Raspberry Pi: So wird der 40-Euro-Rechner zum C64-Emulator

Von Sebastian Sponsel

Oldie-Rechner: So kommt der Raspberry Pi ins Sinclair-Gehäuse Fotos
Linux Format, Future Publishing Ltd.

Amiga, C64, Dos: Auf dem Billig-Rechnerchen Raspberry Pi laufen viele alte Spiele für längst überholte Systeme. Kostenlose Software verwandelt den Mini-Rechner in einen Retro-Spielecomputer, der am Fernseher oder Monitor hängt. Das Spielemagazin "PowerPlay" erklärt, wie das geht.

Der scheckkartengroße Billig-Computer Raspberry Pi ist für moderne Spiele zu schwach. Aber das 40-Euro-Rechnerchen ist schnell genug für Oldie-Spiele. Auf der nur acht mal fünf Zentimeter großen Platine befinden sich ein mit 700 MHz getakteter ARM-Prozessor und wahlweise 256 oder 512 Megabyte Arbeitsspeicher. Als Festplatte dient eine mindestens zwei Gigabyte große SD-Karte, mit einem USB-Stick schafft man zusätzlichen Datenspeicher. Per HDMI- oder S-Video-Kabel wird ein Monitor oder - wie in alten Heimcomputer-Tagen - ein Fernseher als Bildschirm angeschlossen.

Kleiner Rechner, große Wirkung

Für das Betriebssystem des Raspberry Pi, eine leicht abgewandelte Debian-Distribution namens Raspbian, gibt es viele Emulatoren für verschiedenste Systeme.

Für den Einsatz des Raspberry Pi als ultimative Retroplattform empfiehlt sich das RetroPie-Projekt aus dem petRock-Blog. Dessen Autor hat ein praktisches Script zusammengestellt, das automatisch alle möglichen Emulatoren speziell für den Einsatz auf dem Miniaturcomputer herunterlädt, installiert und konfiguriert.

Nach wenigen kurzen Befehlen startet ein Menü, aus dem man bequem seine Wunschkonfiguration zusammenstellt: Soll es ein Heimcomputer-Simulator bestückt mit C64-, Amiga- und DOSBox-Emulator sein? Oder lieber eine Arcade-Maschine, gefüllt mit Mame-Klassikern und ergänzt durch Mega-Drive- oder Super-Nintendo-Titel? Nahezu alle Retro-Wünsche werden erfüllt.

Nur für die Spiele muss man selbst sorgen - einige Images alter Spiele sind legal frei erhältlich, bei anderen Titeln muss man ein legal erworbenes Exemplar des Originals besitzen.

Seit dem 13. September 2003 darf man für Sicherheitskopien seiner eigenen Spiele keinen DRM-Kopierschutz mehr umgehen. Da viele alte Konsolenspiele keinen Schutz haben, darf man von diesen weiterhin Backups anlegen, sofern man das Original besitzt. Am leichtesten bekommt man alte Klassiker als Bundles für PC, etwa auf Dotemu. Hier werden meist die Originale samt Emulator verkauft, diese kann man dann anschließend auf den Mini-Computer kopieren.

Um das volle RetroPie-Paket zu installieren und einzurichten, braucht der Raspberry Pi fast einen halben Tag. Wer nicht so lange warten will, kann hier ein vorkompiliertes Image für die SD-Karte herunterladen.

Stilvolles Gehäuse für den Retro-Zwerg

Fehlt nur noch ein geeignetes Gehäuse für den Raspberry Pi. Die Platine wird ohne Hülle ausgeliefert. Sie ist klein genug, um in einer alten Mega-Drive-Cartridge Platz zu finden. Ein netter Gag, aber etwas unpraktisch, denn hierfür muss man mehrere Öffnungen schneiden, damit Anschlüsse wie SD-Kartenslot und USB-Ports zugänglich sind. Außerdem ragen die angeschlossenen Kabel unschön an allen Seiten heraus.

Pfiffiger ist die Idee, ein klassisches Retro-Gerät als Hülle zu verwenden. Selbst ein kleiner Sinclair Spectrum bietet mehr als genug Platz, um einen Raspberry Pi unterzubringen. Hier werden die Kabel durch die bereits vorhandenen Öffnungen für Peripheriegeräte oder Stromstecker geführt. Bastler haben sogar einen Weg gefunden, wie man mit einigen Tricksereien die originale Gummitastatur des Sinclair ZX Spectrum am Raspberry Pi verwenden kann.

