Rollenspiel im Klassiker-Check: Darum ist "Planescape: Torment" legendär

"Planescape: Torment": So sah das legendäre Rollenspiel aus Fotos
Roland Austinat

Für viele Fans ist es das beste Computer-Rollenspiel aller Zeiten. Ungewöhnliche Spielwelt, starke Geschichte, exzentrische Ideen - es gibt viele Gründe, warum das 1999 erschienene "Planescape: Torment" so beliebt ist. Roland Austinat vom Fachmagazin "Power Play" schwärmt bis heute.

Ein Rollenspiel mit einem namenlosen Helden, der nicht sterben kann? Und dessen bester Freund ein Sprüche klopfender, fliegender Totenschädel mit beißkräftigem Kiefer ist? Das klingt nicht gerade nach einem typischen Abenteuer mit Elfen, Zwergen und Drachen. Das 1999 erschienene PC-Rollenspiel "Planescape: Torment" ist anders. Es ist im Planescape-Universum des Pen&Paper-Rollenspiels Dungeons & Dragons angesiedelt, einer anspruchsvollen Spielwelt, die in einem Multiversum alle Existenzebenen einschließlich der Hölle vereint.

Das Setting passt zum Anspruch der Entwickler dieses Computerspiels. In der 1997 verfassten Design-Bibel des Studios Black Isle heißt es: "Erschafft nichts, was es schon gibt. Zeichnet etwa ein Schiff nicht so, wie man es heute sehen würde: Verpasst ihm ein Segel aus Spinnweben, einen Rumpf aus den Rippen einer dämonischen Bestie und lasst es in einer Luftblase unter Wasser fahren."

Rundenbasierte Kämpfe mit optionalen Pausen

So motiviert, erschufen die Designer bei Black Isle ein echtes Meisterwerk - mit der Infinity-Engine von "Baldur's Gate", das eine Zeit lang parallel zu den Abenteuern des Namenlosen entwickelt wurde. Aus diesem Grund liefen Kämpfe wie an der Schwertküste ab, rundenbasiert mit optionalen Pausen. Die Entwickler um Produzent Guido Henkel (schuf in den 90ern in Deutschland bei Attic Software unter anderem "Das Schwarze Auge: Die Schicksalsklinge") und Chefdesigner Chris Avellone verbargen die meisten Tabellen und Zahlen vor den Augen der Spieler.

Stattdessen gab es teilweise beängstigende Mengen an hervorragend geschriebenen, mit schwarzem Humor durchsetzten Dialogen. Plumpe "gute" oder "böse" Antworten? Fehlanzeige. Rätsel, die der Namenlose nur mit seinem Tod lösen kann, 15 Fraktionen mit eigenen Plänen und Absichten, außergewöhnliche Widersacher wie Ratten, die in größerer Zahl eine Schwarmintelligenz mit mächtigen magischen Fähigkeiten entwickeln, Tätowierungen, mit denen der Namenlose seine Fähigkeiten verbessert - wegen solcher exzentrischer Ideen wurde "Planescape: Torment" von den Kritikern hoch gepriesen. Und von der im Vergleich mit "Baldur's Gate" doch eher kleinen Spielergemeinde, die sich in die schräge Welt von Sigil locken ließ.

Eines der besten Rollenspiele

"Planescape: Torment" ist eines der Spiele, das bei meinem Umzug nach San Francisco mit in den Koffer musste. Damals wie heute kenne ich kaum einen Titel mit derart toller Atmosphäre, der selbst auf modernen PCs problemlos läuft.

Ein offizieller Patch sowie diverse Fan-Updates beheben Bugs und ermöglichen größere Auflösungen. Vor 13 Jahren diskutierten wir in der Redaktion lange über die Testwertung. Ich wollte unbedingt eine 9 vorne sehen, doch 90er-Wertungen waren bei der PC Player eine heilige Rarität. So wurden es am Ende "nur" 89 Punkte - immerhin sechs mehr als "Baldur's Gate". Heute würde ich den Verhandlungstisch nicht ohne volle fünf Sterne für "Planescape: Torment" verlassen.

Erschienen in: "CHIP Power Play" 02/2013

Bezugsquellen: Eine angepasste Download-Version gibt es beim Download-Shop Gog, außerdem viele inoffizielle Erweiterungen von Fans, die die Grafik verbessern und Fehler beseitigen.

