Von Felix Knoke
Das Leben ist in Computerspielen gemeinhin wenig wert. Gegnerscharen werden in Actionfilm-Manier niedergemäht, Monsterhorden plattgemacht, Computer-gesteuerte Mitspieler an den Feind verfüttert. Die Nichtachtung des Lebens macht nicht einmal vor dem eigenen Pixelkörper halt: Stirbt der Held oder die Heldin, reicht der Griff in die Speicherstände oder die Continue-Trickkiste, und weiter geht das große Massen- und Seriensterben. Dass man Spiele auch verlieren kann, ignorieren Spielegestalter im Versuch, ihre Kunden bei der Stange zu halten. Hat nur Spaß, wer ewig lebt?
Die Wiederkehr hat ein Problem: Sie nimmt Spielentscheidungen ihr Gewicht und setzt an die Stelle von Spannung und Konzentration ein gehetztes Noch-einmal. Moderne Computerspiele mit ihren Save-Points und Schnelllade-Funktionen wollen den Spielfluss maximieren und nehmen dabei dem Spiel die Wucht. Der Sprung über einen Abgrund ist dann nur noch eine Frage der dutzendfachen Wiederholung und nicht eine Frage von Tod oder Leben - oder zumindest des mühsamen, erneuten Wegs hin zu dieser Klippe.
Doch unter Spiele-Designern spricht sich derzeit herum, dass sich der Wert eines Bildschirmlebens erheblich steigern lässt, wenn es einzigartig ist. Permadeath heißt dieser Spiele-Trend - ewiger Tod. Stirbt ein Charakter, ist das Spiel zu Ende, und der Spieler muss von vorn anfangen. Egal wie viele Stunden er zuvor gespielt, wie viele Höhlen und Landschaften er erforscht und wie viele Fallen, Rätsel und Gegner er überwunden hat.
Neu ist das Konzept freilich nicht: In vielen der ersten Automatenspiele gab es den Permadeath (der höchstens durch das Prinzip der Bildschirmleben begrenzt ausgesetzt wurde). Doch der ewige Bildschirmtod hat jetzt wieder Konjunktur. In manchen Spielen verschärft er lediglich den Schwierigkeitsgrad, in anderen ist er das zentrale Spielelement. In Online-Spielen sorgt Permadeath durch seine Tabula-Rasa-Funktion dafür, dass einzelne Spieler nicht übermächtig werden. Indie-Spielgestalter üben mit ihm Gamedesign und Medienkünstler Spielkritik.
Und selbst die Spieler nehmen das frustrierende Spieldesign-Drangsal wohlwollend an: Denn durch den drohenden Tod erwachen ihre Spielfiguren erst wirklich zum Leben. Ohne Tod keine Helden.
Wollen Sie auch einmal dem morbiden Charme der Permadeath-Spiele erliegen? Wir stellen fünf großartige kostenlose Spiele vor, in denen gilt: alles auf eine Karte setzen - aber ganz vorsichtig.
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