Reporter-Simulation "Warco" Mit der Kamera durchs Kriegsgebiet

Sieht aus wie ein Ego-Shooter, funktioniert aber anders: Das australische Spiel "Warco" simuliert die Arbeit einer Kriegsreporterin. Statt einer Waffe trägt die Spielfigur eine Handkamera. Zwei Dinge zählen - gutes Bildmaterial und das eigene Überleben.

Defiant Development

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Schießereien, Explosionen, schwerverletzte Menschen, die unter Trümmern eingeklemmt um Hilfe schreien - schon am Flughafen von Al Djoubako wird Jesse DeMarco klar, dass sie wirklich in einem Kriegsgebiet gelandet ist. Ein Einheimischer fordert sie auf, in sein Auto zu steigen, damit er sie in Sicherheit bringen kann. Doch die junge Frau antwortet: "Ich bin hier, um einen Krieg zu filmen, nicht, um davor wegzurennen." Also zückt sie ihre Kamera und zeichnet das Grauen auf Video auf. Später werden ihre Bilder in den Nachrichten zu sehen sein.

"Warco" (eine Abkürzung für war correspondent - Kriegsreporter), heißt das Spiel der Firma Defiant Development. Es lässt den Spieler in die Rolle einer Kriegsreporterin schlüpfen. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Ego-Shooter anmutet, dürfte sich eher wie ein Stealth-Game spielen. Statt einer Waffe hält die Spielfigur nämlich nur eine Kamera in der Hand. Mit diesem Gerät gilt es, als Journalistin DeMarco die Geschehnisse im fiktiven afrikanischen Staat Benouja zu dokumentieren, in dem gerade eine Revolution stattgefunden hat. Und bei dieser Arbeit zu überleben.

Der Australier Tony Maniaty, von dem die Spielidee stammt, rechnet sich gute Verkaufschancen für seine Simulation aus: "Die Gamer suchen immer nach etwas Neuem, etwas Anderem", sagt er. "Und über Journalisten existieren erst wenige Spiele." Zudem sei "Warco" auch für die Medienschaffenden selbst attraktiv - als "relativ günstiges, einsteigerfreundliches Trainingsprogramm".

"Zwei Storys werden niemals identisch sein"

"Warco" soll mehr bieten als Action-Sequenzen. Hat der Spieler ein Szenario überlebt, besteht die nächste Herausforderung darin, das aufgezeichnete Material für eine Nachrichtensendung zusammenzuschneiden. Dabei soll der Spieler selbst entscheiden können, was er der Öffentlichkeit präsentiert und was nicht, versprechen die Entwickler. Die Zusammenschnitte ihrer virtuellen Reportagereisen können die Gamer anschließend ins Internet stellen.

Verliert das mit steigender Videozahl nicht schnell seinen Reiz? "Nein", verspricht Tony Maniaty. "Zwei 'Warco'-Stories werden niemals identisch sein." Dafür sei das aufgezeichnete Material zu stark von den Entscheidungen des Spielers, seinem Talent und seiner Risikobereitschaft abhängig. "Prinzipiell hält den Spieler auch nichts davon ab, eine Natur-Dokumentation im Kriegsgebiet zu drehen", sagt Maniaty. Einfach werden dürfte das aber nicht: In den einzelnen Sequenzen von "Warco" soll der Spieler unter anderem Augenzeuge von Straßensperren, Hinterhalten und Geiselnahmen werden.

Es ist übrigens naheliegend, dass sich Tony Maniaty ausgerechnet mit dem Thema Kriegsberichterstattung beschäftigt. In den siebziger Jahren war er selbst Auslandskorrespondent, er berichtete unter anderem vom asiatischen Inselstaat Osttimor. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit hat Maniaty im Buch "Shooting Balibo" niedergeschrieben.

Viele moralische Fragen

Während Journalist Maniaty die Authentizität von "Warco" gewährleisten soll, ist der Filmregisseur Robert Connolly für die Dramaturgie zuständig. Geht es nach den Entwicklern, soll der Spieler ständig mit ethischen und moralischen Fragen konfrontiert werden, etwa: Sollte ein Videoreporter eine im Sterben liegende Frau filmen? Darf sich ein Journalist mit einer der Kriegsparteien verbünden? Muss alles, was aufgezeichnet wurde, auch der Öffentlichkeit präsentiert werden?

