Von Carsten Görig
Nintendo Land
"Nintendo Land" ist ein Spiel, besser gesagt eine Sammlung von Spielen, die man entweder allein oder mit Freunden spielen kann. Der Name ist Programm: Wie Disneyland oder Legoland ist "Nintendo Land" ein Vergnügungspark mit verschiedenen Attraktionen. Besser gesagt: ein Vergnügungspark voller Spiele, die oft auf bekannten Nintendo-Marken basieren.
"Nintendo Land" ist aber noch etwas anderes: Ein Erklärungsversuch für die Wii U. Jedes Minispiel zeigt eine andere Eigenschaft der neuen Konsole und des neuen Controllers. So werden in "Takamaru's Ninja Castle" Wurfsterne auf den Gegner geworfen, indem man mit den Fingern über den Touchscreen wischt. In "Donkey Kong's Crash Course" steuert man den Affen in einem Wagen über ein Gerüstlabyrinth indem man das Gamepad neigt und in "The Legend of Zelda: Battle Quest" schießt man vom Gamepad aus Pfeile ab.
Besonders interessant sind die Multiplayer-Spiele. Während das Gamepad in vielen der Einzelspieler-Games noch wie ein Gimmick wirkt, das mit Leben gefüllt werden muss, macht es hier richtig Spaß. Wenn ein Spieler auf dem Gamepad-Bildschirm abhaut und die anderen ihn auf dem Fernseher suchen müssen oder ein Spieler von einem Raumschiff aus von oben auf die anderen schießt, die ihn wiederum von unten sehen. Wer mit einem Spiel das volle Potential der neuen Konsole erahnen möchte, der kommt an "Nintendo Land" nicht vorbei.
"Nintendo Land" von Nintendo, ca. 60 Euro (im Premiumpack der Wii U bereits enthalten); USK: Ab 6 Jahren
Zombie U
Auf einmal sind die Zombies da. London wird von ihnen überrannt, sie sind in der U-Bahn, auf den Straßen und auch im Buckingham-Palace. Überlebende gibt es nur wenige. Einen davon übernehmen die Spieler. Beziehungsweise: Sie übernehmen eine ganze Reihe von Protagonisten und lenken sie bis zu ihrem Tod. Der kommt oft. Permadeath heißt das. Wenn eine Spielfigur stirbt, ist sie weg. Für immer. Die Spieler übernehmen dann die nächste Spielfigur und müssen den zum Zombie gewordenen Vorgänger finden und töten.
"ZombieU" ist ein schwieriges Spiel. Es erfordert hohe Konzentration und starke Nerven, manchmal kann die erste Begegnung mit einem Zombie die letzte sein. "ZombieU" ist ein Spiel für Erwachsene mit viel Geduld. Das Gamepad wird dabei zur Taschenlampe, zum Zahlenschloss oder zum Rucksack. So wird der ohnehin langsame Spielfluss weiter gebremst, was vor allem in kritischen Situationen für Spannung sorgt. Schafft man es, die Tür zu öffnen, bevor man einen Zombie am Hals hat oder nicht? Nur geeignet für Spieler, die eine Herausforderung suchen und keine Probleme mit expliziter Gewaltdarstellung haben.
"ZombieU" von Ubisoft, ca. 70 Euro; USK: Ab 18 Jahren
New Super Mario Bros. U
Mario darf nicht fehlen. Nicht auf einer neuen Nintendo-Konsole. "New Super Mario Bros. U" ist gleichzeitig neu und alt. Die Elemente sind bekannt: Mario hüpft durch die Level, springt auf Schildkröten und andere Wesen und muss dabei möglichst viel Münzen aufsammeln. Das ist wenig überraschend, aber immer wieder gut. Auch weil es nur wenige Spiele gibt, die so perfekt und in sich stimmig sind.
"New Super Mario Bros. U" ist das erste Mario-Spiel mit hoher Auflösung. Das sieht auf dem Fernseher brillant aus, doch ertappt man sich immer wieder dabei, beim Spielen eher auf den Bildschirm des Pad-Controllers zu schauen als auf den Fernseher. Eine Gefahr des Pads, dass es selbst zur Spielekonsole mit ausgelagertem Laufwerk wird.
Gut daran: Will jemand anders Fernsehen schauen, kann man den Fernseher freigeben. Wirklich gebraucht wird der Pad-Controller nur dann, wenn man zu zweit spielt. Wer ihn hat, kann seinem Mitspieler an der alt bekannten Wiimote bunte Steine in die Wolken malen. So kann der höher springen. Oder man bewahrt ihn mit einem schnellen Strich vor dem Absturz. "New Super Mario Bros. U" ist ein tolles Spiel, das aber nur einen sehr kleinen Teil der Fähigkeiten des neuen Gamepads nutzt.
