Von Judith Horchert
Ich stehe in der Wüstenstadt und mache mir Gedanken. Professor Layton hat mir ein Rätsel aufgegeben: "A und B haben ein Kartenspiel über zehn Runden gegeneinander gespielt. Die Regeln: Beide ziehen eine Karte. Feuer schlägt Holz, Holz schlägt Wasser und Wasser schlägt Feuer. Insgesamt zog A dreimal Feuer, fünfmal Holz und zweimal Wasser. B zog zweimal Feuer, fünfmal Holz und dreimal Wasser. Ein Unentschieden kam nicht vor. Wer hat gewonnen?"
Es ist das 29. von insgesamt 130 Rätseln, die ich zu lösen habe, wenn ich "Professor Layton und die Maske der Wunder" durchspielen will. Und das will ich unbedingt. Die ersten Teile habe ich schon begeistert durchgespielt, meine Nintendo DS lag abgesehen davon das Jahr über ungenutzt herum. Nun habe ich mir extra das Nachfolgemodell Nintendo 3DS besorgt, um den neuesten "Layton"-Teil zu knacken.
Professor Layton und ich sind alte Freunde. Wir haben uns in einem kleinen Dorf kennengelernt und sind seitdem viel herumgekommen: Wir stromerten durch London und reisten durch die Zeit, saßen im geheimnisvollen Molentary Express oder in Laytons altem Auto, wir haben das Geheimnis von Misthallery gelüftet und einen goldenen Garten gefunden.
Gentleman gegen Gentleman
Jetzt sind wir in Monte D'Or, einer Vergnügungsoase mitten in der Wüste, die wie ein kleines Las Vegas wirkt. Hier wird Karneval gefeiert, es gibt Spielkasinos und jeden Abend eine Parade. Uns aber führt nicht das Vergnügen hierher, sondern - wie so oft - ein Hilferuf per Brief. Ein maskierter Gentleman treibe sein Unwesen in der Stadt, schrieb Laytons alte Freundin Angela. Dieser mysteriöse Bösewicht verwandelt offenbar Touristen in Pferde oder in Statuen - und niemand kann ihm Einhalt gebieten. Der Professor soll der Stadt jetzt helfen.
Zwar ist Hershel Layton kein Detektiv, sondern Ärchaologe. Trotzdem wird er oft zur Hilfe gerufen, weil er Rätsel liebt und jeden kniffligen Fall löst. Dabei ist er stets tadellos gekleidet, mit dunklem Mantel und großem Zylinder. Und er benutzt Wendungen wie "famos", "vortrefflich" oder "die Probe aufs Exempel".
Stets an seiner Seite ist der kleine Junge Luke, der sich selbst zu Laytons Gehilfen ernannt hat. Später kam auch noch Emmy dazu, die Assistentin des Professors. Ein wenig merkwürdig mutet es schon an, dass sich der erwachsene Mann ständig mit einem Jungen umgibt, der übrigens der Sohn eines Freundes ist. Aber in der fünften Folge - und übrigens zweiten Trilogie - der komplexen Layton-Saga hinterfrage selbst ich die Besetzung nicht mehr.
Abgedrehte Geschichten statt Aha-Effekt
Der eigentliche Fall ist nur die Rahmenhandlung, in die so viele Kniffeleien eingebettet sind, wie gerade so reinpassen. Alle paar Schritte stößt man auf ein Rätsel, man sollte also wirklich Spaß haben am Knobeln. Das übergeordnete Problem löst man eher indirekt, nur wenige Rätsel tragen wirklich zur Handlung bei. Die Geschichte löst sich währenddessen quasi von allein, durch Filmsequenzen mit zum Teil überraschenden Wendungen.
Einige Rätsel müssen allerdings gelöst werden, sonst geht es nicht weiter. Außerdem muss man sich überall genau umsehen und nicht nur Hinweismünzen einsammeln, sondern auch die versteckten Rätsel. Denn an einigen Stellen geht es so lange nicht voran, bis man eine bestimmte Anzahl gelöster Rätsel vorweisen kann. Am Spielablauf hat sich insgesamt wenig geändert. Die wichtigsten Neuerungen:
Klug um die Ecke denken
Was die Professor-Layton-Serie so zauberhaft macht, sind die liebevollen Details. Es gibt jede Menge zu entdecken und an jeder Ecke verstecken sich Überraschungen. Es wird nie langweilig. Auch die Rätsel sind schön variantenreich. Mal muss man rechnen, mal Blöcke schieben, Pinguine schubsen oder Fehler suchen - und oft einfach klug um die Ecke denken.
Die ersten 30 Rätsel frage ich mich zwar - wie immer -, warum ich mich mit einem Spiel beschäftige, das offensichtlich für Kinder gedacht ist. Das hört aber schon bald auf. Die Rätsel werden schwerer, manchmal muss ich mir für die Hinweismünzen Tipps kaufen, und manchmal, etwa bei einem schwierigen Schiebepuzzle, pfeffere ich die Nintendo 3DS samt Professor wütend in die Ecke oder drücke sie jemandem in die Hand, der sich besser auf Schiebepuzzles versteht als ich.
Denn auch das ist das Charmante an dem Spiel: Die Familie kann mitspielen und ihre Talente einbringen. Ist ein Rätsel zu schwer, kann man das Gerät weitergeben oder gemeinsam überlegen und einen Lösungsweg suchen. So kommt man übrigens schnell darauf, dass bei Rätsel Nummer 29 der Spieler A gewonnen haben muss. A zog fünfmal Holz und hat dabei dreimal gewonnen und zweimal verloren. Auch als B Holz zog, gewann A dreimal und verlor zweimal. Ganz vortrefflich gelöst.
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