Server-Ausfall: Wütende Fans verfluchen "SimCity"

Die Städte-Simulation "SimCity" ist bei Fans extrem beliebt - und wird im Netz derzeit doch von Tausenden wütend verrissen. Der Grund ist nicht das Spiel selbst, sondern die zwangsweise Netz-Anbindung: Weil die Server versagten, können viele erboste Käufer "SimCity" gar nicht spielen.

Städte-Simulation: So sieht das neue "SimCity" aus Fotos
Electronic Arts

"SimCity" ist eine Spielemarke mit einer treuen, ja zum Teil besessenen Fangemeinde. Der langerwartete neue Teil der Reihe ist erst seit ein paar Tagen erhältlich. Von der Fachpresse wurde er mit überwiegend positiven bis euphorischen Rezensionen bedacht - bei Amazon und auf anderen Bewertungsplattformen aber vernichten die Fans "SimCity" gerade.

Die "Special Edition" hat im deutschen Webshop über 450 Ein-Stern-Bewertungen - schlechter geht es nicht.

Bei Amazon USA hat man die Download-Version von "SimCity" mittlerweile sogar aus dem Sortiment genommen - nachdem über 4000 Ein-Stern-Bewertungen aufgelaufen waren, mit teils wütenden Kommentaren, teils langen Tiraden gegen den Publisher Electronic Arts (EA). Die noch verfügbare "Standard Edition" kommt dort auf über 1500 Negativbewertungen. Im Bewertungsportal "Metacritic" kommt "SimCity" auf 1,5 von 10 möglichen Punkten.

Der Grund für die Wut der Fangemeinde ist nicht das Spiel - es ist die Tatsache, dass man online sein muss, um "SimCity" richtig spielen zu können, genau das aber seit Tagen nicht oder nur eingeschränkt funktioniert - weil die Spieleserver dem Ansturm nicht gewachsen sind.

Auszug aus einer von Hunderten Tiraden bei Amazon Deutschland:

"Was der Marke 'SimCity' aktuell durch die Raubkopiephobie eines Publishers an negativer Response zuteil wird, kann keine Marketingabteilung und auch kein Kundenservice mehr reparieren - besonders dann nicht, wenn er so kundenunfreundlich wie der von EA ist."

Von "Abzocke" ist die Rede, von "Enttäuschung auf der ganzen Linie" und einem "tollen Spiel mit katastrophalen Rahmenbedingungen". Das PR-Desaster für EA und das Spielestudio Maxis ist so groß, dass Electronic Arts sogar Marketingpartner vorübergehend aufforderte, "alle Texte, die für 'SimCity' werben, vorerst von ihrer Webseite zu entfernen".

Der Online-Zwang ist eine Methode, mit der die großen Spielehersteller sich gegen Raubkopien schützen wollen - wer kein Original besitzt, den weist der Server zurück. Auch andere hatten damit schon ähnlichen Ärger, etwa Ubisoft mit einem Titel der "Assassin's Creed"-Reihe. Auch da versagten die Server, auch da gab es wütenden Protest.

"SimCity"-Designer Ocean Quigley sagte im Interview mit SPIEGEL ONLINE kürzlich, dass der Online-Zwang in diesem Fall noch andere Gründe habe: Es sei sein Wunsch gewesen, "dass die Beziehungen mehrerer Städte zueinander eine Rolle spielen". Weil man außerdem einen Mehrspielermodus habe integrieren wollen "erschien es uns sinnvoll, dass Städte Daten an unsere Server schicken, die dann die Region simulieren. Das ist auch so, wenn man alleine spielt, damit die Spielearchitektur nicht unnötig kompliziert wird."

All das wird die wütenden Käufer des Spiels, das immerhin, je nach Version, 54 bis 70 Euro kostet, kaum beruhigen können.

Am Freitag reagierte Lucy Bradshaw vom "SimCity"-Entwicklerstudio Maxis mit einem Entschädigungsangebot: "Wir bieten Ihnen ein kostenloses Downloadspiel aus dem EA-Angebot an." Am 18. März würden Spieler, die bis dahin ihr Spiel aktiviert hätten, eine E-Mail mit den Details erhalten. "Es tut uns leid, was passiert ist", schrieb Bradshaw weiter, "wir hoffen, dass Sie nicht wütend bleiben und dass wir wieder Freunde sein können, wenn 'SimCity' wieder zu 100 Prozent läuft."

