Phantastische Physik-Spiele: Wurf, Flug, Mahlzeit!

Von

Der Mensch kann ewig ins Meer, ins Feuer und anderen bei der Arbeit zuschauen. Vor allem aber wirft er gerne Sachen im Parabelbogen: So erklärt ein Wissenschaftsautor den Erfolg von Physik-Spielen. SPIEGEL ONLINE hat die besten dieser physikalischen Umsonst-Spiele im Netz ausgegraben.

Warum kaufen sich 50 Millionen Menschen ein Spiel, in dem verärgerte Vögel sich selbst in die Trutzburgen räuberischer Schweine katapultieren, um gestohlene Eier zurückzuerlangen? Warum laden an einem Tag über 400.000 Menschen ein Spiel auf ihr iPhone, in dem sie kleine Kugelbahnen bauen müssen - programmiert von einem 14-Jährigen und seiner Mutter?

Angry Birds und Bubble Ball sind die aktuellsten Beispiele für den Erfolg von Physik-Spielen, also Spielen, in denen der Weg zum Ziel nur unter cleverer Verwendung der Schwerkraft, Reibung, Elastizität und Hebelwirkungen zu erreichen ist. Das klingt sehr nach Physik-Unterricht und "pädagogisch wertvoll" - aber ist dermaßen spannend und befriedigend, dass der "Wall Street Journal"-Blogger und Autor populärwissenschaftlicher Bücher Matt Ridley zu einer Ad-hoc-Erklärung ausholte, die ein neues Spielgenre aufmachen könnte: das der Parabelspiele.

Rotierende Schultern und kullernde Augen

Ridleys Argumentation: Menschen sind Experten im Umgang mit der Wirklichkeit und nur wenig befriedigt sie so sehr, wie den Lauf (oder die Flugbahn) der Dinge nicht nur vorherzusehen, sondern auch für sich einsetzen zu können. Wichtig ist dafür das Verständnis von Parabeln, den Kurven quadratischer Gleichungen: Die geschwungene Flugbahn einer Kugel, das gleichmäßig-abgedämpfte Springen eines Balles, das zielsichere Treffen eines heranfliegenden Federballs lassen sich mit dem Reiz der Parabeln erklären.

"Parabeln vorherzusehen, finden Menschen faszinierend," meint Ridley. "Unsere Körper können ausgezeichnet gut Dinge auf Ziele werfen." Das erfordert das perfekte Zusammenspiel von Muskel und Hirn: Die Flugbahn muss vorherberechnet, Augen, Finger, Armmuskeln aufeinander abgestimmt werden. Ridley: "Unsere Schultern rotieren, unsere Schulterblätter rutschen, unser Becken dreht sich, unsere Arme beugen sich und unsere Finger strecken sich aus."

Geschwungene Flugbahn: Brätst über Glut, Hahn

Parabeln, das sind nämlich Flugbahnen von Objekten unter dem Einfluss der Schwerkraft - das kann der Mensch gut berechnen und ganz offensichtlich gefällt er sich auch ganz gut dabei: "Wie wollten Sie sonst Golf erklären?", fragt Ridley schelmisch. Golf, das ist vor allem dem wegfliegenden Ball hinterherzuschauen - ganz so, wie schon die Urmenschen mit ihrem Blick dem Flug des Wurfspeers folgten. Wurf, Flug, Mahlzeit.

Aber warum funktioniert das auch bei Computerspielen, in denen wir nur Auge und Hirn (und Maushand) bedienen müssen - und eine nur virtuelle Schwerkraft alle Arbeit tun lassen? Finden Sie es zusammen mit SPIEGEL ONLINE auf den nächsten Seiten heraus: mit einigen der interessantesten Physik-Spiele, die es derzeit kostenlos im Netz gibt. (für Parabel-Verächter ist übrigens auch etwas dabei …)

Klicken Sie auf die Bilder, um zu den Spielen zu gelangen...

