was über USB geht). Trotzdem habe ich noch nie jemanden gesehen, der das wirklich als Kaufgrund gesehen hätte, Dene auch, dass Nintendo vor 2012 keine AMbitionen hegen wird, etwas neues einzuführen. Sony und Microsoft haben bvereits angekündigt, ihre Konsolen sollen bis 2015 laufen, da wäre es wohl sehr ungeschickt von Nintendo, den Schritt zur neuen Hardware zu früh zu wagen.
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Shigeru Miyamoto, ist einer der bedeutendsten Spieledesigner der Welt. Mit Spielen wie 'Donkey Kong', 'The Legend of Zelda' oder der 'Super Mario'-Serie hat er Nintendo über inzwischen mehr als drei Jahrzehnte zu einem der größten Videospielkonzerne der Welt gemacht. Miyamoto ist heute Leiter der Entwicklungsabteilung bei Nintendo.


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