"Plants vs. Zombies 2": Diese Zombies wollen das Gartenhaus - und Ihr Geld

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

iOS-Spiel: So sieht "Plants vs. Zombies 2" aus Fotos

Das Strategiespiel "Plants vs. Zombies 2" bricht Download-Rekorde im App Store. Die größte Neuerung gibt es beim Bezahlmodell: Das Spiel an sich ist jetzt kostenlos, Erleichterungen kosten Geld. Das ist keine gute Idee.

16 Millionen Downloads - das ist selbst für ein kostenloses und so lange erwartetes Spiel wie die Fortsetzung von "Plants vs. Zombies" eine stolze Zahl. So oft wurde das Spiel in der ersten Woche nach Veröffentlichung Mitte August aus Apples App Store heruntergeladen. Damit ist es der bisher erfolgreichste Start eines Smartphone-Spiels in der Firmengeschichte des Branchenriesen Electronic Arts.

Wie beim Vorgänger muss der Spieler die heimische Flora einsetzen, um Heim, Gartenhaus und Gehirn im entzückenden Zeichentrickstil gegen heranschlurfenden Zombies zu verteidigen. Dazu lassen sich unter anderem Erbsenkanonen und Kohlkatapulte einsetzen.

Halten Sie die Stellung!

Zu Beginn des Strategiespiels kommt man noch mit einfachen Mitteln wie dem Einsatz explodierender Kartoffeln als Tretminen weiter. Im Verlauf des Spiels muss man dann aus dem wachsenden Angebot an Verteidigungspflanzen die dem Anlass angemessenen auswählen. Es führt dann beispielsweise nur noch eine passende Kombination aus Flächenschaden und Verlangsamungseffekten zum Erfolg gegen die stetig wachsenden Horden der putzigen Untoten.

Neu sind bei "Plants vs. Zombies 2" Zeitreisen: Durch einen Bedienungsfehler an einer Zeitmaschine (die der Held des Spiels besitzt) landet der Spieler im alten Ägypten, später in der Karibik zur Zeit Jack Sparrows und im Wilden Westen. Am Spielprinzip ändern die wechselnden Epochen nichts Wesentliches: Im alten Ägypten sind die Angreifer eben bandagierte Mumien und man verteidigt keine Hütte, sondern eine Pyramide.

Neue Pflanzen, neuer Dünger, neue Superkräfte

Abgesehen davon sind die Unterschiede zum Vorgänger graduell: Ein paar neue Pflanzen sind hinzugekommen, darunter ein "Blumerang". Auch Spezialdünger ist jetzt zu haben. Der verleiht Pflanzen kurzfristig Superkräfte, um besonders brenzlige Stellen zu meistern: Erbsenkanonen werden etwa zum mächtigen Biomaschinengewehr, und Sonnenblumen liefern auf einmal ein halbes Dutzend Sonnen ab, die man benötigt, um neue Pflanzen auf der Strategiekarte zu platzieren.

Es gibt eine Reihe neuer Spezialfähigkeiten, mit denen sich die jeweils rund 20 Level pro Welt erfolgreich abschließen lassen: Für die im Spiel gesammelten Goldmünzen greift man zeitlich begrenzt ins Geschehen ein, enthauptet Zombies, räumt sie per Stromschock aus dem Weg oder wischt sie gar von der Spielfläche. All diese Neuerungen sind überschaubar; wer Teil eins kennt, kommt mit dem zweiten Teil sofort zurecht.

Das Spiel nervt mit immer neuen Kaufentscheidungen

Möglicher Spielverderber ist bei "Plants vs. Zombies 2" die Methode, mit der Electronic Arts Geld verdienen will. Das Spiel ist zunächst komplett kostenlos für iPhone, iPad und iPod Touch zu haben. Zahlen kann man für Erleichterungen (neue Pflanzen in Paketen zu 2,69 Euro) oder das unmittelbare Freischalten neuer Inhalte (drei Level für 1,79 Euro, eine komplette Spielwelt für 4,49 Euro). Im Spiel wird oft für diese Pakete geworben - das nervt auf Dauer.

Man kann "Plants vs. Zombies 2" durchspielen ohne zu bezahlen. Aber dazu braucht es viel Geduld. Völlig ohne Hilfsmittel und Beschleuniger ist das Spiel äußerst mühsam und langwierig, da man viele Level mehrfach absolvieren muss, um die vorgegebene Anzahl von Sternen, Schlüsseln und Münzen zu ergattern. Denn nur so lassen sich neue Spielabschnitte auf der 3-D-Übersichtskarte freischalten. Da kommt man doch schnell ins Grübeln, ob man sich diesen enormen Zeitaufwand nicht lieber spart und - natürlich nur mal ausnahmsweise - bezahlt.

Die Überlegung, ob sich in einer bestimmten Situation die Ausgabe lohnt oder nicht, ist auf Dauer ziemlich anstrengend. Das schmälert den Spielspaß und beschädigt den Charme des Spiels. Für den ersten Teil zahlte man einmal eine feste Summe und blieb danach unbehelligt. Bei "Plants vs. Zombies 2" wird man ständig daran erinnert, dass hier das neue Geschäftsmodell für manche Design-Entscheidung verantwortlich sein dürfte. Die Zombies jagen nicht mehr nur Gehirne, sie sind jetzt auch ständig hinter dem Geld her.

"Plants vs. Zombies 2: It's about time" von PopCap, Download für iPhone, iPad und iPod Toch, kostenlos im App Store, ab 9 Jahren

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insgesamt 25 Beiträge
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1.
susuki 28.08.2013
Ich scheitete am Tag 6 Wilder Westen, erster Stern. Halte ich aber für ein Bug. 70 Zombies töten innert 25 Sekunden scheint mir unmöglich, es sind schlicht nicht soviel da. Ich spiele ohne Erweiterungen, in 80% der Fälle gelingt mir der Stern im ersten Anlauf.
2. Da ist mir einmal bezahlen lieber...
glass88 28.08.2013
wie in der V1. Eine Frage an den Autor zu dem Satz "...- natürlich nur mal ausnahmsweise - bezahlt" Schreiben Sie eigentlich normalerweise unbezahlt oder - ausnahmsweise - werden Sie von SPON bezahlt? Zu viel Geiz ist geil Mentalität...
3. Schuld der Verbraucher
gogot421 28.08.2013
Schuld sind allein die Verbraucher. Mit den In-Game-Einkäufen verdienen die Hersteller nachweislich mehr als mit einer Einmalzahlung. Also wählen die Hersteller diesen Weg, wenn dadurch die Verbraucher bereit sind, mehr für ein Spiel zu bezahlen.
4. optional
lady_amanda 28.08.2013
Also mir sind Apps mit ingame Zahlsystem lieber, als vorab zu zahlende. Als Warte- und Pausenfüller gerade richtig. Bei Pros wirds allerdings schwierig und das Zahlsystem bedient Suchtgefährdete und davon gibt es wirklich sehr viele.
5. ...
holgrio 28.08.2013
Das Spiel spielt sich völlig problemlos ohne einen müden Cent zu bezahlen - mühsam ist was anderes. Und sind wir mal ehrlich: von irgendwas müssen die Entwickler ja auch leben. Abgesehen davon gebe ich gern 4 Euro Fuffzich auch und habe langen, mobilen Spielspaß - im Vergleich zu 60-Euro-Spielen für die Konsole ein Schnäppchen. Ja, der Vergleich hinkt, aber selbst für Nintendo zahlt man ja locker 25 Euronen bei mieser Grafik und veralteter Technik.
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