Strategiespiel "Rymdkapsel": Faszination durch Abstraktion

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Gespielt: "Rymdkapsel" Fotos
webbfarbror

Das Strategiespiel "Rymdkapsel" hat alle genretypischen Zutaten: Der Spieler muss Räume bauen, Angriffe abwehren, Vorräte anlegen. Gleichzeitig aber ist es eine Übung in Minimalismus: Es besteht nur aus abstrakten Farbflächen und weißen Punkten.

Zu spät! Ein roter Pfeil schwebt über meiner Raumstation, schießt auf alles, was sich bewegt. Manche meiner weißen Punkte haben Glück. Sie haben es rechtzeitig zu einem blauen Raum geschafft, in dem sie Waffen finden und sich verteidigen können. Die anderen sind wehrlos, haben gerade Vorräte oder Baumaterial getragen und sind vom Feind überrascht worden. Und ich bin schuld. Ich habe zu lange gezögert, wollte sie noch schnell einen Raum fertigbauen lassen. Jetzt werde ich mindestens zwei weitere Angriffe abwarten müssen, bis ich genug Wesen herangezogen habe, um weiterzumachen.

"Rymdkapsel" ist ein Strategiespiel für iOS und Android und nebenbei eine Lektion in Minimalismus: Räume sind geometrische Flächen, die aussehen, als seien sie bei Tetris abgeschaut worden. In grünen wachsen Pflanzen, in gelben werden diese zu Essen. In rosa Räumen werden Rohstoffe abgebaut, in türkisen wird Energie produziert. In immer kürzeren Abständen greifen Gegner an, im Laufe der Zeit werden es immer mehr. Ziel des Spiels: Möglichst viele Angriffswellen zu überleben und daneben Monolithen zu entschlüsseln, die rund um die Raumstation schweben. Ein klassisches Aufbaustrategiespiel, aber reduziert und abstrahiert, so weit das überhaupt möglich ist.

Anfangs ist das fast meditativ. Ein Gefühl, das auch durch die Musik unterstützt wird, die sanft flirrt. Doch die Entspannung weicht schon bald strategischen Überlegungen: Wie soll die Station am besten gebaut werden? Wie spare ich Wege, wie stelle ich sicher, dass die Figuren den schützenden Waffenraum gut erreichen können? Ich ertappe mich dabei, wie ich den weißen Punkten eine Persönlichkeit zuordne. Wie ich sie anspornen möchte. Oder sie beschimpfen, weil sie viel zu lange brauchen und viel zu komplizierte Wege laufen. Wie ich ihnen zurufen möchte: "Da lang! Pass auf, hinter dir!" Und doch ohnmächtig zusehen muss, wie sie in ihr Verderben rennen. Aus den farbigen Flächen entstehen in meinem Kopf lebendigere Welten als detaillierte Grafik sie jemals schaffen könnte. Ich darf mich nicht einlullen lassen. Ich bin schließlich für das Leben der Pünktchen verantwortlich.

Der Druck wird stärker, die Gegner kommen immer schneller wieder. Es ist kaum noch Zeit, meine verlorenen Figuren zu ersetzen, geschweige denn, weiterzubauen. Irgendwann ist es vorbei, ich darf meine Raumstation im eingefrorenen Standbild betrachten. Leer. Ohne Leben. Und muss überlegen, wo ich was hätte machen können, wie ich weitergekommen wäre. Es muss noch besser gehen.


"Rymdkapsel" von webbfarbror, für iOS, Android und Playstation Mobile, ca. 3,89 Euro

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Was geht?
kumbao 14.08.2013
Da hat der gute Herr Goering ja tatsaechlich mal ein Spiel besprochen, dass ich noch nicht kannte und das mal abseits des Mainstreams ist. Weiter so, dann werden ihre Spielerezensionen sogar mal wirklich lesenswert.
2. Interessant
Sherlock70 14.08.2013
Das sieht nach einem stark abgespeckten DwarfFortress aus, mit Weltraum-Umgebung. Da es das Original nicht mobil gibt, könnte das hier für kurzfristigen Ersatz herhalten.
3. Quelle?
eu-citizen 14.08.2013
Wo findet der Nicht-Nerd so ein Spiel?
4. Steht doch da
Sherlock70 14.08.2013
Zitat von eu-citizenWo findet der Nicht-Nerd so ein Spiel?
Das Spiel gibt es für iOS und Adnroid, einfach mal den Namen im jeweiligen App- bzw. PlayStore eingeben. Kann so schwer nicht sein.
5. Schleich...
Tommes 14.08.2013
werbung! Das war zumindest mein erster und auch einziger Gedanke beim Lesen dieses Berichtes.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele.


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