"Rainbow Six Siege" Spielentwickler greifen durch gegen Hass und Rassismus

In den Chats von Spielen geht es oft rabiat zu - und nicht selten fallen dabei beleidigende oder rassistische Kommentare. Die Macher eines Shooters wollen mit einem neuen Sperrsystem dagegenhalten.

"Rainbow Six Siege"
Ubisoft

"Rainbow Six Siege"


Wer oft Online-Videospiele spielt, kennt das Problem: Viele Gamer sind faire Gegner oder Mitspieler, andere jedoch wühlt der Nervenkitzel eines Mehrspieler-Duells offenbar zu sehr auf, um klar im Kopf zu bleiben - oder sie sind einfach hasserfüllte Menschen. Jedenfalls fallen immer wieder Äußerungen in Chats, die zum Beispiel frauenfeindlich, homophob oder rassistisch sind.

Die Entwickler von "Rainbow Six Siege" haben sich nun vorgenommen, in ihrem Online-Shooter stärker gegen solche problematischen Chat-Beiträge vorzugehen. Per Reddit-Beitrag gab ein Vertreter des "Siege"-Teams bekannt, dass in der PC-Version des Spiels ab dieser Woche ein neues Sperrsystem zum Einsatz kommt.

Spielern, die durch "rassistische und homophobe Beleidigungen oder Hassrede" auffallen, drohen demnach Sperren von zwei, sieben oder 15 Tagen. Für ihre Äußerungen können Spieler sogar dauerhaft von den Onlinepartien ausgeschlossen werden. Man habe schon in der Vergangenheit Spieler wegen "toxischen Verhaltens" gesperrt, betont der Moderator des Reddit-Forums zum Spiel, mit dem neuen System arbeite man nun aber effizienter.

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Sprachaustausch: Voice-Chat in Spielen

Damit die Dauer der Sperre zum Vergehen passt, wollen die Macher des Spiels nachverfolgen, wie oft jemand gegen dessen Verhaltenskodex verstößt. In diesem Kodex aus dem Mai 2016 heißt es recht breit gefasst: "Jegliche Ausdrucksweise oder Inhalte, die als illegal, gefährlich, bedrohend, beleidigend, anzüglich, vulgär, rufschädigend, hasserfüllt, rassistisch, sexistisch, ethisch anstößig oder belästigend erachtet werden, sind verboten." Diese Regel gelte für die Foren zum Spiels, wird im Kodex klargestellt, ebenso aber für den In-Game-Chat und den Sprachchat.

Sperre per Pop-up erklärt

Wer im Spiel gesperrt wird, soll künftig durch ein Pop-up-Fenster darüber informiert werden, dass die Sperre mit seinem "toxischen Verhalten" zusammenhängt, heißt es nun im Reddit-Beitrag. Das neue System sei nur der erste Schritt dazu, einen richtigen Umgang mit dem schlechten Benehmen einiger "Siege"-Spieler zu finden.

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Von einem Reddit-Nutzer gefragt, ob das Kommunikationssystem des Spiels problematische Äußerungen automatisch erkennt, heißt es vom Forums-Moderator, man sei nicht zwingend auf Nutzerbeschwerden beim Kundenservice angewiesen. Diese könnten aber helfen, zu einer schnelleren Lösung zu führen.

Und noch eine offenbar dringliche Nutzerfrage ist bereits geklärt worden: ob man im Chat jetzt eigentlich noch das Wort "Fuck" verwenden dürfe. Man darf. "Nein, Fuck ist kein verbotenes Wort", schreibt der Moderator dazu. Und in einem weiteren Kommentar stellt er klar: "Wir verstehen, dass es sich um ein kompetitives Spiel handelt, bei dem eine gewisse Menge an Schimpfwörtern und Trashtalk benutzt wird."

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mbö

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insgesamt 17 Beiträge
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urmedanwalt 06.03.2018
1. Vernünftige Idee
Zwar nur "ein erster Schritt", aber ich finde den Ansatz richtig. Jede community braucht Regeln. Andererseits sollten diese auch klar kommuniziert werden. Und vor dem ban sollte auch eine Abmahnung erfolgen, damit der User nicht überrascht wird. Bin gespannt, wie sich das entwickelt.
Nobody X 06.03.2018
2. Wenn man auf diesen Quatsch gänzlich verzichten würde,
dann bräuchte man an sowas keine Gedanken verschwenden.
neejah 06.03.2018
3.
seit es keine privaten Server mehr gibt und alles nur noch im rechtsfreien Raum der öffentlichen Server gespielt werden kann, ist der Umgangston innerhalb der Community so unangenehm geworden, dass ich jegliche Lust auf Onlinespiele verloren habe. Früher wurde auch geflamed und allerhand Quatsch geschrieben, aber mit einem vernünftigen Kickvote oder einem aktiven Admin war das alles sehr schnell regelbar. Heute muss man sich auf elektronische Helferlein verlassen oder auf die Breitschaft des Konzern. Auf unserem Server wurde jeder, der meinte, seine rassistischen Tendenzen oder anderen beleidigenden Müll verbreiten zu müssen, permanent gebanned. Schaut man sich mal einen durchschnittlichen Server bei BF1 an, dann werden Türken, Russen, Deutsche, Araber, Schwule, Lesben und so ziemlich jede sonstige Bevölkerungsgruppe aufs Übelste beleidigt, kaum das die Runde gestartet ist. Und was passiert? Nix! Selbst Antisemitische Äußerungen werden toleriert, auf Meldungen passiert... na, Sie ahnen es, NIX!
julia.hiltscher 06.03.2018
4. Kein Quatsch
Zitat von Nobody Xdann bräuchte man an sowas keine Gedanken verschwenden.
Computerspiele sind Kultur und kein Quatsch
radioactiveman80 06.03.2018
5. Super Entscheidung!
Ich darf meinem Gegenüber weiterhin die Birne wegschiessen, solange ich seine Gefühle nicht vorher durch frauenfeindliche oder homophobe Sprüche verletze. Political Correctness at it‘s best!
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