Erschienen in: "CHIP Power Play" 02/2013

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1. Überflüssig
EvilGenius 11.07.2013
Die ganzen Emulatoren gibts auch für den normalen Windows-PC. Der ksotet 0 Euro, weil man ihn eh schon daheim stehen hat.
2.
nr.42 11.07.2013
Zitat von EvilGeniusDie ganzen Emulatoren gibts auch für den normalen Windows-PC. Der ksotet 0 Euro, weil man ihn eh schon daheim stehen hat.
Nur begnügt sich dieser Zwerg mit ca. 3-5W und der Rechner zu Hause braucht da viel viel mehr! Außerdem ist R-Pi absolut flexibel und kann so viele tolle Sachen (Retrokonsole alá SNES/SEGA, TV-Box für HDTV, Router, Gäste-PC usw.) und ist wesentlich interessanter zum Basteln als irgendein Rechner zu Hause. Ich hole mir demnächst auch ein R-Pi und werde mich da ein wenig austoben. Mit allem drum und dran kriegt man für ca. 50 Euro einen kleinen sparsamen (Bastel-)Rechner, war ja auch der Gedanke dahinter, dass man für kleines Geld den Leuten (wobei vor allem Kindern) die grundlegende technischen IT-Sachen beibringen kann bzw. für die Informatik begeistern.
3.
EvilGenius 11.07.2013
Zitat von nr.42Nur begnügt sich dieser Zwerg mit ca. 3-5W und der Rechner zu Hause braucht da viel viel mehr! Außerdem ist R-Pi absolut flexibel und kann so viele tolle Sachen (Retrokonsole alá SNES/SEGA, TV-Box für HDTV, Router, Gäste-PC usw.) und ist wesentlich interessanter zum Basteln als irgendein Rechner zu Hause. Ich hole mir demnächst auch ein R-Pi und werde mich da ein wenig austoben. Mit allem drum und dran kriegt man für ca. 50 Euro einen kleinen sparsamen (Bastel-)Rechner, war ja auch der Gedanke dahinter, dass man für kleines Geld den Leuten (wobei vor allem Kindern) die grundlegende technischen IT-Sachen beibringen kann bzw. für die Informatik begeistern.
Gegen Bastelleidenschaft ist nichts zu sagen, ich hatte beim lesen nur den eindruck, die Emulationsfähigkeiten des Pi werden als Alleinstellungsmerkmal aufgeblasen.
4. Der Wert der Retro Rechner liegt ja nicht in den Spielen ,
stefan_sts 11.07.2013
sondern am Rechner selber , Emulatoren gibt es wie Sand am Meer , das ist kein Problem . Gutes Beispiel sind die großen Amigas , muß man für PC Teile meist noch die Anfahrt des Käufers zahlen , so kosten die Big Box Amigas in guter Ausstattung jetzt schon über 1000 Euro und es geht weiter nach oben .
5.
tetaro 11.07.2013
Zitat von stefan_stssondern am Rechner selber , Emulatoren gibt es wie Sand am Meer , das ist kein Problem . Gutes Beispiel sind die großen Amigas , muß man für PC Teile meist noch die Anfahrt des Käufers zahlen , so kosten die Big Box Amigas in guter Ausstattung jetzt schon über 1000 Euro und es geht weiter nach oben .
...ich denke mal, wegen des rein praktischen Werts wird sich kaum einer darauf einlassen. Das Ganze ist eher wie Oldtimersammeln in der Autobranche.
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Rechtslage Emulator-Spiele
  • Seit dem 13. September 2003 darf man für Sicherheitskopien seiner eigenen Spiele keinen DRM-Kopierschutz mehr umgehen. Da viele alte Konsolenspiele keinen Schutz haben, darf man von diesen weiterhin Backups anlegen, sofern man das Original besitzt. Am leichtesten bekommt man alte Klassiker als Bundles für PC, etwa auf dotemu.com. Hier werden meist die Originale samt Emulator verkauft, diese kann mann dann anschließend auf den Mini-Computer kopieren.
  • Raspberry-Pi-Stiftung


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