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Story-Games: Spiel mir eine Geschichte

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
Reg Schuh 26.05.2013
Zitat von sysopRoland AustinatFür viele Fans ist es das beste Computer-Rollenspiel aller Zeiten. Ungewöhnliche Spielwelt, starke Geschichte, exzentrische Ideen - es gibt viele Gründe, warum das 1999 erschienene "Planescape: Torment" so beliebt ist. Roland Austinat vom Fachmagazin "Power Play" schwärmt bis heute. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/planescape-torment-das-computer-rollenspiel-im-klassiker-check-a-900049.html
Oh, ja! Ich schwärme auch noch. Die paar logischen Ungereimtheiten und die etwas überbordende Figurenoptik (z.B. überdimensionierten Schulter-Stücke, die die ja von Blizzard freudig in ihre World-of-Warcraft aufgenommen wurden) stören geringfügig bei der Atmosphäre, die das Spiel verbreitet und den echten rollenspielerischen Aspekten. Da werden Entscheidungen nötig, die Konsequenzen haben, und nicht wieder verworfen werden können, sowohl im Kleinen als auch im Großen. Das war zu dem Zeitpunkt des Erscheinens stilbildend. Der morbide Charme (Stichwort "Babyöl") und das Spiel mit der Unsterblichkeit, die aus einer normalen Identitätsfindung eine originelle Geschichte macht, sind die anderen Kernpunkte. Es freut mich, daß auch andere für Planescape: Torment schwärmen, auch nach sovielen Jahren. Die Musik höre ich mir heutzutage immer mal wieder gerne an.
2. Naja
varbeast 26.05.2013
Das beste RPG von dieser Zeit ist und bleibt selbstverständlich Baldur's Gate. Eine absolute Referenz des Dungeon's&Dragons der damaligen Zeit und neuartig in Graphik und Spielsystem.Das ist fast wie Birnen und Äpfel zu vergleichen.Die Reihenfolge ist vom Dungeon Master über Baldur's Gate nach Skyrim.mfg
3.
marcuspüschel 26.05.2013
Zitat von sysopRoland AustinatFür viele Fans ist es das beste Computer-Rollenspiel aller Zeiten. Ungewöhnliche Spielwelt, starke Geschichte, exzentrische Ideen - es gibt viele Gründe, warum das 1999 erschienene "Planescape: Torment" so beliebt ist. Roland Austinat vom Fachmagazin "Power Play" schwärmt bis heute. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/planescape-torment-das-computer-rollenspiel-im-klassiker-check-a-900049.html
Und genau deshalb haben alle amerikanischen Produkte im Fantasie-Genre diesen ultrafiesen Plastiklook. Unerträglicher Mist ist das, der mit Fantasie nix zu tun hat, sondern nur nch infantiler Kitsch ist.
4.
BlakesWort 26.05.2013
Es ist das beste, am wenigsten gespielte Spiel der Welt. Auf einer Million Dialogzeilen macht man mit dem Namenslosen eine transzendentale Reise nach seinem eigenen Ich und seiner eigenen Seele durch. *Spoiler Zugleich stellt das Spiel eines der wesentlichen Elemente eigentlich jeden Spiels vollkommen auf den Kopf. Anstatt eine Bedrohung aufzuhalten, Prinzessinnen zu retten, Drachen zu töten und unsterblich zu werden, so will der Namenlose endlich Ruhe finden. Er will sterben, dem ewigen Kreislauf aus Untod und Wiedergeburt entrinnen. Als ich damals vor dem Transzendentalen stand, also meiner eigenen Seele und die Tragweite der Geschichte begriff, hat es mich förmlich umgehauen. Ein ähnliches - da erfrischend komisches - Enderlebnis hat bisher nur "Vampire - The Masquerade: Bloodlines" zu bieten gehabt. Zu den großen Drei der Online-Spielewelt zählt dann wohl "Baldur's Gate 2 - Die Schatten von Amn". Eigentlich wirklich schade, diese Spiele sind alle mehr als zehn Jahre alt. Bis auf "The Witcher" kam da bislang storytechnisch kein Spiel ran. Dragon Age, Skyrim usw., spielerisch gut, inhaltlich mangelhaft.
5.
freiheitsglocke 26.05.2013
Zitat von marcuspüschelUnd genau deshalb haben alle amerikanischen Produkte im Fantasie-Genre diesen ultrafiesen Plastiklook. Unerträglicher Mist ist das, der mit Fantasie nix zu tun hat, sondern nur nch infantiler Kitsch ist.
Fantasy ist grundsätzlich infantiler Kitsch. Die Design-Richtlinien waren aber passend gewählt, um die Planescape-Welt einzufangen. Ich kann auch nicht erkennen, dass andere Spiele das danach jemals wieder versucht hätten. Leider... weil, das sticht schon bissl heraus aus diesem Ork / Elfen-Einheitsbrei.
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