"Pokémon Go"-Erlebnisse unserer Leser "Schleich di! In meiner Garage san kaa Pokémons!"

Ein Jahr ist es her, dass "Pokémon Go" in den deutschen App-Stores landete. Wir haben unsere Leser gebeten, von Erlebnissen mit dem Spiel zu erzählen. Hier sind einige der Geschichten.

Niantic

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5390 gefangene Pokémon-Monster, knapp tausend gelaufene Kilometer: Mit diesen Eckdaten hat unser Autor Stephan Freundorfer am Donnerstag von seinem ersten Jahr mit "Pokémon Go" berichtet. Doch Freundorfer ist nicht der Einzige, den das Spiel in seinen Bann gezogen hat.

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Anlässlich von Freundorfers Artikel haben wir die SPIEGEL-ONLINE-Leser aufgerufen, uns von ihren Erlebnisse mit der Handy-App zu berichten. Hier ist eine Auswahl der spannendsten Mails und Facebook-Kommentare, die uns daraufhin erreicht haben:

Der Chef braucht eine Ausrede

"Ursprünglich habe ich mir die App nur mal so zum Spaß heruntergeladen", schreibt uns etwa ein Leser per Facebook. "Mittlerweile bin ich Level 31, habe circa 4500 Pokémon gefangen, spiele täglich und habe Spaß daran. Auf der Arbeit ist es momentan so, dass ich mit meinem Chef und meinem Mitarbeiter nach der Mittagspause noch auf einen 'Raid' gehe, um nahe gelegene Arenen zu besiegen."

Im August findet ein weltweites Event statt, schreibt der Leser weiter, daran wolle das Team teilnehmen. Sein Chef müsse sich jetzt eine Ausrede ausdenken, weshalb er an dem August-Wochenende in ein bestimmtes Einkaufszentrum muss: "Wenn er seiner Frau sagt, dass er 'Pokémon' spielen geht, weist sie ihn ein."

"450 Euro weggebuttert"

Auf Facebook zieht auch ein weiterer Leser Bilanz und schreibt: "1344 Kilometer gelaufen, 10.808 Pokémon gefangen, 1576 Eier ausgebrütet, 6.658.525 Erfahrungspunkte, 450 Euro weggebuttert." Ein anderer kommentiert: "1160,20 Kilometer, Level 34, 4.907.843 Erfahrungspunkte, 8280 Pokémon gefangen, 8130 Poké-Stops besucht, 228 Pokémon im Pokédex." Und ein dritter merkt an: "0 Kilometer gelaufen und 0 Monster gefangen."

Zwei Schülern beim Raid-Kampf geholfen

"Meine Frau und ich spielen von Anfang an 'Pokémon Go'", berichtet uns ein Leser aus Arnsberg. "Es ist spaßig, dass wir mit über 50 immer wieder ins Gespräch mit jugendlichen Spielern kommen, mit denen wir neuerdings auch zusammen Raid-Kämpfe bestreiten. Vor dem Aquafun in Soest wurden wir vor zwei Wochen von zwei Schülern angesprochen und gebeten, ihnen beim Raid-Kampf zu helfen."

Auch ein Leser aus Nürnberg schreibt uns per E-Mail: "Meine Frau und ich sind Ende 40." Die Tochter sei elf. "Die Eltern sind aktiver als das Kind."

"Viele neue Leute kennengelernt"

Per E-Mail meldete sich ein Leser, der nach eigenen Angaben bereits auf Level 40 ist: "Ich habe mir das Spiel kurz nach der Trennung von meiner langjährigen Freundin letztes Jahr runtergeladen", berichtet er. "Da ich in eine neue Stadt gezogen bin, hatte ich dort wenig soziale Kontakte. Als ich mit 'Pokémon Go' anfing, habe ich schnell viele neue nette Leute kennengelernt. Inzwischen sind wir etwa 50 aktive Spieler, die sich regelmäßig treffen und 300 in der gesamten Community. Wir machen viel zusammen, auch außerhalb von 'Pokémon Go', wie Geburtstage feiern und Städtereisen, etwa nach Kopenhagen und Oberhausen."

"Zur Hypezeit hatten wir den ganzen Tag Lärm"

Doch nicht jeden hat "Pokémon Go" nur begeistert: "Ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass dieser Hype noch mal abgeflaut ist", schreibt ein Facebook-Nutzer. "Wir wohnen an einem eigentlich sehr ruhigen Ort in einer Stadt, allerdings sind hier rund ums Haus etwa vier bis fünf Poké-Stops verteilt, das heißt: Zur Hypezeit hatten wir den ganzen Tag Lärm von kleinen Gruppen von Quietschies, die sich mit ihren Rucksäcken voller Proviant und Batterypacks hier wie Mücken um den Kompost geschart haben."

