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Muslimischer Name: Schwarze Liste von US-Behörde - Onlinespiel sperrt Gamer aus

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Screenshot von Khan-Tweet: "Es hat wehgetan"

Ein Amerikaner wollte sich registrieren, um ein neues Onlinespiel zu testen. Doch daraus wurde nichts - denn sein muslimisch klingender Name steht offenbar auf einer schwarzen Liste der US-Behörden.

"Ich bin begeisterter Gamer", sagt Muhammad Zakir Khan von sich selbst. Khan wohnt in Florida in den USA und ist Assistenzprofessor am Broward College. Seine Freude an Computerspielen wurde Khan am Sonntag allerdings gehörig vermiest.

Khan hatte versucht, sich für eine Beta-Version des Spiels "Paragon" von Entwicklerstudio Epic Games anzumelden. Er scheiterte. Schuld daran, vermutet er: sein muslimischer Name. "Die Erzeugung Ihres Benutzerkontos wurde blockiert" sei plötzlich in roten Buchstaben auf dem Bildschirm vor Khan erschienen, als er seinen Namen auf der Registrierungs-Webseite eingegeben habe.

Zur Begründung hieß es in der Fehlermeldung weiter: Sein Name tauche in der Sperrliste einer US-Behörde auf. "Ich habe mich darauf gefreut, mich bei Paragon Beta anzumelden und war schockiert. Zuerst dachte ich, ich sei gehackt worden", sagt Khan auf Anfrage. "Ich fühlte mich diskriminiert und nicht wie ein Mensch behandelt. Es hat wehgetan, das zu lesen. Dabei spiele ich, um mich zu entspannen."

"Ich bin kein Terrorist", twitterte Khan wütend

Laut der Fehlermeldung steht Khans Name in der Liste für "speziell gekennzeichnete Staatsangehörige" ("specially designated nationals") des amerikanischen Amts für die Kontrolle von Auslandsvermögen. Durch die Liste werden höchst unterschiedliche Sanktionen gegen verdächtige Personen durchgesetzt, die auf der Liste stehen. Das können zum Beispiel Exportbeschränkungen sein. Im Kern geht es darum, kriminelle Tätigkeiten in den USA zu erschweren.

Khan twitterte aus der Wut heraus einen Screenshot der Ablehnung und schrieb: "Mein Name ist Khan, und ich bin kein Terrorist." Denn Khan vermutet, dass er wegen seines muslimischen Namens auf der Liste gelandet ist. "Wir amerikanischen Muslime werden diskriminiert. Die Sperre hat sich so angefühlt, als würde ich nun auch noch über ein Computerspiel diskriminiert."

Woher kennt der Game-Hersteller die Behördenliste?

Wie aber steht die Behördenliste in Verbindung mit "Paragon"? Das klärte Tim Sweeney, Gründer von Epic Games, in seiner Reaktion auf Khans Tweet. Die Liste habe seine Firma von den US-Behörden übernommen. Eigentlich sei sie von Epic Games nie dafür vorgesehen gewesen, bei einem Konsumartikel zum Einsatz zu kommen. Stattdessen hätte die Namensliste als Filter dienen sollen für Unreal Engine 4, ein Entwicklerwerkzeug zur Herstellung von Videospielen. Sweeney entschuldigte sich bei Khan für den Fehler und schrieb: "Das ist schlechter Code fürs Filtern." Lediglich der Name des Nutzers werde mit den Namen auf der Liste abgeglichen.

Laut Khan hat Sweeney tatsächlich umgehend für Abhilfe gesorgt. "Sie haben das System schon repariert. Das Problem mit meinem Namen gibt es nicht mehr", sagt er. Offenbar wird die schwarze Liste nun nicht mehr verwendet, um Tester beim Login zu überprüfen. Der Vorfall habe ihn trotzdem nachdenklich gemacht, so Khan. "Auch die Gaming-Industrie muss transparent machen, auf welchen Wegen sie mit der Regierung zusammenarbeitet. Konsumenten haben das Recht, zu wissen, wohin ihr Geld fließt."

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1. Noch grundgesetzlich garantierte freie Meinungsäußerung zum Thema:
ackergold 12.01.2016
Sehe ich das richtig? In den USA gibt es eine Namenspolizei, die allein aufgrund eines Namens ohne jeden sonstigen Verdacht Menschen diskriminiert, von Handes ausschließt und auch sonst maßregelt? Sorry, in so einem Land will ich nicht leben.
2.
D_v_T 12.01.2016
Bitte, bitte, stellt jemanden ein der ein wenig Ahnung von bzw. Gefühl für die englische Sprache hat. Wie oft lese ich hier Übersetzungen, die mir physische Schmerzen bereitet und den Autor in nicht besonders gutem Licht dastehen lässt, zumindest was seine Sprachkompetenz anbelangt. Es hilft nicht, immer die nächstbeste Übersetzung aus dem Wörterbuch zu nehmen. "Specially designated" heißt im Bezug auf Personen wohl kaum "speziell gekennzeichnet". Zumindest gäbe es bessere Übersetzungen - Personen sind doch kein Gefahrgut, auf das eine Kennzeichnung geklebt wird. "Besonders eingestuft", z.B., passt wesentlich besser. Auf jeden Fall "eingestuft" und nicht "gekennzeichnet".
3. Soviel
Erbi 12.01.2016
..zu dem äußerst dummen Spruch der Überwachungsfreunde "Ich hab ja nichts zu verbergen". So schnell wird man mal eben zum Kriminellen abgestempelt.
4.
mightyschneider 12.01.2016
"Islamopobie" ist ein Kampfbegriff der iranischen Mullahs, mit dem gegen die Säkularen Stimmung gemacht wurde und welcher anderen Menschen eine Krankheit bzw. Psychose unterstellt.
5.
Hermes75 12.01.2016
Zitat von ackergoldSehe ich das richtig? In den USA gibt es eine Namenspolizei, die allein aufgrund eines Namens ohne jeden sonstigen Verdacht Menschen diskriminiert, von Handes ausschließt und auch sonst maßregelt? Sorry, in so einem Land will ich nicht leben.
Nein, so wie Sie das schreiben ist das Quatsch. Es gibt (nicht nur in den USA) von Seiten der Behörden durchaus Listen in denen Personen oder Institutionen gelistet werden die von bestimmten Sanktionen betroffen sind. Bekanntes Beispiel ist z.B. die "No Fly" Liste der TSA, welche bestimmten, als gefährlich angenommen Personen, das Besteigen eines Flugzeuges untersagt. Wenn Sie als Unternehmen z.B. mit anderen Unternehmen Geschäfte machen, dann müssen Sie sich vergewissern, dass ihr Geschäftspartner nicht z.B. auf einer relevanten Sanktionsliste steht. Eine Überprüfung nur aufgrund eines Namens ist dabei natürlich Unsinn, da viel zu ungenau. Die meisten Namen kommen schließlich mehr als einmal vor. (Ich kenne mindestens zwei weitere Leute in Deutschland die meinen Vor- und Nachnamen tragen, obwohl beide nicht einmal besonders häufig sind.) Die Programmierer der Softwarefirma haben in diesem Fall sich die Arbeit offenbar etwas zu einfach gemacht. Hier gibt es übrigens eine Auflistung verschiedener bekannter Sanktionslisten z.B. der UNO, der EU, der USA usw.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sanktionsliste
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