Klassiker-Check "Wing Commander": Killer-Katzen im Weltraum

Spieleklassiker: So sah "Wing Commander" aus Fotos
Michael Hengst

Furiose Weltraumschlachten und viele Filmsequenzen: So inszenierte Chris Roberts 1990 den Weltraumaction-Meilenstein "Wing Commander". Viele Spieler gaben wegen dieses Titels ein Vermögen für zwei Megabyte Arbeitsspeicher aus, erinnert sich Michael Hengst von der "PowerPlay".

Im Jahr 2654 befindet sich die Menschheit seit fast 20 Jahren im interstellaren Krieg mit den Kilrathi, eine Zivilisation katzenähnlicher Humanoiden. In den Tiefen des Weltalls tuckert eine terranische Kampfflotte auf der Suche nach feindlichen Schiffen von Sternensystem zu Sternensystem.

Das Trägerschiff "Tiger's Claw" ist Dreh- und Angelpunkt für die sich langsam entfaltende Story: In Kampfpausen trifft sich die Pilotenschar in der Bordkneipe, wo unser Nachwuchsheld mit dem Barkeeper oder den anwesenden Kollegen plaudert. Neue Einsätze erhalten wir im Rahmen eines detaillierten Briefings, bei dem uns auch ein Flügelmann zugeteilt wird. Diese Computerpiloten sind mit verschiedenen Persönlichkeiten ausgestattet und verhalten sich während der Mission auch dementsprechend.

Von einfachen Erkundungsflügen bis hin zu Kampfeinsätzen gegen feindliche Geschwader erwarten uns 39 Missionen. Die Einsätze folgen einer sich verästelnden Baumstruktur. Vermasselt man einen Einsatz, geht die Handlung an einer anderen Stelle weiter. Bei den Weltraumflügen ist die Bitmap-Grafik schön bunt, aber auch recht ruckelig - Schiffe und andere Objekte setzen sich aus Pixeln und nicht aus Vektoren zusammen.

Dichte Atmosphäre dank viel Film

Das Besondere an "Wing Commander" ist die cineastische Erzählweise und die daraus resultierende dichte Atmosphäre. Mit dieser genialen Mischung traf Roberts bei der "Generation Star Wars" genau auf den Punkt. Es folgten drei offizielle weitere Teile, jede Menge Umsetzungen und Add-ons sowie einige Spin-offs, wie beispielsweise "Privateer", das sich thematisch eher an "Elite" anlehnte. Chris Roberts selber führte 1999 bei der "Wing Commander"-Verfilmung Regie, doch der Film war ein arger Flop.

2012 meldete sich der Gamedesigner aus der Hollywood-Versenkung zurück und arbeitet derzeit an der Raumschiffsimulation "Star Citizen", die eine Story-Kampagne im Wing-Commander-Stil enthalten soll.

"Wing Commander" dürfte an einem beträchtlichen Anteil der PC-Neuverkäufe 1990 und 1991 schuld sein. Damals galten 286er-ATs mit zwölf Megahertz Taktfrequenz und 640 Kilobyte Arbeitsspeicher als Standard. "Wing Commander" verlangte für optimalen Spielgenuss satte zwei Megabyte Arbeitsspeicher, eine MIDI-Soundkarte sowie volle sechs Megabyte Festplattenplatz. Da rüstete man den heimischen Spiele-PC tapfer für den Gegenwert eines Monatslohns auf.

Erstaunlicherweise spielt sich "Wing Commander" heute noch manierlich. Die Handlung wirkt zwar recht schlicht, doch die Actionhatz zum jeweils nächsten Storyschnipsel macht Spaß. Der Antrieb, das Game erneut durchzuspielen, hält sich aber in Grenzen; zwei Jahrzehnte technologische Fortschritte sind nicht zu leugnen. Jedes Smartphone hat heute viel mehr Rechenpower als ein damaliger Top-Spiele-PC.