Und ein Leser aus dem Hamburger Speckgürtel schreibt uns per E-Mail: "Gern hätte ich auch mehr von den Monstern gefangen, aber irgendwann hatte ich ein Problem: keine Poké-Bälle mehr. Gut, das kennt jeder, aber nach einem Level-up hat man ja in der Regel wieder welche. Und man findet sie in den Poké-Stops.… Poké-was? Ja genau, in meiner 'Stadt' gibt es davon nämlich genau drei!"

"Einen beim Supermarkt, ein Kilometer von meiner Wohnung weg, einen hinten bei der Schule und einen bei der Straße zur Autobahn, wo man also meistens mit Tempo 70+ vorbeifährt, was zu schnell ist fürs rechtzeitige Einsammeln", erzählt der Leser weiter. "Ich hab manchmal schon daran gedacht, extra nach Hamburg rein zu fahren oder meine Fahrradtouren so zu legen, dass ich mehr Poké-Stops finde. Aber das alles ist doch reichlich viel Aufwand für ein so simples Spiel."

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"Poké-Stops Sankt Elisabeth"

Gespielt wird "Pokémon Go" noch an vielen Orten. Ein Facebook-Nutzer behauptet, das Spiel sei etwa in Altersheimen beliebt: "Gibt auch schon Wettkämpfe zwischen Caritas und dem Roten Kreuz." Jemand anders kommentiert: "Es war noch nie so einfach, die lieben Kinder dazu zu bringen, sich Sehenswürdigkeiten anzusehen oder sie gar zum Laufen zu animieren - vorausgesetzt, es gab da Pokémon."

Ein Leser aus Saarbrücken hat uns per E-Mail folgende Anekdote geschickt: "Herbst 2016, der Sohnemann eines Freundes war in den falschen Schulbus eingestiegen, bemerkte seinen Fehler und stieg irgendwo auf halber Strecke aus. Anruf zu Hause beim Papa: 'Ich habe mich verlaufen, kommst du mich abholen?' - 'Ja, wo bist du denn?' - 'Keine Ahnung, hier gibt's 'nen Poké-Stops, der heißt Sankt Elisabeth.' - 'Okay, bin gleich da.'"

"Gut, das hätte mit Google Maps auch funktioniert", schreibt der Leser noch dazu. "Aber wenn Portale und Poké-Stops näher an der Lebenswelt der jungen Hüpfer dran sind, ist das doch ein sinnvoller Zusatznutzen."

"Schleich di! In meiner Garage san kaa Pokémons!"

Eine Leserin aus Poing schreibt uns, dass die folgende Geschichte nicht ihr, sondern ihrem Schwiegervater passiert sei, vergangenen Sommer, als auf allen Kanälen vom 'Pokémon-Hype' berichtet wurde:

"Schwiegervater im gesetzteren Alter tritt also abends gegen acht Uhr vor die Haustür, der Biomüll muss ja auch mal raus. Er sieht sich einem jüngeren, ihm unbekannten Mann in Freizeitklamotten gegenüber, der vor der ans Haus angrenzenden Einzelgarage steht und konzentriert auf sein Handy starrt. Schwiegervater ist etwas pikiert, weil der einfach durch die geschlossene Gartentür auf sein Grundstück marschiert ist. Auf die Frage, was er hier mache, kann sich der Mann wegen mangelnder Deutschkenntnisse nur schwer verständlich machen.

Er zeigt mehrmals auf sein Handy, gestikuliert und sagt immer wieder 'Poké, Poké'. Schwiegervater dämmert, dass das einer von den "Verrückten aus dem Fernsehen" sein muss. Mit einem bayerisch-klassischen "Schleich di! In meiner Garage san kaa Pokémons!" gibt er dem Mann sodann zu verstehen, dass dieser bitte umgehend das Privatgrundstück verlassen möge.

Das bringt den Mann nur dazu, noch hektischer auf sein Handy zu deuten und 'Poké, Poké' zu rufen. Schwiegervater wird langsam richtig sauer und wiederholt sein Anliegen in deutlich höherer Lautstärke. Aber jetzt fällt ihm auf, dass neben dem Mann auf dem Boden ein Pappkarton steht. Und an dem Handy hängt ein Kabel mit Stift dran. Der arme Kerl war nur ein Paketbote in Zivil, der das Wort 'Paket' nicht richtig aussprechen konnte. Er hat es dann doch noch zustellen dürfen."