Wie dieses Angebot ankommt, bleibt abzuwarten. Was die Spieler aber kaum zufriedenstellen dürfte, ist die Erklärung für die massiven Ausfälle, die Bradshaw anzubieten hatte: "Die kurze Antwort ist: Es haben sich viel mehr Leute eingeloggt, als wir erwartet hatten."

cis

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 142 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
osis1980 09.03.2013
Haha! Sorry aber das Desaster bei BF3 mit Origin hat mir echt gereicht. EA und Ubisoft können ihren Kram behalten.
2. optional
SethSteiner 09.03.2013
Der Onlinezwang ist KEINE Methode um sich vor Raubkopien zu schützen, denn bekanntlich gibt es sie trotzdem. Onlinezwang gibt es um eine Kundenbindung zu erzwingen und den Datenverkehr zu kontrollieren, maßgeblich um das Spielverhalten zu analysieren und außerdem um Werbung zu übertragen, für weitere Spielinhalte, die bei Sim City bspw. vor Release herausgeschnitten wurden. EA interessiert sich nicht für Kundenrechte, man hat ihnen vor Release gesagt, was man von Origin hält und vom Onlinezwang und doch haben sie es einfach gemacht, denn sie wollen auf günstige Art und Weise Geld verdienen. Aus diesen Grund enthält die Collectors Edition auch nichts, gar nichts außer digitale Inhalte, für die man so oder so bezahlt. Und aus diesem Grund sind die Maps auch so klein. Aus diesem Grund sieht das Spiel auch so billig aus. EA ganze Firmenpolitik ist darauf ausgelegt den Konsumenten zu verarschen und zu entrechten. Sie gehören endlich mit Gesetzen gestoppt, weg mit dem alten Urheberschutz, diese Leute brauchen endlich Regeln, keine Rechte.
3. Fehlplanung?
DrWimmer 09.03.2013
Wenn jeder Käufer das Spiel aktivieren muss um vernünftig spielen zu können, wie kann man dann vom Ansturm überrascht sein? Man wird wohl bei der positiven Presse davon ausgehen müssen, dass 70-100% der ausgelieferten Boxen auch gekauft werden und muss entsprechend planen... Komisch! Nichtsdestotrotz tragen die Raubkopierer die Hauptschuld, nicht EA. Allerdings denken die sich regelmäßig die Höchststrafen für ehrliche Käufer aus. Auf Dauer geht das sicherlich auch nicht gut.
4. Nur zur Info
UluKay 09.03.2013
Der Grund für Onlineaktivierung war nicht in erster Linie der Schutz vor Raubkopien, sondern hauptsächlich die Austrocknung des Gebrauchtspielemarktes
5. hach, wie schlimm...
siezmichnicht 09.03.2013
Zitat von sysopDie Städte-Simulation "SimCity" ist bei Fans extrem beliebt - und wird im Netz derzeit doch von Tausenden wütend verrissen. Der Grund ist nicht das Spiel selbst, sondern die zwangsweise Netz-Anbindung: Weil die Server versagten, können viele erboste Käufer "SimCity" gar nicht spielen. ... All das wird die wütenden Käufer des Spiels, das immerhin, je nach Version, 54 bis 70 Euro kostet, kaum beruhigen können. ... Serverfehler sorgt für massive "SimCity"-Ausfälle, wütende Proteste - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/serverfehler-sorgt-fuer-massive-simcity-ausfaelle-wuetende-proteste-a-887888.html)
Meine Güte. Was für ein Sturm im Bierglas. Ein armseliges Kompilatchen für ein Trinkgeld. Sollen sie das doch kostenlos und ohne Serverzwang verticken und dafür mit Werbung garnieren, damit lässt sich besser verdienen. Ich frage mich auch, wer es nötig hat, SimCity zu spielen. Sollte ich einmal bettlägerig im Altersheim oder auf der Palliativstation verrotten und nicht mehr in der Lage sein, die Metropolen dieser Welt in realiter zu betrachten, fang ich vielleicht auch an, mich mit SimCity zu trösten. Falls Google Streetview mir nicht mehr reicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Games
RSS
alles zum Thema Games
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 142 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Städtespiel: So sieht das neue "SimCity" aus


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.