"Resident Evil Zero" angespielt Nervendes Grauen

Ein Horrorspiel von 2003 ist zurück - und so richtig braucht dieses Comeback wohl niemand. Am besten ist "Resident Evil Zero", wenn man das Spiel als Geschichtsstunde betrachtet.

Von

Capcom

Draußen regnet und stürmt es, aber drinnen im Ecliptic Express ist es warm und behaglich. Doch das ändert sich schnell, als viele glitschig-schleimige Winzwesen an die Scheiben des Zuges geworfen werden und sich bald ins Innere begeben, um aus den Passagieren Zombies zu machen. Was schrecklich klingt, muss sein, schließlich ist das hier ja ein "Resident Evil"-Spiel. Oder besser gesagt: Es ist der Anfang der "Resident Evil"-Saga, auch wenn es nicht das erste Spiel der Reihe war.

"Resident Evil Zero" ist das Remake eines Gamecube-Spiels, das in Deutschland 2003 erschien. Damals war es das letzte der "Resident Evil"-Spiele der ersten Generation, in denen Horror, Rätsel, ein Winz-Inventar und eine unelegante Steuerung aufeinander trafen und zusammen eine Stimmung erzeugten, die man entweder hasste oder liebte.

Mit dem Anfang 2005 erschienenen "Resident Evil 4" wandte sich die Reihe der Action zu. Das machte sie zwar leichter zu spielen, viel sinnvoller wurden die B-Movie-Geschichten allerdings nicht. Es geht eigentlich immer darum, dass irgendwo ein sogenanntes T- oder G-Virus oder eine Variation davon auftaucht, dass Menschen in Zombies verwandelt werden und dass Spieler einige Auserwählte steuern, die den Ausbruch des Virus bekämpfen. Spaß macht es, solange man nicht mehr erwartet.

Bei "Resident Evil Zero" geht es um das T-Virus. Es trifft die Firma, die es entwickelt hat: Den Umbrella-Konzern, der so ungefähr alles Böse personifiziert, was man multinationalen Konzernen gern unterstellt. Natürlich arbeitet er im Geheimen an Biowaffen. Weshalb sich in diesem Spiel Rebecca Chambers, eine junge Kämpferin gegen Biowaffen und Billy Coen, ein zum Tode verurteilter Mann, gemeinsam durch einen Zug und diverse Geheimanlagen kämpfen müssen.

In Sachen Technologie ist Umbrella hochmodern, in Stilfragen jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts stehengeblieben: Der Konzern setzt auf Retro. Was nicht sonderlich viel Sinn macht, außer dass es die hochgradig morbide Stimmung des Spiels hervorragend unterstützt.

Das Ende des Zuges: Wo geht es raus?
Capcom

Das Ende des Zuges: Wo geht es raus?

Genervt vom Inventar-Verwalten

Andere Entscheidungen der Entwickler sind schwieriger zu verstehen. So zum Beispiel das Inventar, das auf wenige Fächer geschrumpft ist, in denen eine Pistole oder eine ausgewachsene Grünpflanze im Topf genau so viel Platz einnimmt wie ein Schlüssel oder ein kleine Münze. Natürlich: Es dient der Beschränkung, Spielern sollen nicht unzählige Waffen und viel Munition in die Hand bekommen.

Der Effekt aber ist ein anderer: Ich suche mir einen geschützten Raum, werfe dort alles ab, was ich finde und nehme nur das Nötigste mit, um später zurückzukommen und zu tauschen.

Und auch wenn ich zwei Protagonisten habe und zwischen ihnen tauschen kann: Ich verbringe gefühlt die Hälfte meines Spiels mit der Verwaltung des Inventars. Das führt nicht zu Spannung, sondern zu leichter Genervtheit.

Ich spiele dennoch mehr als die Stunde, die ich mir vorgenommen hatte. Irgendwann fehlt mir aber der Wille, mich weiter auf das Spiel einzulassen. Ich laufe im Zug hin und her, suche erst Schlüssel und dann die passenden Türen und dann wieder Schlüssel oder andere Werkzeuge, um weitere Türen oder Luken zu öffnen. Entschlüssele Bremscomputer und mache bald darauf Ähnliches in einem alten Gemäuer, das Umbrella gehört. Der einzige Unterschied: Die Wege sind länger und manchmal wird ein großer böser Gegner losgelassen.

Obwohl das Spiel optisch hervorragend an die neuen Konsolen angepasst wurde, packt mich das Grauen nicht. Ich nehme "Resident Evil Zero" eher als Geschichtsstunde wahr und stelle erleichtert fest, dass sich Spiele fortentwickelt haben. Dass sie im Zuge dessen vielleicht einfacher, zumindest aber leichter durchschaubar geworden sind.


