Kontroverse um Spielentwickler Peter Molyneux erteilt sich Sprechverbot

Durch Spiele wie "Populous" wurde Peter Molyneux weltbekannt. Doch schon länger hat der Star-Entwickler den Ruf, oft mehr zu versprechen, als er halten kann. Sein aktuelles Spiel "Godus" droht nun zu floppen. Molyneux gelobt Schweigsamkeit.

Peter Molyneux auf einer Spielemesse: Stärker in der Kritik denn je
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Peter Molyneux auf einer Spielemesse: Stärker in der Kritik denn je


Peter Molyneux will sich nicht mehr öffentlich zu Spielen äußern. Das hat der Mann hinter Klassikern wie "Populous" und "Dungeon Keeper" dem "Guardian" per Skype gesagt - in einem Interview, das sein vorerst letztes gewesen sein soll. "Ich werde die Pressearbeit einstellen und komplett damit aufhören, über Spiele zu reden", zitiert ihn die Zeitung. "Und dieses Interview hier gebe ich nur als Reaktion darauf, wie schrecklich, grauenhaft, emotional die letzten drei Tage waren."

Molyneux ist seit Langem bekannt dafür, fantastische Versprechungen über kommende Spiele zu machen, die sich dann in dieser Form selten tatsächlich umsetzen lassen. "Ich spreche so leidenschaftlich über diese Ideen, dass die Leute das für absolut bindende Versprechen halten", sagte er dem "Guardian". "Wenn ich sie ausspreche, glaube ich wirklich daran, aber, wie Sie wissen, manchmal werden sie nicht Realität."

Auf Plattformen wie Reddit war Molyneux in den vergangenen Tagen von Tausenden Nutzer kritisiert worden. Der Entwickler berichtet auch von Drohungen gegen ihn selbst und seine Familie.

Anlass des Shitstorms war unter anderem ein Artikel des Magazins "Eurogamer", der sich um Bryan Henderson drehte, der im Mai 2013 den letzten Quader in Molyneuxs experimentellem Spiel "Curiosity" zerstört hatte. Dem damals 18-Jährigen war seinerzeit versprochen worden, mit einem Prozent am Umsatz des nächsten Molyneux-Spiels "Godus" beteiligt zu werden. Außerdem sollte er als Gottheit die Spielwelt beeinflussen können.

"Ich weiß nicht, wie wir all die Funktionen umsetzen sollen"

Doch anderthalb Jahre später hat Henderson sein Gewinn außer Presseerwähnungen und einem Gastauftritt in einem anderen Spiel nicht viel gebracht. Mittlerweile scheint absehbar, dass "Godus" weit hinter den Erwartungen zurückbleiben wird. Eine fertige PC-Version gibt es bislang nicht, lediglich Smartphone-Versionen sind bereits offiziell erschienen. Ein Umstand, der zahlreiche Spielefans persönlich ärgert: Sie hatten 2012 per Crowdfunding die Entwicklung der Göttersimulation erst ermöglicht, durch Kickstarter-Spenden in Höhe von insgesamt rund 700.000 Euro.

Die Spender dürften es als große Enttäuschung erlebt haben, als sich Anfang Januar Konrad Naszynski, der amtierende Lead Designer von "Godus", im Forum des Entwicklerstudios zum Fortschritt des Spiels äußerte. Naszynski schrieb: "Um gnadenlos ehrlich und realistisch zu sein: Ich weiß nicht, wie wir all die Funktionen umsetzen sollen, die wir in der Kickstarter-Ankündigung versprochen haben."

Schon 2001 brachte Molyneux "Black & White" auf den Markt, ebenfalls eine Göttersimulation. Das Spiel hatte in den Jahren vor dem Erscheinen, auch befeuert durch die Entwickler, derart hohe Erwartungen geweckt, dass die Verkaufsversion fast zwangsläufig viele Spieler enttäuschte. Ein Muster, das sich bei späteren Molyneux-Ankündigungen wiederholte.

Im Interview mit dem "Guardian" gesteht der Entwickler nun Fehler ein. Dass niemand aus dem Entwicklerteam mit dem "Curiosity"-Gewinner in Kontakt geblieben sei, sei schlicht "Inkompetenz" gewesen. Und zu "Godus" sagt Molyneux: "Ich vermute, der große Fehler unterlief beim Einschätzen, wie lang die Entwicklung des Spiels dauern wird. (...) Ich lag zu hundert Prozent daneben." Seine Hoffnung sei es nun, dass die Spielefans in sechs bis neun Monaten das Spiel bekämen, das sie sich erhofft hatten. "Godus" hätte ursprünglich bereits 2013 erscheinen sollen.

mbö

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