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"Shadow of the Tomb Raider" im Test

Viel bleibt nicht hängen

Tempel, Gräber, Höhlen, dazu Raubtiere und schwer bewaffnete Gegner - und natürlich Lara Croft: Das neue "Shadow of the Tomb Raider" bleibt der Erfolgsformel der Serie treu, im Guten wie im Schlechten.

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Montag, 10.09.2018   15:12 Uhr

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"Tomb Raider" ist eine der erfolgreichsten Game-Serien überhaupt. Der erste Teil der Spielereihe um Lara Croft, entwickelt vom englischen Studio Core Design, erschien 1996 und brach schnell Verkaufsrekorde. Das lag auch daran, dass eine markante weibliche Figur die Protagonistin des Spiels war. Für die damalige Zeit war das etwas Besonderes, denn die Spielewelt war damals noch stärker männlich dominiert als heute, was sich auch an Lara Crofts absurd anmutender Oberweite zeigte.

Crofts Brustumfang ist im Laufe der Jahre deutlich kleiner geworden und auch andere Elemente der Reihe haben sich sehr verändert - spätestens, seit Core Design nicht mehr für die Reihe zuständig ist und Spielprinzip und Figur von einem neuen Studio modernisiert wurden. Seit 2006 wird "Tomb Raider" nun in Nordamerika entwickelt.

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Das neue "Shadow of the Tomb Raider" ist in Montreal entstanden und folgt der Linie der vorherigen Teile, die Spielwelt etwas offener zu gestalten und mehr Action hinein zu bringen. So hetzt man schon in den ersten Minuten atemlos durch einen alten Tempel, sieht zu, wie eine Stadt in Meer und Flammen versinkt und schafft es kaum durchzuatmen, bevor man - zum gefühlt hundertsten Mal - mit einem Flugzeug abstürzt.

Und auch falls das noch nie in einem "Tomb Raider"-Spiel vorgekommen sein sollte: Es fühlt sich so an, als wäre es das. Weil einem alles bekannt vorkommt, weil man das Gefühl hat, alles schon gesehen zu haben. Das mag unfair klingen, doch die "Indiana Jones"-Referenzen, die Ähnlichkeit zur "Uncharted"-Reihe - die sich wiederum stark auf "Tomb Raider" bezieht - lassen nur noch wenig Raum für wirklich überraschende Wendungen.

Kein Zeit zum Nachdenken

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Die Tempel im Spiel sind riesig und üppig ausgestattet, jahrhundertealte Maschinerie bewegt riesige Mechanismen. Alles hinter einer dünnen Wand versteckt, die nur auf Lara Croft gewartet hat, die sie mit einem beherzten Schlag zum Einsturz bringt - was die Einwohner der Gegend in Hunderten von Jahren nicht geschafft haben.

So dünn wie die Wand ist auch der Plot. Da geht es um einen Dolch, der eine Katastrophe auslösen kann, durch die mindestens die Welt untergehen wird - oder so ähnlich. Und während Lara Croft sich durch versteckte Gänge hangelt und Rätsel löst, sind ihre Gegner immer schon vorher da, stellen Privatarmeen auf und bomben die schönsten Tempel kaputt. Warum das so ist, wird nicht vernünftig erklärt - warum auch. Man lässt dem Spieler ohnehin keine Zeit, über den löchrigen Plot nachzudenken.

Selten nehmen die Entwickler etwas Fahrt raus und arbeiten an einer Art Charakterentwicklung. Wenn sie es mal tun, geben sie der jungen Lara Croft ein wenig Raum und zeigen Momente, aus denen deutlich werden soll, was sie motiviert, woraus sie ihre Besessenheit zieht.

Auch wenn das nur zu einem Teil wirklich funktioniert: Die Momente, in denen Croft als kleines Mädchen ihr Elternhaus in einen mystischen Tempel verwandelt, sind so zauberhaft, dass man sich ein ganzes Spiel davon wünscht. Vor allem, weil es im nächsten Moment weitergeht mit Kämpfen, in denen sie ganze Banditenhorden niedermetzelt, um in der nächsten Szene das Morden der Anderen anzuklagen.

Die bewährte Formel

Spielerisch hat sich gegenüber den letzten Spielen kaum etwas geändert: Immer noch klettert Lara an Fassaden und Felswänden entlang, springt über Abgründe und löst Rätsel. Die immerhin sind wieder etwas kniffliger geworden. Zumindest dann, wenn man den Schwierigkeitsgrad entsprechend anpasst und sich die Lösung nicht gleich verraten lässt, was auf der leichtesten Stufe passiert. Eine schöne Neuerung, schließlich kann sich so jeder durch das Spiel bewegen, wie er möchte.

Und auch beim Klettern oder den Kämpfen lässt sich die Schwierigkeit nach Belieben verändern. So kann man zum Beispiel die weißen Hinweisspuren verschwinden lassen, die das Klettern etwas sehr einfach machen.

Insgesamt ist "Shadow of the Tomb Raider" ein typischer Vertreter der Reihe: Es sieht umwerfend gut aus, ist technisch nahezu perfekt und zaubert immer wieder tolle Ausblicke auf den Bildschirm. Doch ob man sich jetzt in Mexiko, Peru oder Indien herumtreibt oder welche Geheimorganisation der augenblickliche Gegner ist, das fragt man sich beim Spielen eigentlich nie. Man macht einfach mit, weil sich ein neues "Tomb Raider"-Spiel immer wieder gut anfühlt.

Für Abende mit ein wenig exotischer Unterhaltung und der Illusion von Abenteuer ist "Shadow of the Tomb Raider" perfekt. Hängenbleiben wird vom Spiel aber wenig.


"Shadow of the Tomb Raider" von Square Enix, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 60 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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