"Resident Evil Zero" von Capcom, Download für Playstation 4 und 3, Xbox One und 360, PC, circa 20 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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insgesamt 5 Beiträge
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mr.motto 29.01.2016
1. 1-3 waren die besten
RE 1-3 waren die besten ihrer Klasse und sind es nach meiner Meinung immer noch, wenn man noch die Silent Hill 1 PSX und auch noch bis zur 3 für PS2, es ging nie um Action oder Megaeffekte, es war immer die Angst und Beklemmung, komme ich mit der Munition hin, was erwartet mich an der nächsten Ecke usw. Ich hätte mir eigentlich die zwei als Remake gewünscht auch wenn ich hier auch hin und her laufen muss um etwas zu erhalten oder zu bewegen, es macht aber auch Sinn, denn es soll auch einen zermürben und nicht wie heute alles vorgekaut bekommen. Die Bücher fand und finde ich heute noch gut, besonders die von Percy. Zu RE Zero war ich immer gespalten, weil ich es nicht mochte mich um meinen Partner kümmern zu müssen oder hin und herrennen muss für Waffen, die irgendwo ich mal abgelegt hatte. Das nervt und ist auch schade, dass man es was die Items angeht nicht etwas geändert hat. Sonnst hat es eine gute Geschichte und die Settings sind trotz alters immer noch super. Ich weis nicht wie alt der Autor ist, aber als Geschichtsstunde möchte ich es nicht betrachten, wenn dann eher um zu sehen, das waren noch gute durchdachte Spiele ohne sinnlose Grafikbombast oder hunderte Gegnern, quick time Events, die irgendwann ermüden.
BurnedSkin 29.01.2016
2.
"Ich nehme "Resident Evil Zero" eher als Geschichtsstunde wahr und stelle erleichtert fest, dass sich Spiele fortentwickelt haben." Und ich wünsche mir, dass es einen neuen Teil in eben diesem "alten" Stil nochmal geben wird. Mit Resi 4 und 5 konnte ich kaum was anfangen.
spon-facebook-10000049063 29.01.2016
3.
Anhand der Tatsache, dass der Autor das Spiel als Geschichtsstunde ansieht, entnehme ich, dass er zur Zeit der ersten Veröffentlichung noch nicht viel mit Spielen zu tun hatte? Klar, Spiele entwickeln sich, vieles wird einfacher, manches wird besser, vieles wird grafisch beeindruckender, manches wird auch spielerisch beeindruckender. Diese Entwicklung finden wir in allen Medienformen, dennoch ist es nicht damit getan, etwas Altes mit "Ach Gott, ist das altbacken" abzuurteilen. Das ist ähnlich, wie wenn ich die aktuelle Blue-Ray Veröffentlichung von "Das Kabinett des Doktor Caligari" mit den Worten "Die Kameraeinstellungen sind unfassbar langsam und der Film hat mich insgesamt gelanweilt. Was bin ich froh, dass es mittlerweile Ton, Farbe, Special Effects und schnellere Schnitte gibt." aburteilt. Im Kern ist das richtig, dennoch kann man historische popkulturelle Klassiker auch für ihre Andersartigkeit zu den heutigen Standards wertschätzen und genießen, ohne sie als langweilige, belehrende Geschichtsstunde verstehen zu müssen. Dann müssten wir auch Goethe langweilig finden, weil heutige Autoren viel publikumsnäher schreiben und man keinerlei Anstrengung braucht, sie zu verstehen. (Gut, der Vergleich zwischen Goethe und Resident Evil wird bei näherer Betrachtung vielleicht etwas..... "gewagt") :D
Marcel_Reif_Kommentarverb 29.01.2016
4. Den falschen Journalisten gefragt....
Hallo Hr. Görig. Als ihr Chef sie gefragt hat ob sie nicht Lust hätten 'Resident Evil Zero' zu beurteilen, warum haben sie nicht gleicht gesagt: 'Survival Horror' find ich doof und langweilig. Da man diesen Eindruck unwiderruflich von ihrer Rezension bekommt, hätten sie vielleicht lieber einen ihren Kollegen um Hilfe gebeten. Das sie gar keine Lust auf diesen Artikel hatten kann man alleine schon am Satz ablesen: 'Ich spiele dennoch mehr als die Stunde, die ich mir vorgenommen hatte. Irgendwann fehlt mir aber der Wille, mich weiter auf das Spiel einzulassen.' Nächstes Mal einfach zum Chef sagen: 'Ich hab keinen Bock'. Das wäre ehrlicher gewesen und hätte den Leser mit ihrer Anti-Haltung gegenüber 'Resident Evil' und dem 'Survival Horror Genre' verschont.
BremerHB 29.01.2016
5. 1996 auf Playstation
Der erste Teil erschien 1996/97 und war bei uns auf der Arbeit Kult und es gehört doch mehr dazu wie heute mal ne Stunde zudaddeln. Vermute mal der Autor ist einer der heutigen Erfolgs-Spieler die sofort das Spiel/Gilde wechseln, wenns nicht sofort läuft !
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