Für Android und iOS "Pokémon Go" jetzt auch offiziell in Deutschland

Spieler laufen durchs Krankenhaus und auf Bahngleise: "Pokémon Go" sorgt vielerorts für Chaos - bringt aber auch Menschen zusammen. Jetzt gibt es das Spiel auch in Deutschland, für iOS und Android.

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"Pokémon Go" ist nun auch offiziell in Deutschland verfügbar. Seit Mittwochvormittag lässt sich das Spiel im Play Store von Google und im Apple AppStore herunterladen. Bislang war das Spiel hierzulande nur über Umwege erhältlich.

"Pokémon Go" zählt gerade zu den beliebtesten Apps überhaupt - doch das Spiel sorgt auch für Konflikte. Aus Spielersicht lohnt es sich nämlich fast überall, sein Smartphone zu zücken, um Gegenstände und Pokémon zu sammeln.

Die Grundzüge des Spiels sind hier in der Fotostrecke erklärt:

Verärgerung gibt es zum Beispiel bei einigen Gedenkstätten in den USA: Viele dieser Orte haben die Entwickler als besondere Schauplätze in die Spielwelt von "Pokémon Go" integriert, nun locken sie Pokémon-Jäger an. Der Arlington-Ehrenfriedhof in Washington hat seine Besucher per Twitter aufgefordert, das Spielen von "Pokémon Go" auf dem Gelände zu unterlassen. Es sei unangemessen.

Auch das Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt appellierte an seine Besucher, respektvoll beim Einsatz von Technik zu sein. Man versuche, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen, erklärte ein Sprecher dem Sender NPR.

Schon bei "Ingress" gab es Ärger

In der App für Android und iOS sind "Pokémon"-Figuren in der realen Welt verteilt, ein Spieler muss in der Nähe sein, um sie auf dem Smartphone-Bildschirm zu sehen und fangen zu können. Die Entwickler - Nintendos Pokémon Company und die Spielefirma Niantic Labs - geben die Möglichkeit, unangemessene Orte zu melden.

Niantic - das Unternehmen war damals noch eine Google-Tochter - hatte vergangenes Jahr schon einmal ähnlichen Ärger, in Deutschland. Im ebenfalls ortsbasierten Spiel "Ingress" wurden einige der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Konzentrationslagern der Nazis platziert. Nach Kritik wurden die Portale schnell aus der Nähe der Stätten entfernt. "Pokémon Go" greift auch auf Datenbanken von "Ingress" zurück.

Unterdessen meldete die Polizei der A&M University in Texas sogar einen Auffahrunfall im Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer stellte seinen Wagen regelwidrig ab, um auszusteigen und ein Pokémon zu fangen, wie die Polizei bei Twitter erklärte. Ein anderes Auto fuhr von hinten auf.

Dieses Video zeigt, wie in Los Angeles gespielt wird:

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In Deutschland war "Pokémon Go" bis Mittwoch nur inoffiziell erhältlich, etwa per Download über den US-App-Store von Apple oder Google. Nichtsdestotrotz waren auch in Deutschland schon viele "Pokémon"-Jäger unterwegs. In einigen Städten wie Berlin und Hamburg werden per Facebook sogar "Pokémon"-Nachtwanderungen geplant, soziale Events für Fans des Spiels.

Diesen sozialen Aspekt des Spiels sollte man tatsächlich nicht vergessen. "Pokémon" sorgt für Gesprächsthemen und auch für ein Wir-Gefühl. Obwohl die App bislang vergleichsweise wenig direkte Interaktion mit anderen ermöglicht, gehen viele Spieler längst gemeinsam auf die Suche nach Monstern.

Drei Teams kämpfen um Macht

Wie bei beliebten Geocaching-Orten gibt es viele Spiel-Schauplätze, an denen sich Spieler treffen und oft auch miteinander ins Gespräch kommen. In Onlineforen wird über die besten Fangmethoden und gute Plätze zum Monsterfangen diskutiert.

Im Spiel gibt es insgesamt drei Teams, denen man sich anschließen kann: Intuition (gelb), Weisheit (blau) und Wagemut (rot). Im Namen und für Ruhm und Ehre dieser losen Gruppierungen lassen sich Arenen erobern und gegen andere Teams verteidigen. So kämpft man für und gegen andere, direkte Duelle an jeder Straßenecke sind bislang aber nicht möglich.

Mancherorts ist man aber wohl ganz froh, dass der Funktionsumfang des Spiels bislang noch nicht sonderlich breit ist. Sonst würden die Spieler wohl noch mehr Zeit an manch unpassendem Ort verbringen. In den Niederlanden zum Beispiel sah sich gerade das Akademische Medizinische Zentrum (AMC) in Amsterdam gezwungen, Besucher aufzufordern, beim Spielen von "Pokémon Go" nicht mehr in nichtöffentliche Bereiche des Krankenhauses einzudringen.

Vorsicht, Gleise

"Es gibt tatsächlich ein krankes Pokémon im AMC, aber wir sorgen gut für es. Bitte besucht es nicht", teilte die Klinik online mit. Beigefügt war ein Bild der Pokémon-Figur Pikachu neben einer Taschentücher-Box.

