Von Felix Knoke
Warum kaufen sich 50 Millionen Menschen ein Spiel, in dem verärgerte Vögel sich selbst in die Trutzburgen räuberischer Schweine katapultieren, um gestohlene Eier zurückzuerlangen? Warum laden an einem Tag über 400.000 Menschen ein Spiel auf ihr iPhone, in dem sie kleine Kugelbahnen bauen müssen - programmiert von einem 14-Jährigen und seiner Mutter?
Angry Birds und Bubble Ball sind die aktuellsten Beispiele für den Erfolg von Physik-Spielen, also Spielen, in denen der Weg zum Ziel nur unter cleverer Verwendung der Schwerkraft, Reibung, Elastizität und Hebelwirkungen zu erreichen ist. Das klingt sehr nach Physik-Unterricht und "pädagogisch wertvoll" - aber ist dermaßen spannend und befriedigend, dass der "Wall Street Journal"-Blogger und Autor populärwissenschaftlicher Bücher Matt Ridley zu einer Ad-hoc-Erklärung ausholte, die ein neues Spielgenre aufmachen könnte: das der Parabelspiele.
Rotierende Schultern und kullernde Augen
Ridleys Argumentation: Menschen sind Experten im Umgang mit der Wirklichkeit und nur wenig befriedigt sie so sehr, wie den Lauf (oder die Flugbahn) der Dinge nicht nur vorherzusehen, sondern auch für sich einsetzen zu können. Wichtig ist dafür das Verständnis von Parabeln, den Kurven quadratischer Gleichungen: Die geschwungene Flugbahn einer Kugel, das gleichmäßig-abgedämpfte Springen eines Balles, das zielsichere Treffen eines heranfliegenden Federballs lassen sich mit dem Reiz der Parabeln erklären.
"Parabeln vorherzusehen, finden Menschen faszinierend," meint Ridley. "Unsere Körper können ausgezeichnet gut Dinge auf Ziele werfen." Das erfordert das perfekte Zusammenspiel von Muskel und Hirn: Die Flugbahn muss vorherberechnet, Augen, Finger, Armmuskeln aufeinander abgestimmt werden. Ridley: "Unsere Schultern rotieren, unsere Schulterblätter rutschen, unser Becken dreht sich, unsere Arme beugen sich und unsere Finger strecken sich aus."
Geschwungene Flugbahn: Brätst über Glut, Hahn
Parabeln, das sind nämlich Flugbahnen von Objekten unter dem Einfluss der Schwerkraft - das kann der Mensch gut berechnen und ganz offensichtlich gefällt er sich auch ganz gut dabei: "Wie wollten Sie sonst Golf erklären?", fragt Ridley schelmisch. Golf, das ist vor allem dem wegfliegenden Ball hinterherzuschauen - ganz so, wie schon die Urmenschen mit ihrem Blick dem Flug des Wurfspeers folgten. Wurf, Flug, Mahlzeit.
Aber warum funktioniert das auch bei Computerspielen, in denen wir nur Auge und Hirn (und Maushand) bedienen müssen - und eine nur virtuelle Schwerkraft alle Arbeit tun lassen? Finden Sie es zusammen mit SPIEGEL ONLINE auf den nächsten Seiten heraus: mit einigen der interessantesten Physik-Spiele, die es derzeit kostenlos im Netz gibt. (für Parabel-Verächter ist übrigens auch etwas dabei )
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