Physikspiele

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Parabeln
Layer_8 22.01.2011
Zitat von sysopDer Mensch kann ewig ins Meer, ins Feuer und anderen bei der Arbeit zuschauen. Vor allem aber wirft er gerne Sachen im Parabel-Bogen: So erklärt ein Wissenschafts-Autor den Erfolg von Physik-Spielen. SPIEGEL ONLINE hat die besten dieser physikalischen Umsonst-Spiele im Netz ausgegraben. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,740309,00.html
Sowie Golfspieler oder Artilleristen wissen, dass man den Luftwiderstand nicht vernachlässigen kann. Auch als Wasserpistolenkadett in früheren Jahren hab ich das erkannt, intuitiv, nicht wie Galileo, dessen überragender Intellekt das schon vor 500 Jahren mathematisch beschrieben hat. Da gibts eher eine ballistische Kurve welche letztendlich asymptotisch senkrecht abfällt. Parabeln an sich sind ja ein sehr schönes mathematisches Modell, nur in der z.B. astronomischen Realität ist das ein Fall von labilem Gleichgewicht. Dort gibts entweder Ellipsen oder Hyperbeln. Und jetzt könnte ich noch zur Kosmologie ausschweifen: Geschlossenes oder offenes Universum? Kommt auf die Metrik an, aka der Gesamtmasse unserer aller Welt (allgemeine Relativitätstheorie). Parabeln sind abstrakt betrachtet ein Kennzeichen für Euklidische Metrik. Und diese im Artikel besagten Spiele sind Pillepalle, für mich wenigstens...
2. Einfaches Prinzip,
Cau No 22.01.2011
@Layer_8: Wow. Ich hätte nicht gedacht, daß ein Text auch über Physik und Mathematik derart viele Buzzwords enthalten kann. Wieder was dazugelernt. Die Spiele basieren eigentlich auf dem schönen Prinzip, daß die durchgehende simple Spielidee in den höheren Leveln ziemlich kompliziert werden kann. Da ist dann Schluß mit Pillepalle, und Kopfzerbrechen angesagt, bei einigen früher, bei andern später. Leider lauft aus nicht nachvollziehbaren Gründen (außer dem, daß es Flash ist) über die Hälfte der o.g. Games nicht in meinem Browser.
3. Physikspiele
marasek 22.01.2011
Ehrlich gesagt hängen mir die Physikspiele mittlerweile zum Halse heraus. Bisweilen wirkt es wie ein Film mit vielen Spezialeffekten, aber dürftiger Handlung: es gibt Physik, ja, aber wo ist das Spiel? Leider kommt auch der Spass oft unnötig zu kurz auf Grund zu knapp definierter Spielziele. Es macht schlicht mehr Spass, der Burg 15 Bomben hinzuwerfen, die sich in der Flugbahn aufteilen und die überall verteilten Pulverfässer so entzünden, dass am Ende die ganze Burg die Fläche von 100 iPads einnehmen könnte, aber garantiert hat ein Spassverderber irgendwo einen Zivilisten untergebracht, der nicht getroffen werden darf...
4. Sie Armer :D
Layer_8 22.01.2011
Zitat von Cau No... Leider lauft aus nicht nachvollziehbaren Gründen (außer dem, daß es Flash ist) über die Hälfte der o.g. Games nicht in meinem Browser.
Für sowas hab ich im Notfall immernoch IE8 in Petto. Bin eigentlich Firefox am browsen
5. Hoer mal, lieber Mensch
Ursprung 22.01.2011
Sie sind ein Kind der Natur! Auch wenn das manchmal in HH City oder im Tokioter Hotel verdraengt wird! Der Spass am Leben geht noch viel weiter zurueck als auf unsere Zeit mit dem Speer. Jede Katze, jeder Gorilla, sogar noch jeder arme Hund, selbst die Zecke auf der Kraeuterspitze wendet den lebenserhaltenden Spass an oder Spass bringenden Spass auch ohne Lebenserhaltung. Mit der Parabel und noch viele mehr Finten darin. Training kann ja nie schaden. Wie berechneten wir wohl frueher, wie wir von dem einen Ast zum anderen kaemen, ohne uns vor der Angebeten dort nicht zu blamieren? Wie koennte die Angebetene spaeter mit unserem Kind im Bauch oder Arm bei veraendertem Gewicht und gleicher Muskelschnellkraft auf den Aesten weiterkommen, wenn Sie weder Parabeln berechnen konnte, noch zu doof war, die eigene moeglich Muskelspannung, der Einfluss der Umgebungstemperatur auf diese und nicht auch noch die Elastizitaet des anzuspringenden Astes genau vorausberechnen? Die, das nicht konnten, von denen stammen wir nicht ab! Mensch macht sich nicht klar, das alles, aber auch wirklich alles von dem, was er kann und tut und wuenscht und denkt und von sich und anderen glaubt oder sich einbildet nicht etwa seiner persoenlichen Intelligenz entspringt, sondern ihm schon in der Wiege lag, bevor er Mama sagen konnte. Die Intelligenz waechst woanders, nicht in ihm. Sie waechst im ebenfalls von der Evolution entwickelten Schwarmverhalten. Also nur im menschlichen Schwarm, und nicht bei ihm, Max Mustermann. Das ist weise, denn stirbt Max Mustermann, macht das nix. Intelligent war nicht er, sondern nur in seiner Eigenschaft als lebendes Atom im Schwarm. Und der lebt ohnehin weiter, jedenfalls fuers Erste. Zur Zeit metamorphiert gerade die Intelligenz wieder mal (nur des Schwarmes): das web ist nichts als die Realisierung des typischen Schwarmverhaltens. Frueher warens mal die Schamanen, eine Weile lang die Voodoos der Religionen, dann mal die Schriftrollen, dann gedruckte Sachen. Relikte von allem wabert weiter um uns. Alles durchaus Intelligenz. Aber nicht etwa von Dir oder von Max Mustermann. Sondern vom inzwischen furchterregend angeschwollenem Schwarm aller Menschen. Es wird spannend. Zu sehen, ob die Evolution sich damit ins Knie geschossen hat (besser uns selber als Teil der Evolution). Oder ob die Schwarmintelligenz der Menschen hinreicht, als Art zu ueberleben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Games
RSS
alles zum Thema Best of Web
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.