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14. September 2017, 09:08 Uhr

"PES 2018" im Test

Wie Messi im Darmstadt-Trikot

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Hübscher, spannender, langsamer: Die Fußballsimulation "Pro Evolution Soccer 2018" ist auf dem Platz merklich anders als ihr Vorgänger. Aber spielt sie sich auch besser? Wir haben den "Fifa"-Konkurrenten ausprobiert.

Eines vorweg: Wer gehofft hatte, dass sich bei "Pro Evolution Soccer 2018" ("PES 2018") endlich einmal auch alle Bundesligamannschaften spielen lassen, wird enttäuscht. Kein FC Bayern also, Hersteller Konami besitzt weiter nicht die nötigen Lizenzen, allein Dortmund, Schalke und Leipzig sind spielbar.

Diesen Artikel so einzuleiten ist riskant. Schließlich dürfte genau dieser Mangel an echten Team- und Spielernamen einer der Hauptgründe dafür sein, warum sich "PES" so viel seltener verkauft als das Produkt des Dauerrivalen aus dem Hause EA Sports mit seiner "Fifa"-Reihe.

EA Sports, das sind die mit den Lizenzen, der tollen Präsentation und den interessantesten Online-Modi. Die, die im vergangenen Jahr mit dem packenden Story-Modus und davor mit Frauenteams für Innovation im Bereich der Fußballsimulationen sorgten.

Die spannendste Neuerung bei "PES 2018" dagegen ist eigentlich gar keine: der Zufallsmodus. Hierbei werden aus vorher eingrenzbaren Pools mehr oder weniger zufällig Spieler gewählt, aus denen man sich dann seine Wunschmannschaft fürs anstehende Duell zusammenbaut. Auf der anderen Seite steht dabei ein ebenfalls zusammengewürfelt wirkendes Team, mit Stars oder Durchschnittspielern aus allerlei Ligen und Ländern. So ähnlich gab es den Modus schon vor elf Jahren, bei "PES 6".

Gesammelte Informationen zu den Neuerungen und zur überarbeiteten PC-Version finden Sie in dieser Bilderstrecke:

Dass der Zufallsmodus nun zurückkommt, ist zwar begrüßenswert, einen Haken hat das Ganze aber: Die Zufallspartien sind bis auf Weiteres nur offline möglich - das wirkt lieblos und unausgereift und passt nicht ins Jahr 2017.

So etwas ist nichts Neues für Kenner der Spielreihe. Für Konami zählt offenbar allein das Gameplay. Das immerhin ist tatsächlich nochmal besser geworden. Das Geschehen auf dem Platz wirkt dank geringeren Tempos und verbesserter Physik realistischer. Von der Spielgrafik und dem Spielgefühl abgesehen, könnte "PES 2018" jedoch auf allen Gebieten besser sein.

Das Menü wird zwar etwas eleganter präsentiert als bei den Vorgängern, vom hochwertigen "Fifa"-Look bleibt "PES 2018" aber weit entfernt. In der von uns getesteten Playstation-4-Version lief zudem nicht alles rund. Manches kleine Problem wird sich per Update schnell ausmerzen lassen - so soll etwa Superstar Neymar per Transfer-Update am Donnerstag noch schnell auch digital von Barcelona nach Paris transferiert werden -, manche Lieblosigkeit aber könnte wohl auf Dauer stören.

Eine "Warnung" als Gelbe Karte

So erhalten Spieler nach Fouls zum Beispiel eine "Warnung" statt einer Verwarnung. Und während einer Begegnung tröteten die traditionell stümpernden Kommentatoren bei nahezu jedem Ballkontakt des Starstürmers denselben Satz: "Das ist der Hurricane himself, Harry Kane". Das ist nicht kreativ und fängt schnell an, zu nerven.

Insgesamt kommt "PES 2018" daher wie Lionel Messi im Trikot des SV Darmstadt. Ein im Kern wirklich gutes Spiel wurde - mal wieder - in einen Rahmen gepresst, der ihm nicht würdig ist. Fans der "PES"-Serie sind diesen Kummer gewohnt. Hauptsache, es spielt sich realistisch, sagen viele, schielen dann aber doch neidisch in Richtung "Fifa".

Um Ihnen mehr als eine Meinung zu "PES 2018" präsentieren zu können, haben wir gleich mehrere Fußballspielfans aus der Redaktion das Spiel ausprobieren lassen. Hier finden Sie noch Ihre persönlichen Einschätzungen:

"Pro Evolution Soccer 2018" von Konami, für PS4, Xbox One, PC, PS3 und Xbox 360; ca. 60 Euro.

Wir haben die Jahresangabe zur Einführung der Frauen-Teams in EAs "Fifa"-Serie korrigiert - es gibt sie schon seit "Fifa 16".

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