Spott über "Rollercoaster Tycoon"-Crowdfunding Atari lädt Investoren zur Achterbahnfahrt

Atari und "Rollercoaster Tycoon" waren einst Synonyme für gute Unterhaltung. Jetzt schafft ein Crowdfunding-Projekt das Kunststück, gleich beide Marken in ein seltsames Licht zu rücken.

Atari-Kampagnenwebsite

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Nein, überzeugend wirkt das nicht, was Atari Game Partners da vorhat. Die Tochterfirma des Konzerns Atari - den mit der Kultfirma aus den Siebzigerjahren nur noch der Name verbindet - will eine neue Version der Freizeitpark-Simulation "Rollercoaster Tycoon" auf den Markt bringen, für Nintendos Switch. Prinzipiell könnte so ein Spiel auf der portablen Konsole Spaß machen, nur: Allzu gut wirken die Vorzeichen nicht, unter denen Atari Game Partners nun online Geld für die Spielentwicklung sammeln will.

"Ich bin Todd von Atari, du könntest von uns gehört haben", stellt sich Atari-Manager Todd Shallbetter in einem Video auf der Crowdfunding-Website StartEngine vor. Dann erzählt er, dass mit den zehn größten Marken von Atari bereits über zwei Milliarden Dollar verdient wurden. "Wir wissen, was wir tun, wir haben das schon gemacht", beschwört Shallbetter den Zuschauer, um dann zu verkünden: "Zum ersten Mal überhaupt nutzt diese ikonische Spielfirma Crowdfunding, um ihre Entwicklungspläne zu finanzieren."

Was im Video klingt, als sei es die Nachricht der Stunde, sorgt im Netz gerade vor allem für Spott und Hohn, wie solche Twitter-Beiträge aus der Spielebranche zeigen:

Für 750 Dollar gibt es 25 Prozent Rabatt

Tatsächlich liegt vor allem eine Frage nahe: Wenn Atari doch so erfolgreich war und ist, warum werden dann jetzt private Geldgeber und Fans von "Rollercoaster Tycoon" gebraucht, um eine Switch-Umsetzung des Spiels möglich zu machen? Zumal diese technisch und inhaltlich nicht allzu aufwendig klingt: Die Entwickler wollen das Spiel schließlich noch in diesem Jahr veröffentlichen.

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Ataris Geschichte: Vorgeprescht und abgehängt

Fragen ergeben sich auch beim Blick auf die Prämien für Unterstützer. In erster Linie zielt das Crowdfunding-Angebot zwar auf Investoren. Denen wird in Aussicht gestellt, dass sie ihr Investment eines Tages - wenn "Rollercoaster Tycoon" jemals fertig und auf der Switch zum Erfolg wird - samt etwas Geld on top wiederbekommen. Natürlich werden aber auch "Rollercoaster Tycoon"-Fans angesprochen, die schlicht darauf hoffen, dass sie das Spiel bald auf der Switch spielen können. Dieser Zielgruppe tritt Atari Game Partner voll in den Magen.

So bekommt etwa, wer die Mindestsumme von 250 Dollar investiert, am Ende nicht einmal ein Exemplar des geplanten "Rollercoaster Tycoon", wenn es in den Handel kommt. Und es wird noch irrer: Wer mindestens 750 Dollar in das Projekt investiert, darf sich gerade mal über 25 Prozent Rabatt auf ein Exemplar der Switch-Version freuen.

Ein Entwickler mit wenig ruhmreicher Vorgeschichte

Wegen solcher Merkwürdigkeiten sind auch die ausführlichen Hintergrundinformationen zur Atari-Offerte einen Blick wert: Darin heißt es, Atari Game Partners werde im Optimalfall zwei Millionen Dollar per Crowdfunding zusammenbekommen. Davon jedoch werde dann letztlich nur ein Teil wirklich in die Spielentwicklung fließen. 600.000 Dollar zum Beispiel sollen dafür aufgewendet werden, Teile des Programmcodes und der Spiel-Engine der vorherigen Serienteile zu nutzen (PDF, Seite 15). Bemerkenswert daran: Die Firma, die das Geld erhält, RTCO Productions, ist den Erklärungen zufolge selbst eine Atari-Tochter.