"New Super Mario Bros. U" von Nintendo, ca. 60 Euro; USK: Ohne Altersbeschränkung
Batman: Arkham City: Armoured Edition
Düster, packend und eindringlich: "Batman: Arkham City" ist eines der besten Spiele des letzten Jahres. Die "Armoured Edition" ist eine, an die Fähigkeiten der Wii U angepasste und mit neuen Elementen versehene, Neuauflage. So sind große Teile des Menüs auf den Bildschirm des Pads ausgelagert worden. Waffen und Hilfsmittel können direkt am Pad ausgewählt werden. Darunter zum Beispiel die Batclaw, eine Kralle an einem Seil, mit der entfernte Türen geöffnet werden können. Oder Baterang, ein Mini-Bumerang zum geräuschlosen Ausschalten von Feinden.
In bestimmten Momenten wird das Gamepad zum Scanner, mit dem Batman nach Hinweisen an Tatorten suchen kann. Einschlaglöcher von Kugeln oder Fingerabdrücke zum Beispiel. Auch Butler Alfred meldet sich per Funk auf dem Gamepad, was die Idee des Gamepads als Hilfsmittel für Batman unterstreicht.
Allerdings zeigt sich auch, dass das Wii U-Gamepad Fluch und Segen zugleich ist. Natürlich sind die ausgelagerten Menü-Teile praktisch, aber sie lenken immer wieder vom eigentlichen Spiel ab, unterbrechen es oft und stören so immer wieder das Spielerlebnis. Ein anderer Nachteil des Gamepads wird nach einigem Spielen schmerzhaft deutlich: Die Anordnung von rechtem Steuerkreuz und den darunter liegenden Knöpfen ist alles andere als optimal. Entweder greift man um, wenn man wechseln will oder man krallt den Daumen zusammen. Ersteres geht auf Kosten der Geschwindigkeit, letzteres führt früher oder später zum Krampf im Daumen. Ein Problem, das aber die meisten Wii-U-Spiele haben.
"Batman: Arkham City: Armoured Edition" von Warner, ca. 60 Euro; USK: Ab 16 Jahren
Assassin's Creed III
"Assassin's Creed III" ist fraglos ein gutes Spiel. Opulent inszeniert, greift es den amerikanischen Freiheitskampf aus Sicht eines Indianers auf und kombiniert das Thema mit verschiedenen Verschwörungstheorien. Die Umsetzung für die Wii U ist optisch tadellos. Unterschiede in der Grafik sind nicht zu erkennen. Die größten Änderungen sind durch das Gamepad entstanden, was nicht immer konsistent ist. So sehen Spieler die Zwischensequenzen auf Gamepad und Fernseher gleichzeitig, was irritiert.
Sonst dient es hauptsächlich als Karte und ausgelagertes Menü. Wer gedacht hat, das würde Vorteile bringen, sieht sich getäuscht. Der Blickwechsel von Gamepad auf Fernseher irritiert und reißt eher aus dem Spielfluss als dass er unterstützt. Bald schaut man nur noch in Ausnahmefällen auf das Pad. Oder dann, wenn man das Spiel komplett auf den kleinen Bildschirm holt, was gut funktioniert.
"Assassin's Creed III" von Ubisoft, ca. 70 Euro; USK: Ab 16 Jahren
Weitere Spiele
Zum Start der Wii U gibt es 23 Spiele. Darunter sind allerdings einige schnell produzierte Mini-Spielesammlungen, die sich trotz günstiger Preise nicht lohnen, da sie nur begrenzt Spaß machen. Einzig "Rabbidland", ein Ableger der "Raving Rabbids"-Reihe, verspricht im Multiplayer-Modus Spaß zu machen. Als Einzelspieler verliert man den allerdings schnell die Lust, da man nach jedem Spiel die langsamen Züge aller Computergegner anschauen muss, bevor man selbst eine halbe Minute spielen kann. (Ubisoft, ca. 50 Euro, ohne Altersbeschränkung)
Für erfahrene Spieler gibt es zum Start noch folgende Spiele:
Eine der Stärken der Wii-Konsole waren bisher Spiele und Software, die sich von üblichen Games abhoben. Tanzspiele zum Beispiel oder auch Programme, mit denen man trainieren kann.
Für Wii U gibt es zum Start auch ein paar Titel in dieser Richtung:
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