Rollenspiel "Evoland": Raus aus der Pixelwüste
In "Evoland" kann man die Evolution der Rollenspiele nachspielen, mit jedem Abschnitt wird das Spiel moderner. Ein Meilenstein ist es deshalb nicht, aber es macht Lust auf Genreklassiker wie "Ultima" und "Final Fantasy VII" - die man kostenlos oder für wenig Geld im Netz bekommt.
Sie haben mal wieder Lust, Horden von Gegnern kaputtzuklicken wie einst in "Diablo"? Sie wollen rundenbasiert kämpfen wie in "Final Fantasy VII"? Dörfer erforschen wie in "The Elder Scrolls II: Daggerfall"? Aber eigentlich haben Sie keine Zeit mehr für epische Rollenspiele? Dann ist "Evoland", ein Indie-Abenteuerspiel, das von seinem Entwickler für knapp zehn Euro online verkauft wird, der ideale Zeitvertreib für Sie.
Bis zum Endkampf dauert "Evoland" nur knapp vier Stunden. Doch auf dem Weg dorthin erlebt man als Spieler die Evolution des Genres nach, optisch wie spielerisch. Konkret bedeutet das zum Beispiel: In den ersten Sekunden kann der Protagonist ausschließlich nach rechts laufen. Zunächst kämpft er überwiegend rundenbasiert, später in Hack-and-Slay-Manier. Dabei wird auch die Grafik immer besser: Nach und nach wandelt sich die Clink genannte Hauptfigur vom schwarzweißen Pixelhaufen zum HD-Helden. Noch mehr zum Spielverlauf verrät unsere Bildergalerie.
Wer "Evoland" vor dem Kauf ausprobieren will, hat kostenlos die Chance dazu, zumindest indirekt:Die ursprüngliche Version des Spiels steht online bereit. Entwickler Nicolas Cannasse hat sie im Sommer 2012 in nur 30 Stunden für den Spieldesignwettbewerb Ludum Dare programmiert. Anfang April ist eine aufgebohrte Fassung seines Wettbewerbsbeitrags erschienen.
Hoffen auf die nächste Kiste
Ein Genre-Meilenstein ist das käufliche "Evoland" aber nicht geworden. Von den unterhaltsamen Klassiker-Referenzen abgesehen schwächelt das Rollenspiel. Oft erwischt man sich als Spieler dabei, nur auf die nächste Schatztruhe zu hoffen, deren Öffnen die Welt wieder ein Stück weit verändert. Mal ist die Steuerung schuld daran, dass die Zwischenparts nerven, mal sind es stupide Zufallskämpfe. Zudem fehlt "Evoland" eine spannende Geschichte.
So bleibt Cannasses Spiel vor allem eines, das beständig daran erinnert, wie sehr andere Titel mal gefesselt haben - und eines, das Lust auf echtes Retro-Gaming macht. Im Folgenden haben wir deshalb sechs Rollenspielklassiker zusammengestellt: vom uralten "Ultima" bis zum vergleichsweise modernen "Gothic".
Pixelperle aus den Achtzigern: "Ultima"
Ein typisches Beispiel für einen Klassiker ist "Ultima", das 1981 für den Apple II erschien und das Rollenspiel-Genre mitbegründete. Kaufen kann man Richard Garriotts Fantasy-Abenteuer beispielsweise bei gog.com: Der Anbieter bietet die drei ersten "Ultima"-Teile, welche die Trilogie "Age of Darkness" bilden, zusammen für knapp sechs Dollar an. Sie laufen unter Windows XP, Vista, 7 und 8 sowie auf Mac OS X ab Version 10.6.8 aufwärts.
Stundenlang die Welt erkunden: "The Elder Scrolls II: Daggerfall"
"The Elder Scrolls II: Daggerfall" wurde 1996 veröffentlicht und ist einer der "Skyrim"-Vorgänger. Das Spiel bietet bis heute eine der größten virtuellen Welten der Spielegeschichte - wenn auch weite Teile zufallsgeneriert sind. Laut seinen Entwicklern enthält "Daggerfall" 5000 Dörfer und 750.000 Charaktere. Auf elderscrolls.com kann man "Daggerfall" kostenlos herunterladen, spielen kann man es per DOS-Emulator. Warnung: Wegen der vielen Programmierfehler erhielt das Spiel seinerzeit den Spitznamen "Buggerfall".
Hack-and-Slay -Klassiker: "Diablo"
Online verkauft Blizzard nur den zweiten Teil von "Diablo", für 14,99 Euro. Den ersten Teil, der 1997 in Deutschland auf den Markt kam, bekommt man günstig im Internethandel und über Auktionsportale. Die "Best Seller Series"-Version läuft offiziell unter Windows NT 4 sowie Windows 95 und 98. Wem der Versand zu lange dauert: Im Netz finden sich zumindest Browserspiel-Klone des Hack-and-Slay-Klassikers.
Wahlweise original oder aufgehübscht: "Baldur's Gate"
Außer "Diablo" war "Baldur's Gate" eines der Spiele, das dem Rollenspiel-Genre Ende der Neunziger zu neuer Popularität verhalf: Das BioWare-Spiel erlaubte es dem Spieler, bis zu sechs Charaktere zu kontrollieren. 2012 ist "Baldur's Gate" in einer aufgehübschten Fassung erschienen, die für das iPad neun Euro kostet. Für die Windows- und Mac-Versionen zahlt man etwa das Doppelte. Das Windows-Originalspiel verkauft unter anderem gog.com für zehn Dollar.
Klassiker mit neuen Features: "Final Fantasy VII"
Neu aufgelegt wurde kürzlich auch "Final Fantasy VII", das 1997 für die Playstation erschien. Das Remake für den PC bietet manch neues Feature, Speicherpunkte beispielsweise werden in einer Cloud abgelegt. Die Kämpfe sind nach wie vor rundenbasiert. Im Online-Shop von Square Enix kostet der Download 12,99 Euro. Das Spiel läuft unter Windows XP, Vista und 7.
Deutsches Meisterwerk: "Gothic"
Wer lebendige Spielewelten schätzt, dem sei "Gothic" empfohlen: Dem deutschen Entwicklerstudio Piranha Bytes gelang es 2001, ein Action-Rollenspiel herauszubringen, bei dem vor allem die Atmosphäre überzeugte. Online kaufen kann man "Gothic" beispielsweise mit seinen beiden Nachfolgern in der "Gothic Universe Edition". Der Download kostet bei Steam rund 20 Euro. Als Betriebssystem wird Windows Vista, XP, 2000, ME oder 98 vorausgesetzt.
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- Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.
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