"Serious Sam 3 VR" im Test Schreit mich nicht an!

Brille auf und Kopf aus: In "Serious Sam 3 VR" kämpft der Spieler gegen gigantische Skorpione, Laser-Harpyien und Zyklopen. Das ist ziemlich intensiv und spaßig, würde nur nicht alles gleich aussehen.

SPIEGEL ONLINE

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Die Spiele der "Serious Sam"-Reihe waren Ballerspiele im wortwörtlichen Sinne. Haushohe Monster treffen auf eine absurde Geschichte, mit einem sprücheklopfenden Machohelden. Der 2011 erschienene dritte und bisher letzte Teil der "Serious Sam"-Reihe wurde jetzt für die virtuelle Realität (VR) umgesetzt. Doch was kommt raus, wenn ein klassisches Spielprinzip auf neue Technik trifft?

Am Inhalt des Spiels hat sich in VR wenig geändert. Zum 37-Euro-Paket gehört die gut achtstündige Kampagne sowie ein vollwertiger Multiplayer-Modus mit verschiedenen Spielmodi. Nur die Erweiterung "Jewel of the Nile" fehlt in der VR-Fassung, die sich über Steam mit der Oculus Rift und der HTC Vive spielen lässt.

Wieder sind die Aliens schuld

Große Geschichtenerzähler werden die kroatischen Entwickler von Croteam, die Serious Sam 2001 erfunden haben, auch in der virtuellen Realität nicht. Im dritten Teil der Reihe dient die Geschichte wie im Original nur als Kulisse für das Geballer.

So gibt es zwar auch in VR Zwischensequenzen, sie nutzen das Potenzial der Rundumsicht aber kaum. Mit hastigen Schnitten und Perspektivwechseln wird der Zuschauer eher dazu gebracht, sie zu überspringen.

Wer trotzdem dranbleibt, bekommt die Vorgeschichte der ersten beiden Serienableger erzählt: Die Menschen haben in Ägypten Artefakte einer überlegenen Alienrasse entdeckt und reisen mit ihrer Hilfe in die Weiten des Alls. Blöderweise verärgern sie damit Alienanführer Mental, der es jetzt auf die Erde abgesehen hat. Stoppen soll ihn Serious Sam.

Der Spieler kann selbst entscheiden, wie er den Helden steuert. Anders als im zuvor erschienen VR-Spiel "Serious Sam: Last Hope" bewegt sich der Charakter nämlich nicht auf vorgegebenen Wegen, sondern darf frei durch die Spielwelt manövriert werden. Das geht entweder mit verschiedenen Teleport-Varianten oder mit den Analog-Sticks der Oculus-Controller beziehungsweise den Touchpads der Vive. Insgesamt bietet das Spiel zahlreiche Optionen, das VR-Erlebnis auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Die Steuerungsvariante mit den Analogsticks bietet dabei am meisten Bewegungsfreiheit und ermöglicht schnellere Reaktionen. Vor allem, wer im Stehen spielt und die Kameraperspektive durch Kopfbewegungen steuert, steigert die Immersion. Das Spielgeschehen ist dabei ziemlich dynamisch und nach kurzer Eingewöhnung lässt es sich gut kontrollieren.

Alles, was das All zu bieten hat

Diese Kontrolle ist auch dringend nötig. Denn Alienboss Mental lässt Tausende Kreaturen auf Serious Sam los. Haushohe Skorpione mit großen Maschinengewehren zum Beispiel, gigantische Alienköpfe auf zwei Beinen oder Kamikazemonster mit Bomben statt Händen, die schreiend auf den Spieler zustürmen.

Im Originalspiel oder beim bloßen Blick auf den PC-Monitor mögen die überzeichneten Gegnerhorden albern wirken, unter der Virtual-Reality-Brille sind sie deutlich angsteinflößender. Wenn einen plötzlich riesige Kreaturen umzingeln und das Maul eines Zyklopen ganz nah ist, läuft einem ein Schauer den Rücken herunter. Die Gefechte sind schnell und verlangen dem Spieler im normalen Schwierigkeitsgrad einiges ab.

Grau in Grau

Weitaus weniger aufregend ist die Umgebung, in denen sich der Spieler den Alienhorden stellt. Die meiste Zeit ist Sam in tristen Stadtruinen unterwegs. Es sagt viel über die Kreativität der Entwickler aus, wenn sich der Spieler über einen Ausflug in eine karge Wüste oder auf die optische Abwechslung einer Tempelanlage freut. Allgemein wirken die spaßigen Schießereien, die Monster und die comicartige Gewalt in den grauen zerklüfteten Stadtruinen, die eher an ein "Call of Duty" erinnern, fast deplatziert.

Die immer gleiche Architektur sorgt in der VR-Variante sogar für einen spielerischen Nachteil: Die Orientierung fällt schwer. Dem Spieler ist daher oft unklar, ob er gerade an einem neuen Ort angekommen ist oder ob er schon einmal dort war.

Davon abgesehen ist dem Spiel in Sachen Grafik wenig vorzuwerfen. Die Texturen sind scharf, das Spielgeschehen läuft mit der richtigen Hardware angenehm flüssig.

Unterm Strich ist "Serious Sam 3 VR" ein guter, intensiver und vergleichsweise umfangreicher Shooter für die virtuelle Realität. Die Fehler der Ursprungsfassung werden in der virtuellen Realität allerdings noch deutlicher. Etwas mehr Farbe und Fantasie beim Leveldesign hätten dem Spiel gutgetan.


"Serious Sam 3 VR: BFE", für PC; 36,99 Euro auf Steam; USK: ab 18 Jahren, getestet auf PC mit Oculus Rift und HTC Vive



insgesamt 3 Beiträge
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seb.mazur@googlemail.com 01.12.2017
1. Auch für MS Mixedreality
Man kann das Spiel auch hervorragend mit den neuen Windowsheadsets spielen. Das Träcking der Vive ist aber weiter unübertroffen. Ein spaßiges Spiel mit Inhalt und vor allem länge. Denn lange Titel sucht man noch oft in der VR-Welt.
dod1977 01.12.2017
2. Danke für den Test!
VR-Spiele, vor allem Perlen wie Serious Sam 3 VR, werden noch viel zu selten der Öffentlichkeit vorgestellt, daher ein großes Dankeschön an SPON! Ohne regelmäßige Berichterstattung bleibt sonst in den Köpfen der Leute ein "Es gibt ja eh keine Spiele für VR" oder "Wenn es nur endlich einen echten und guten Shooter mit bekannter Marke für VR geben würde" ;) . Performance und vor allem Anpassungsmöglichkeiten gegen Motion Sickness sind bei Croteams Shooter vorbildlich, die Spielzeit super und, verdammt, es bringt so höllisch viel Spaß! Werde sogar Doom VFR ein wenig verschieben um vorher mit Sam den Aliens in die Testikel zu treten.
hotgorn 02.12.2017
3.
Schade dass es das nicht auf der psvr gibt. Hab gerstern zu doom vfr gegriffen alles bestens nur der linkshändermodus für den aimcontoller den außer farpoint besitzt fehlt. Konnte mich trotzdem gut abgeagieren und ordenlich dämonen mit meinem teleporter zum platzen bringen.
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