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"Rise of the Tomb Raider" im Test: Mehr Lara, Blut und Ekel

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"Rise of the Tomb Raider": Lara Croft ist zurück Fotos
Square Enix

Lara Croft ist zurück und ihre Spielwelt hübscher denn je. In "Rise of the Tomb Raider" muss sie leiden - und prügelt sich ihren Weg durchs kalte Sibirien.

Spoiler-Warnung: Dieser Artikel geht ab der zweiten Zwischenüberschrift ("Der Unfug muss stimmig sein") auf Details der Spielhandlung ein. Der Text endet mit einem spoilerfreien Kurzfazit.

Lara Croft springt auf einen Gegner, rammt ihm ihren Eispickel in den Hals. Sie zielt mit ihrem Bogen und schießt einen explosiven Pfeil in die Mitte ihrer Gegner, reißt das Sturmgewehr hoch und erschießt eine Welle von Söldnern nach der nächsten. Zwischendurch erkundet sie verlorene Städte und idyllische Täler.

"Rise of the Tomb Raider" ist der neue Teil der "Tomb Raider"-Reihe mit Gaming-Ikone Lara Croft als Protagonistin. Vorerst erscheint das Spiel exklusiv für Microsofts Konsolen Xbox One und Xbox 360. Wahrscheinlich hofft man dort, dass Lara Croft vor allem die schlechten Verkaufszahlen der Xbox One deutlich verbessern kann.

Playstation-4-Besitzer müssen sich wahrscheinlich noch ein knappes Jahr gedulden, bis das Spiel für ihre Plattform erscheint, für PC könnte es im April erscheinen. Ob sich Microsofts Exklusivdeal rechnet, darf bezweifelt werden, schließlich hat "Tomb Raider" seine absolute Hochphase schon hinter sich - was nicht heißt, dass "Rise of the Tomb Raider" ein schlechtes Spiel ist.

Ein Nehmen und Geben

Die Neuerscheinung wurde wieder von dem US-Studio Crystal Dynamics entwickelt, das der Serie vor zwei Jahren neues Leben eingehaucht hat. Die Entwickler erfanden "Tomb Raider" neu, indem sie Action vor Rätsel stellten und sich dabei ziemlich ungeniert von der "Uncharted"-Serie inspirieren ließen. Was in Ordnung ist, schließlich hat sich wiederum "Uncharted" einiges von den ersten "Tomb Raider"-Spielen abgeschaut.

Schöne Aussicht: Lara Croft in Sibirien Zur Großansicht
Square Enix

Schöne Aussicht: Lara Croft in Sibirien

Wer das vor zwei Jahren erschienene "Tomb Raider" gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden. Lara Croft ist in einer offenen, frei begehbaren Welt unterwegs. Spieler können sich wieder ihre eigene Lara Croft bauen, indem sie einzelne Fähigkeiten aufbauen können. Und erneut ist das Spiel oft überflüssig brutal: Es lässt Lara Croft drastische Tode sterben und scheint sich immer wieder an Blut und Ekel zu ergötzen.

"Rise of the Tomb Raider" lässt sich wunderbar flüssig spielen, und die Grafik ist hervorragend, wie unsere Bildstrecke zeigt. Die Geschichte dagegen ist haarsträubender Unsinn. Nicht nur der Name des Spiels wäre hervorragend für einen B-Movie geeignet, auch seine Geschichte ist es.

Der Unfug muss stimmig sein

Da geht es nach einem kurzen Besuch in Syrien ins tiefste Sibirien, um dort nahe einem ehemaligen Sowjetstützpunkt eine verlorene Stadt zu finden. Außerdem entdeckt man ein Tal mit von der Zeit vergessenen Bewohnern und setzt sich gegen die mittelgroße Privatarmee einer Geheimorganisation sowie ein Heer Untoter aus dem Mittelalter durch. Fehlen eigentlich nur noch Zombie-Nazis mit Flugscheiben.

Prinzipiell ist das nicht schlimm, schließlich hat noch kein "Tomb Raider"-Teil einen Preis für ein gutes Drehbuch bekommen. Auch "Indiana Jones" schaut man sich nicht wegen seiner historischen Akkuratesse an, sondern, weil es amüsanter Schwachsinn mit vielen Schreckmomenten und Explosionen ist. Wichtig ist aber, dass der Unfug stimmig ist.

In "Rise of the Tomb Raider" ist er das nicht. Mehr noch als im vorherigen Teil meint man hier eine große Kluft zwischen Spiel und Geschichte zu spüren, eine mangelnde Kommunikation zwischen den Actionszenen und den Momenten, die Lara Croft einen tiefen Charakter verpassen, ihr eine Geschichte geben wollen.

Die Rettung der Welten auf den Schultern

Während sich ein Nathan Drake charmant durch "Uncharted" schießt und dabei außer Flirts keine weiteren emotionalen Regungen zeigt, lädt man Lara Croft die Rettung der Welt auf die Schultern, lässt sie an dem Tod ihres Vaters verzweifeln und will ihre Reifung zur Frau darstellen. Gleichzeitig wollen die Entwickler aber nicht auf ein Action-Feuerwerk verzichten, dessen Explosionsrate nicht mehr weit vom Shooter "Call of Duty" entfernt ist.

