Spieletrend Permadeath: Man lebt nur einmal

Von Felix Knoke

Um den Wert eines Bildschirmlebens zu steigern, setzen immer mehr Spieleentwickler auf Permadeath - den ewigen Tod der Spielfigur. Wir haben sieben kostenlose Spiele herausgesucht, in denen es um alles oder nichts geht.

One Single Life 2: Der ewige Bildschirmtod hat jetzt wieder Konjunktur Zur Großansicht

One Single Life 2: Der ewige Bildschirmtod hat jetzt wieder Konjunktur

Das Leben ist in Computerspielen gemeinhin wenig wert. Gegnerscharen werden in Actionfilm-Manier niedergemäht, Monsterhorden plattgemacht, Computer-gesteuerte Mitspieler an den Feind verfüttert. Die Nichtachtung des Lebens macht nicht einmal vor dem eigenen Pixelkörper halt: Stirbt der Held oder die Heldin, reicht der Griff in die Speicherstände oder die Continue-Trickkiste, und weiter geht das große Massen- und Seriensterben. Dass man Spiele auch verlieren kann, ignorieren Spielegestalter im Versuch, ihre Kunden bei der Stange zu halten. Hat nur Spaß, wer ewig lebt?

Die Wiederkehr hat ein Problem: Sie nimmt Spielentscheidungen ihr Gewicht und setzt an die Stelle von Spannung und Konzentration ein gehetztes Noch-einmal. Moderne Computerspiele mit ihren Save-Points und Schnelllade-Funktionen wollen den Spielfluss maximieren und nehmen dabei dem Spiel die Wucht. Der Sprung über einen Abgrund ist dann nur noch eine Frage der dutzendfachen Wiederholung und nicht eine Frage von Tod oder Leben - oder zumindest des mühsamen, erneuten Wegs hin zu dieser Klippe.

Doch unter Spiele-Designern spricht sich derzeit herum, dass sich der Wert eines Bildschirmlebens erheblich steigern lässt, wenn es einzigartig ist. Permadeath heißt dieser Spiele-Trend - ewiger Tod. Stirbt ein Charakter, ist das Spiel zu Ende, und der Spieler muss von vorn anfangen. Egal wie viele Stunden er zuvor gespielt, wie viele Höhlen und Landschaften er erforscht und wie viele Fallen, Rätsel und Gegner er überwunden hat.

Neu ist das Konzept freilich nicht: In vielen der ersten Automatenspiele gab es den Permadeath (der höchstens durch das Prinzip der Bildschirmleben begrenzt ausgesetzt wurde). Doch der ewige Bildschirmtod hat jetzt wieder Konjunktur. In manchen Spielen verschärft er lediglich den Schwierigkeitsgrad, in anderen ist er das zentrale Spielelement. In Online-Spielen sorgt Permadeath durch seine Tabula-Rasa-Funktion dafür, dass einzelne Spieler nicht übermächtig werden. Indie-Spielgestalter üben mit ihm Gamedesign und Medienkünstler Spielkritik.

Und selbst die Spieler nehmen das frustrierende Spieldesign-Drangsal wohlwollend an: Denn durch den drohenden Tod erwachen ihre Spielfiguren erst wirklich zum Leben. Ohne Tod keine Helden.

Wollen Sie auch einmal dem morbiden Charme der Permadeath-Spiele erliegen? Wir stellen fünf großartige kostenlose Spiele vor, in denen gilt: alles auf eine Karte setzen - aber ganz vorsichtig.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
xcver 26.12.2012
Ich vermisse in dem Artikel wenigstens einen kleinen Hinweis auf Diablo 3, dass aus meiner Sicht diesen Modus stark ins öffentliche licht gerückt hast
2.
Ciobanul 26.12.2012
Interessanter Beitrag. Diese Funktion gabs ja schon in Diablo 2 mit dem Hardcore mode. Nur ein einziges Leben zu haben schafft auf jeden Fall ne Menge Nervenkitzel. Ich weiß noch wie für mich eine Welt zusammengebrochen ist als mein über Level 70 Barbar auf "Hölle" im 2. Akt von diesen verfluchten Elktrokäfern gekillt wurde. :D
3. begrenzte Reichweite
3of5 26.12.2012
So eine ähnliche Revolution gab es in der Spieleindustrie bereits vorher: als der Permadeath abgeschafft wurde. Während es einen Teil von Spielern gibt, die das Spiel als Herausforderung sehen, je masochistischer, umso besser, spielen der größere Teil aus Neugierde, um neue Geschichten und neue Perspektiven zu entdecken, manche um die perfekte Strategie zu entwickeln, manche um kurz Spaß zu haben, ohne einen Wettkampf gegen sich selbst daraus zu machen. Lucas Arts hatte damals mit einer einfachen Änderung in der Spielmechanik die Reichweite seiner Adventures vervielfacht: man konnte nicht mehr sterben, und dadurch auch gefährliche und absolut sinnlose Sachen ausprobieren. Das trug wesentlich zum Witz der Adventures bei und eröffnete ganz neue Zielgruppen für Computerspiele. Spiele mit Permadeath werden weiterhin ansprechend für kleine Zielgruppen sein, aber jedes Spiel für den Massenmarkt wird das eher als zusätzliche Option anbieten, einfach weil jede Art ein Spiel zu spielen seine Berechtigung hat, Herausforderung ist nicht die einzige.
4. optional
gruenertee 26.12.2012
Der erstemal in Diablo2 kennengelernt ist es natürlich auch in Diablo 3 vorhanden. Relativ erfolgreich, obwohl 'Item-sammel'-Spiele am schlechtestens dafür geeignet sind: Man sammelt 200Stunden lang Items, stirbt und alles ist weg, Sinn? Ich denke insbesondere bei MMOs kann dadurch eine Steigerung des Spielspaßes erreicht werden. Selbes gilt für 'richtige' Rollplay Spiele (Gothic, Elder Scrolls & Co.) und Shooter.
5.
loncaros 26.12.2012
Zitat von xcverIch vermisse in dem Artikel wenigstens einen kleinen Hinweis auf Diablo 3, dass aus meiner Sicht diesen Modus stark ins öffentliche licht gerückt hast
es geht halt nur um gratisspiele, und damit uninteressante spiele.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Games
RSS
alles zum Thema Computerspiele
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 71 Kommentare
  • Zur Startseite


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.