Für die Entwicklung des neuen Spiels ist übrigens Nvizzio Creations zuständig, ein Studio, das für Atari schon "Rollercoaster Tycoon World" fertigstellte, ein PC-Spiel, das zum Beispiel das Spielemagazin "Gamestar" 2016 als "Bug-Fest im Zombiepark" bezeichnete und mit einer für die Reihe schockierend niedrigen Wertung von 37 von 100 Punkte abstrafte. Nvizzio Creations war damals schon die insgesamt dritte Firma, die an "Rollercoaster Tycoon World" gearbeitet hatte.

Das Studio hat vergangenes Jahr noch "Rollercoaster Tycoon Touch" veröffentlicht, ein Mobilspiel für iOS und Android, das immerhin etwas weniger schlecht bewertet wurde als "Rollercoaster Tycoon World". An "Rollercoaster Tycoon Classic", einem zuvor erschienenen Mobilspiel mit Elementen aus den ersten beiden Serienteilen, das bei Fans und Kritikern deutlich besser ankam, war das Studio indes nicht beteiligt.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
SirSpamALot 25.01.2018
1. schade
wie eines meiner liebsten franchises heruntergewirtschaftet wurde, sodass es jetzt nur noch taugt via mikrotransaktionen das Geld von den PlayStore accounts unter-14-jähriger zu saugen. jedem der Interesse an der alten Reihe hat kann ich nur empfehlen die ersten 3 Teile zu spielen oder aber auf planet coaster umzusteigen, welches mit teammitgliedern des ehemaligen rct entwicklerteams ein echt schönes Spiel geworden ist (anfängliche Performance Schwierigkeiten sind lange verziehen)
miha_bre 25.01.2018
2. Vielleicht machen wir mit der Kohle auch was ganz anderes
Aus dem Offering Memorandum, Seite 9 ("Risikofaktoren"): Vielleicht entwickeln und verkaufen wir auch ein ganz anderes Spiel. In diesem Fall kriegen die Investoren dieser Offer auch nichts ab. Sauber.
UnitedEurope 26.01.2018
3.
Crowdfounding wurde doch schon pervertiert. Es ist selbst für große Studios eine bequeme Einnahmequelle, ein Test wie groß das Interesse ist und entsprechend Risikominimierung, ob sie gerade am Markt vorbei entwickeln. Dabei bleibt aber weniger für kleine Studios, welche wirklich auf solche Finanzierungsmodelle setzen müssen. Ich sehe es aber nicht ein, wieso ich einem EA oder Ubisoft mein Geld geben soll, damit sie sich überhaupt dafür interessieren, das Spiel zu entwickeln. Macht es oder lasst es bleiben.
immerlächeln 26.01.2018
4. Alternativen sind vorhanden
Frontier Development hat seit einiger Zeit eine mit positiver Kritik bedachte und sehr preiswerte Alternative auf dem Markt: Planet Coaster. Wer solche Spiele mag sollte sich das mal ansehen. Kein Mensch braucht noch eine schlechte Fortsetzung des Originals von Leuten, die des ikonischen Markennamens ATARI nicht gerecht werden.
metastabil 26.01.2018
5.
Zitat von miha_breAus dem Offering Memorandum, Seite 9 ("Risikofaktoren"): Vielleicht entwickeln und verkaufen wir auch ein ganz anderes Spiel. In diesem Fall kriegen die Investoren dieser Offer auch nichts ab. Sauber.
Der Passus ist nicht als "Vielleicht entwickeln wir mit dem Geld auch was anderes, und dann bekommt ihr nichts." zu interpretieren. Vielmehr schildert Atari Game Partners, dass sie eventuell unabhängig von RCTS mit Finanzen aus anderen Quellen noch andere Spiele entwickeln und vermarkten, dass die Gewinne aus diesen Spielen für die Gewinnbeteiligung der RCTS-Investoren keine Berücksichtigung finden. Dabei besteht allerdings das Risiko, dass Atari Game Partners aufgrunddessen in finanzielle Schwierigkeiten gerät (z.B. durch schlechte Verkaufszahlen oder durch Verwicklung in einen Rechtsstreit), und dadurch nicht mehr in der Lage sein könnte, die RCTS-Investoren auszuzahlen.
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