Bewertungen von 1990

"Was hier an Grafik und Musik abgespult wird, ist mehr als ein Spiel: Das ist reinstes Kino (...) selbst eine Mission, die fünfmal hintereinander geflogen wird, macht jedesmal aufs Neue Spaß." (Michael Hengst, "Power Play" 12/1990)

"Gäbe es eine spezielle Wertung für Atmosphäre und Stimmung in einem Spiel, würde Wing Commander die 90-Prozent-Marke lässig hinter sich lassen." (Heinrich Lenhardt, "Power Play" 12/1990)

Dieser Text ist erschienen in "CHIP Power Play" 02/2013

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insgesamt 59 Beiträge
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1.
mr.gamer 30.05.2013
---Zitat--- "Wing Commander" dürfte an einem beträchtlichen Anteil der PC-Neuverkäufe 1990 und 1991 schuld sein. Damals galten 286er-ATs mit zwölf Megahertz Taktfrequenz und 640 Kilobyte Arbeitsspeicher als Standard. "Wing Commander" verlangte für optimalen Spielgenuss satte zwei Megabyte Arbeitsspeicher, eine MIDI-Soundkarte sowie volle sechs Megabyte Festplattenplatz. Da rüstete man den heimischen Spiele-PC tapfer für den Gegenwert eines Monatslohns auf. Retro-Spiel Wing Commander im Check - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/retro-spiel-wing-commander-im-check-a-900261.html) ---Zitatende--- Oder man hatte standartmäßig einen Amiga 500 mit 7 MHz, 512 kB - 2,5 MB RAM OHNE Festplatte. 1990 war der PC unter Gamern doch noch garnicht so verbreitet. Für den Nachfolger von "Wing Commander" sollte damals (1996) sogar ein "RISC-Amiga" gebaut werden, aber leider kam es dazu dann nicht mehr.
2. Sehr geil...
kickaha74 30.05.2013
Zitat von sysopMichael HengstFuriose Weltraumschlachten und viele Filmsequenzen: So inszenierte Chris Roberts 1990 den Weltraumaction-Meilenstein "Wing Commmander". Viele Spieler gaben wegen dieses Titels ein Vermögen für zwei Megabyte Arbeitsspeicher aus, erinnert sich Michael Hengt von der "PowerPlay". http://www.spiegel.de/netzwelt/games/retro-spiel-wing-commander-im-check-a-900261.html
...in die Wing-Commander-Serie habe ich beträchtliche Lebenszeit investiert. ;-) Ist das tatsächlich schon 23 Jahre her?
3. optional
Bobby Shaftoe 30.05.2013
ich habe wing commander nie verstanden. die aufwendig gestalteten zwischensequenzen konnten mich nie darüber hinwegtrösten, dass das eigentliche gameplay furchtbar dünn war. da hat sich seit battlezone aus dem jahr 1980 erschreckend wenig geändert.
4.
DrStrang3love 30.05.2013
Zitat von mr.gamerOder man hatte standartmäßig einen Amiga 500 mit 7 MHz, 512 kB - 2,5 MB RAM OHNE Festplatte. 1990 war der PC unter Gamern doch noch garnicht so verbreitet. Für den Nachfolger von "Wing Commander" sollte damals (1996) sogar ein "RISC-Amiga" gebaut werden, aber leider kam es dazu dann nicht mehr.
...auf dem Wing Commander unspielbar langsam war. Unter einem deutlich beschleunigten Amiga mit einer 68020er Turbokarte lief da gar nichts.
5. Das waren Zeiten.
amuseemanc 30.05.2013
Zitat von sysopMichael HengstFuriose Weltraumschlachten und viele Filmsequenzen: So inszenierte Chris Roberts 1990 den Weltraumaction-Meilenstein "Wing Commmander". Viele Spieler gaben wegen dieses Titels ein Vermögen für zwei Megabyte Arbeitsspeicher aus, erinnert sich Michael Hengt von der "PowerPlay". http://www.spiegel.de/netzwelt/games/retro-spiel-wing-commander-im-check-a-900261.html
Oh ja! Wing Commander war dann letztlich der Auslöser, dass ich mich von meinem geliebten Amiga getrennt habe und auf den damals sog. "AT" umgestiegen bin. Es war ein 386er mit sagenhaften 33Mhz! , 40 MB Festplatte und Trident Grafikkarte. :) Mit Monitor hatte ich damals 4400,- DM hingeblättert. Soundkarte musste ich extra kaufen. Wing Commander habe ich geliebt. Nun warte ich sehnsüchtig auf Star Citizen wo ich mich am Crowdfunding beteiligt habe.
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