"Seit gestern ist uns aufgefallen, dass junge Leute mit Smartphones im Gebäude herumlaufen und in Bereiche gehen, in denen sie nicht sein sollten", sagte die AMC-Sprecherin Loes Magnin der Nachrichtenagentur AFP. Einige Spieler hätten sich sogar im Keller des Krankenhauses wiedergefunden, wo unter anderem Kleidung desinfiziert wird. "Die Patienten brauchen Ruhe und Erholung", mahnte Magnin.

Auch die niederländische Bahn-Aufsicht ProRail bat Nintendo um Änderungen an der Spiele-App, nachdem manche Spieler unwissentlich auf Gleise geraten waren.

Laut einem Bericht des niederländischen Rundfunks gingen in den vergangenen Tagen zudem bei der Polizei Beschwerden über verdächtige Mobilfunknutzer ein, die Häuser fotografieren. Der Verdacht, es handele sich um Einbrecher, die neue Ziele auskundschafteten, erhärtete sich nicht. Die auffälligen Handynutzer entpuppten sich vielmehr als Pokémon-Jäger.

Update, 10.40 Uhr: Wir haben nachträglich die Information eingebaut, dass auch die iOS-Version erhältlich ist.

mbö/dpa



insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
cyoulater 13.07.2016
1. ;-)
Immerhin kommen die Leute so wieder mal an die frische Luft. Und, naja, wer auf's Smartphone glotzend auf Gleise oder Straßen stapft, der merkt vermutlich bald den Unterschied zwischen virtueller und realer Welt.
klima66 13.07.2016
2. Unwissend auf Gleise ?
Normalerweise sind Gleise als solche optisch ganz gut erkennbar. Wenn nun einer mit starrem Handy-Blick in einen Zug läuft, dann kann man auch nicht mehr helfen. Man könnte natürlich auch alle Bäche und Flüsse zubrettern um den Pokémon-Spielern zu helfen. Und für den Straßenverkehr bekommen alle Spieler ein gelbe Rundumkennleuchte auf den Kopf :)
p2063 13.07.2016
3.
ich verstehe bis heute nicht, dass man die Ingress-Portale z.B. in Konzentrationslagern unbedingt entfernen musste. Das hat mit Ausnahme von ganz wenigen deren Horizont (man verzeihe mir die Formulierung) nicht über den Rand des Lagers hinaus geht gestört. Ganz im Gegenteil: Es hat sogar Leute dazu gebracht diese Stätten zu besuchen, die sich ohne Ingress nicht dafür interessiert hätten. Davon abgesehen sind die meisten Ingresser auch Leute, die sich zu benehmen wissen. Zumindest mal besser und interessierter als die Schulklassen die jedes Jahr gezwungenermaßen in ihrem Ausflugsprogramm durchgeschleust werden und das nur mit machen weil sie dadurch einen tag frei haben. Man sollte doch froh um jeden sein, der vorbei kommt um sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Abgesehen davon fehlt mir bei Pokemon Go Spielern generell die Dankbarkeit, dass wir Ingresser überhaupt euer Spiel kreiert haben. Vor 3 Jahren habt ihr über uns gelacht weil wir "nur auf unser Handy starren" und jetzt tut ihr es selbst, in einem Spiel das viel weniger Möglichkeiten hat, viel weniger Wert auf Teamplay und taktische Planung legt, bloß weil Pokemon drin sind.
schizos 13.07.2016
4. entweder
schon wieder raus aus dem Store oder es wird nach und nach veröffentlicht
themistokles 13.07.2016
5. Bitte was?!?!
Zitat von p2063ich verstehe bis heute nicht, dass man die Ingress-Portale z.B. in Konzentrationslagern unbedingt entfernen musste. Das hat mit Ausnahme von ganz wenigen deren Horizont (man verzeihe mir die Formulierung) nicht über den Rand des Lagers hinaus geht gestört. Ganz im Gegenteil: Es hat sogar Leute dazu gebracht diese Stätten zu besuchen, die sich ohne Ingress nicht dafür interessiert hätten. Davon abgesehen sind die meisten Ingresser auch Leute, die sich zu benehmen wissen. Zumindest mal besser und interessierter als die Schulklassen die jedes Jahr gezwungenermaßen in ihrem Ausflugsprogramm durchgeschleust werden und das nur mit machen weil sie dadurch einen tag frei haben. Man sollte doch froh um jeden sein, der vorbei kommt um sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Abgesehen davon fehlt mir bei Pokemon Go Spielern generell die Dankbarkeit, dass wir Ingresser überhaupt euer Spiel kreiert haben. Vor 3 Jahren habt ihr über uns gelacht weil wir "nur auf unser Handy starren" und jetzt tut ihr es selbst, in einem Spiel das viel weniger Möglichkeiten hat, viel weniger Wert auf Teamplay und taktische Planung legt, bloß weil Pokemon drin sind.
Ist das jetzt wirklich ihr ernst? Sie finden es also völlig OK, wenn man an KZ- Gedenkstätten mit seinem Smartphone spiele spielt? Sind Sie (und andere) wirklich so unsensibel und respektlos? Es ist ein SPIEL. Und das kann man auch mal weglegen. Und die Entwickler mal Gedanken machen, wie man so etwas verantwortungsvoll programmiert.
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