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Playstation-Spiel "P.T.": Horror, wie er sein sollte

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Gruselexperiment für die Playstation 4: So sieht "P.T." aus Fotos
7780s

Wer "P.T." spielt, fühlt sich wie in einer Dauerschleife - und mit jedem Durchgang steigert sich der Grusel. Doch das kurze Horrorspiel macht nicht nur Angst. Es macht auch Lust auf das neue Projekt einer Entwicklerlegende.

Ich wache auf, liege auf dem Boden, eine Kakerlake wandert vor meinen Augen herum. Ich stehe auf, öffne eine Tür, gehe einen Gang entlang. Rechts in einer Nische steht ein Wecker mit Digitalanzeige. 23:59 Uhr. Auf der linken Seite eine Art Schrein in einer Nische, auf ihm stehen Fotos. Langsam werde ich auf das Geräusch eines Radios aufmerksam. Verrauscht erzählt ein Nachrichtensprecher von einem Familiendrama, von einem Vater, der seine Familie ermordet hat. Immer wieder höre ich das, in einer Dauerschleife, wie sie auch dieses Spiel ist.

Wieder und wieder werde ich durch diesen Gang gehen. Ihn durch eine Tür verlassen, zur anderen wieder hereinkommen. Und immer wieder wird sich etwas verändert haben. Und mit jedem Durchgang steigert sich der Grusel, die Angst.

"P.T." ist eines der spannendsten Spielexperimente des Jahres. Dabei präsentiert es sich als Demoversion, als Ausblick auf ein Spiel. Nur dass es letzteres in diesem Fall nie geben wird. "P.T." - so wissen viele Spieler seit der Gamescom letzte Woche - ist ein Teaser, keine Demo. Ein kurzes Spiel, das Appetit machen soll auf eines der interessantesten Projekte der nächsten Jahre. Entwicklerlegende Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") und Regisseur Guillermo del Toro wollen den Klassiker "Silent Hill" als "Silent Hills" neu erfinden. "P.T." ist ein Testlauf ohne Bezug auf das tatsächliche Spiel, das sagt zumindest Kojima, der aber gern mal Nebelkerzen zündet.

Ich bin schutzlos

Ich höre ein Rumpeln über mir. Schaue nach oben, wo eine Deckenlampe wackelt, die dabei nervtötend quietscht. Regenwasser läuft über die Scheiben, die Bilder an den Wänden sind verblichen. Ich kann kaum etwas machen. Nur durch den Gang gehen, mir einzelne Gegenstände in der Vergrößerung ansehen, einmal sogar auf einen Knopf drücken, um eine Aktion auszuführen. Ich habe keine Waffen, kann mich nicht wehren, bin dem Spiel ausgesetzt. Schutzlos.

Die ersten "Silent Hill"-Spiele - vor allem der grandiose zweite Teil - waren Spiele, in denen der Horror nicht nur durch das Offensichtliche erzeugt wurde. Die rostigen Wände, die verqueren Monster und die ausgestorbenen, nebligen Straßen waren nur Kulisse für subtileren Grusel. Ein Vorbote des Grauens, der bald im Kopf der Spieler entstehen würde.

Es war nie klar, ob die Monster wirklich da waren oder nur im Kopf des Protagonisten entstanden. Ob dieser eine Schuld durch Wahnvorstellungen zu übertünchen versuchte oder, ob er tatsächlich in eine Albtraumwelt geraten ist. Und je länger man auf tatsächlich gruselige Szenen wartete, desto intensiver wurde das Spiel. Das statische Rauschen, die Ahnung, dass da etwas im Schatten lauern könnte. Das alles war "Silent Hill", bevor Konami die Reihe an Studios gab, die nur die Oberfläche, aber nicht die Seele nachempfinden konnten. Sie machten die letzten Teile zu wenig mehr als einem Fanservice.

Zweimal fürchterlich erschrocken

Zweimal bin ich beim Spielen von "P.T." zusammengezuckt, habe mich fürchterlich erschrocken. Doch den Großteil der Spielzeit habe ich ängstlich vor dem Fernseher gesessen. Ab und zu musste ich aus dem Zimmer gehen, um die Spannung abzubauen, um durchzuatmen. Um über die Rätsel nachzudenken, die das Spiel stellt. In jedem Durchgang muss die erneute Öffnung des Ausgangs verdient werden. Leicht ist das nicht immer. Im Netz wird bereits viel über das richtige Vorgehen diskutiert.

"P.T." ist die perfekte Essenz der ersten "Silent Hill"-Spiele. Es schafft in einem eigentlich vertrauten Raum atmosphärische Störungen. Es baut ein Unwohlsein langsam zu etwas unerträglich Spannendem aus, ohne dabei seine Methoden offen zu legen. Es greift auf einer unbewussten Ebene an und wirkt deshalb so gut. Und schafft es, trotz limitierten Räumlichkeiten über fast zwei Stunden hinweg spannend und unbehaglich zu bleiben.

Auch wenn "P.T." selbst nichts mit dem "Silent Hills"-Projekt zu tun haben soll, zeigt es doch vor allem eines: "Silent Hill" scheint wieder in den Händen von Leuten zu sein, die sehr gut wissen, wie Horror funktioniert. Allein das lässt mich auf das Spiel freuen. Und noch weiter am letzten Rätsel von "P.T." knobeln.


"P.T." von 7780s, Download über Playstation 4, zurzeit nur als Playstation-Plus-Abonnent möglich (14 Tage kostenloses Probe-Abo ist erhältlich); USK: Ab 18 Jahren

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Let's Play von Gronkh
candoom 22.08.2014
Das Let's Play von Gronkh, zu diesem Teaser, habe ich gefeiert. Unfassbar! :)
2. Gähn
archback 22.08.2014
---Zitat--- Ich kann kaum etwas machen. Nur durch den Gang gehen, ...., einmal sogar auf einen Knopf drücken, ---Zitatende--- Huch, eine schräge Tür, ein schmutziges Badezimmer, mich gruselts jetzt schon...
3. Als Tipp
philipp_jay 22.08.2014
mit einem Account der z.B. ihn den USA angemeldet ist kann man das Spiel auch ohne Plus Abo beziehen. Einfach einen neuen Benutzer anlegen und eine Adresse in den USA angeben.
4. Super
herr minister 22.08.2014
Ja, selten so ein intensives Gefühl beim Spielen gehabt, verdammt gruselig und das ohne Splatter. Leider ist es gegen Ende dann sehr nervig weil man zur Lösung des letzten Rätsels auf den Zufall angewiesen ist, der sich manchmal wohl aber lange nicht einstellt.
5. P.T. steht doch für Playable Teaser
molesman 22.08.2014
...das Spiel selbst oder die Demo ist angeblich durchaus ein Preview für den nächsten Silent Hill Horror. Das das Spiel P.T. heißt ist mir neu. Aber ich stimme dem Autor zu, ein absolut furchterregendes Szenario, wer es nicht glaubt soll sich mal bei youtube das Video ansehen bei dem ein Gamer einen auf diesen Trip mitnimmt und es durchspielt.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.




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