"Auf dem Land gibt es nur Phantome"

Ein Radiojournalist aus Karlsruhe berichtet uns, er habe schon 12.380 Monster gefangen und sei nach 1518 Kilometern auf Level 33. "Bei mir ist 'Pokémon Go' Freizeitspaß", schreibt er: "Meine einjährige Tochter freut sich, dass Papa sie jederzeit im Kinderwagen durch das Dorf schiebt." Ein Gemeinschaftsgefühl stelle sich dort, wo er wohnt, aber nur selten ein: "Auf dem Land gibt es nur Phantome", schreibt der Monsterjäger: "Einige spielen es, aber man sieht nie jemanden."

Gefühlt alle über 30

Eine weitere Leserin, die gern mit ihrem Verlobten die Umgebung erkundet, trifft dagegen häufiger andere Spieler: "Bei einem Raid habe ich von Wildfremden Akkuladung bekommen, als ich nur noch sechs Prozent Akku hatte und gerne auch mitkämpfen wollte", schreibt sie uns per E-Mail. "Die Gemeinschaft ist super, vor allem, seit die Spieler eigentlich alle über 30 Jahre alt zu sein scheinen."

Aus Göttingen berichtet uns noch eine Leserin, sie habe "Pokémon Go" nur zwei Monate mit Begeisterung gespielt, diese seien aber eine "besondere Erfahrung" gewesen. "Plötzlich hatten unser 21-jähriger Azubi und ich die gleiche Freizeitbeschäftigung", erzählt sie.

Ein besonderer Ort sei zur Hype-Zeit der alte jüdische Friedhof der Stadt gewesen: "Dort saßen bei schönem Wetter so viele Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft", schreibt die Leserin. "Alle spielten das gleiche Spiel, und man hat mit Leuten geredet, die man sonst nicht einmal wahrnimmt."

Letzte Woche war die Leserin dann aber noch einmal am Friedhof: "Ich war ganz allein", schreibt sie. "Keine 'Pokémon Go'-Spieler mehr."



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
pirx64 16.07.2017
1.
Zum Glück ist das vorbei, diese infantilen grenzdebilen nervtödenden Störer gingen einem nur auf die Neven, immer und überall.
metastabil 16.07.2017
2.
Zitat von pirx64Zum Glück ist das vorbei, diese infantilen grenzdebilen nervtödenden Störer gingen einem nur auf die Neven, immer und überall.
Ja, Menschen, die sich an der frischen Luft bewegen und Spaß haben. Schrecklich sowas.
pirx64 16.07.2017
3.
Zitat von metastabilJa, Menschen, die sich an der frischen Luft bewegen und Spaß haben. Schrecklich sowas.
Ja, wenn Sie auf Konzerten und Veranstaltungen stören. Ja, wenn Sie in Gärten und Höfe eindringen. Ja, wenn Sie durch die Strassen fahren (Rad, Auto) und mehr auf das Smartphone schauen wie auf den Verkehr. Ja, wenn Sie vor lauter auf das Smartphone starenn Leute über den Haufen rennen. Ja, wenn Sie mit Autos in für öffentlichen Verkehr gesperrte Strassen reinfahren. Usw. usf.
uliwpr 16.07.2017
4.
Die gute deutsche Muffigkeit. Lass nur niemanden der Häkeldecke zu nahe kommen. Oh, ich trete auf den gepflegten Rasen und ein paar Halme knicken um! Gleich die Polizei rufen! Mensch, Leute. Es macht Spass. Man läuft. Man hat manchmal Kontakt mit anderen Menschen, die sogar dreidimensional und lebendig sind! Ich bin bei Level 33 und hab immer noch genauso viel Spass wie am Anfang. Vielleicht sollten die Spiesser mal einfach selber spielen...
Beinlausi 16.07.2017
5. Ach, Handynutzer?
Zitat von pirx64Ja, wenn Sie auf Konzerten und Veranstaltungen stören. Ja, wenn Sie in Gärten und Höfe eindringen. Ja, wenn Sie durch die Strassen fahren (Rad, Auto) und mehr auf das Smartphone schauen wie auf den Verkehr. Ja, wenn Sie vor lauter auf das Smartphone starenn Leute über den Haufen rennen. Ja, wenn Sie mit Autos in für öffentlichen Verkehr gesperrte Strassen reinfahren. Usw. usf.
Speziell die, die die Kamera, Navi, Whatsapp und so benutzen?! Dass man dabei nicht fahren soll, sagt die App sogar. Auch, dass man auf die Umgebung achten muss. Idioten sind Idioten, Realitätsverlust ist pathologisch. Und bis auf irgendwelche Grundstücke zu betreten (wobei Pokémon GO sogar den Schutz von Privatgrundstücken immer wieder betont), ist das alles kein Verhalten, das die Nutzer dieser App von denen anderer unterscheidet. Das ist vom Spiel unabhängig, denke ich.
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