Immer wieder sitzt Lara trauernd am Lagerfeuer und bereut all das Unheil, dass sie in die verlorene Stadt im sibirischen Gebirge gebracht hat, um kurz darauf wieder Gegner im Dutzend zu meucheln. Was natürlich ein innerer Widerspruch der meisten Actionspiele ist, hier aber besonders merkwürdig aufstößt. Vor allem, da die Körpersprache von Lara sich so in kürzester Zeit von zusammengesunkener Trauer in Raubkatze verwandelt.


Zusammengefasst: "Rise of the Tomb Raider" ist ein unterhaltsames Actionabenteuer mit toller Grafik. Die Geschichte ist hanebüchen, und mitunter wirken die Kampfszenen unpassend. Wer den Vorgänger mochte, wird aber auch an diesem Spiel Freude haben.


"Rise of the Tomb Raider" von Square Enix, für Xbox One und 360, ab 45 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Offene frei begehbare Welt
kuchengespenst 13.11.2015
Das Gegenteil ist der Fall: zieht man den ganzen Budenzauber ab, hat man ein lineares Spiel, das den Spieler zwingt, genau das zu machen, was gerade nötig ist. Wieder ein Spiel, dem der Spieler vollkommen egal ist.
2. wieder mal ganz gut
meykota 13.11.2015
Wieder einmal wurde hier ganz gute Arbeit geleistet. Ich war mit dem Reboot der Reihe keineswegs zufrieden: Es waren mir schlichtweg zu viele Gegner, die sich oft plötzlich von der Decke abseilten. Die Entwickler wollten schon damals, dass man mit Lara mitfühlt, doch ich konnte und kann diesem Huhn einfach nichts abgewinnen. Sorry. Mir ist immer noch unbegreiflich wie man aus dieser Powerfrau so ein Huhn voller Widersprüche macht. Aber danke für den Artikel, dann weiß ich, dass auch dieser Teil für mich absolut nicht von Interesse ist.
3. @kuchengespenst
spon-fb-1337 13.11.2015
Ja, der erste Teil des Reboots war ultra-linear. Das MUSS aber nicht unbedingt etwas schlechtes sein, ich z.B. hatte gar keine Lust, dort groß auf Erkundung zu gehen. Ich habe genau das bekommen, was ich wollte: Quasi immer geradeaus laufen & ballern, ständig explodiert was oder stürzt spektakulär ein. Wie ein Michael Bay Film. Das macht sicherlich kein gutes, anspruchsvolles Spiel, ist aber (im Gegensatz zu Michael Bay Filmen) unterhaltsam.
4. Total falsche Richtung
Prof. Dr. Dr. BuddyLove 13.11.2015
Ich hab damals Teil 1 auf der PS1 gezockt und war total fasziniert von der tollen klasischen Musik, die einem in diversen Momenten eine Gänsehaut über den Rücken gejagt hat. Es gab kaum was zum ballern, mal ein paar Löwen, etc. Das Spiel hat durch seine tolle Atmosphäre und Rätsel gepunktet. Seit bei Tomb Raider dieses doofe, blutige Geballer eingebaut wurde, ist es eigentlich kein echtes Tomb Raider mehr. Meine Kinder hatten total Spaß mit Tomb Raider Underworld und können jetzt die Serie nicht mehr weiterspielen, da 18+. Vielleicht kennt einer ein Spiel wie Tomb Raider, mit super Grafik und Rätseln aber ohne dieses Gemetzel?
5.
AHF84 13.11.2015
Zitat von spon-fb-1337Ja, der erste Teil des Reboots war ultra-linear. Das MUSS aber nicht unbedingt etwas schlechtes sein, ich z.B. hatte gar keine Lust, dort groß auf Erkundung zu gehen. Ich habe genau das bekommen, was ich wollte: Quasi immer geradeaus laufen & ballern, ständig explodiert was oder stürzt spektakulär ein. Wie ein Michael Bay Film. Das macht sicherlich kein gutes, anspruchsvolles Spiel, ist aber (im Gegensatz zu Michael Bay Filmen) unterhaltsam.
Das mag ja sein. Das Spiel hatte mich am PC auch sehr gut unterhalten. Man muss aber sagen, dass die Reihe sehr weit weg ist vom ursprünglichen Spielprinzip. Wenn ich daran denke, wie lange ich teilweise brauchte, Geheimnisse in Tomb Raider 1-3 zu lösen, weiterzukommen. Das fehlt komplett. Heute wird ein Spiel ja schon als schwer eingestuft, wenn man 5 Minuten überlegen muss. Ein bisschen trauere ich Tomb Raider 1, 2 und 3 hinterher. Tomb Raider Anniversary war ein gutes Remake, aber der 2. Teil der Klassikreihe ist und bleibt mein Favorit (trotz inzwischen mieser Grafik).
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus.


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