Wann und auf welchen Plattformen die Spieler Antworten auf diese Fragen finden können, steht noch nicht fest. Fertig ist laut den "Warco"-Entwicklern bisher lediglich eine zehnminütige Testversion des Spiels. "Unser Wunsch ist es, 'Warco' in den nächsten zwölf Monaten auf den Markt zu bringen", sagt Tony Maniaty. "Aber wir wollen auch ein überzeugendes Spiel abliefern. Und das könnte einige Zeit dauern."



insgesamt 8 Beiträge
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yomow 29.09.2011
1. Das wird nichts
Also ich denke nicht, dass dieses Spiel erfolgreich sein wird. Grundsätzlich aus 2 Gründen: 1. Fotos machen oder selber schießen?! In einem Ego-"Shooter" trifft doch eindeutig das 2. für die Mehrheit der Menschen zu. DAs wage ich einfach mal zu behaupten. Durch die Gegend laufen und nur fliehen und Fotos machen?! Überzeugt mich grade nicht wirklich. 2. Die Grafik sieht absolut bescheiden aus. Etwa auf dem Stand von vor 7 Jahren. Zumindest lässt das die Fotostrecke erahnen. Da spiel ich doch lieber Pokemon Snap ( http://en.wikipedia.org/wiki/Pokémon_Snap) für den N64 ;)
Argosch, 29.09.2011
2. Aller Anfang ist schwer!
Naja die Idee an sich ist nicht schlecht... Die Grafik ist aber so altbacken... (gut ist ja nur ein Grafikgerüst) Rein automatisch mußte ich an "Rafterman" und "Joker" denken... Ein Auslandskorrespondent ist gleich ein Kriegsberichterstatter? Was darf denn ein richtiger Kriegsberichterstatter,denn erzählen&Filmen UND veröffentlichen? ( http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsberichterstattung ) Kriegsberichterstatter war dann ja auch "JBK" Kerner der ÖFR? Da sind sie wieder, die drei Fragezeichen! Ich befürchte aber das die Möglichkeiten insgersamt sehr eingeschränkt sein werden und es auf gut und böse hinausläuft. Guter Soldat böser Terrorist/Aufständiger... oder so nähmlich... Ob dann etwas gut oder schlecht ist (gefilmt und zusammengeschnitten) bedarf es ja einer objektiben Meinunge, was nur ein ein Bewertungsportal ala` "Movie" bewerten kann. Auslandskorrespondenten sind´... ??? OHH MY GOOD! Die RÖF haben keine Journalisten mehr... Alle an vorderster Front gekillt! MfG Argosch
makutsov 29.09.2011
3. .
Ach du grüne Neune, die Grafik ist ja furchtbar und die Bewegungen und das Geschehen derart unecht. So ein sinnloses Spiel.
return33 29.09.2011
4. ..
man stelle sich mal vor das Spiel würde den Realismus wirklich bieten.... - hochauflösende High End Grafik (nicht son Schund der auf jeder 3 Jahre alten Konsole läuft) - man kann das ein oder andere Exkutionskommando filmen das Zivilisten erschiesst - vielleicht mal bei ner Massenvergewaltiung draufhalten - das Hündchen beim knabbern am abgerissenen Kopf filmen - durch die knöcheltiefen Blutseen schlendern (bitte mit Wellengang !) Das Geschrei in den Medien Das Geschrei bei der Zensur etc. Irgendwie sieht das ganze so nach "wasch mich aber mach mich nicht nass" aus
jobitrice 29.09.2011
5. Oh mann...
...Ist das langweilig! Ich hab mir das Video angesehen und dachte okay, hilf der Frau ihr Kind zu finden (geht leider nicht), oder hebe eine Waffe auf und schieß zurück (geht nicht), oder hilf dem Kind welches alleine an der Straße steht (geht nicht). Alles in allem, nur für Menschen geeignet, die noch nie einen Ego-shooter gespielt haben. Anderenfalls möchte man die ganze Zeit etwas tun ausser zu filmen...
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